Während Union und FDP über das Ergebnis der Wahl frohlocken, warnen SPD und Grüne vor voreiligen Schlüssen - und ärgern sich über Abweichler.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Horst Köhler zu seiner Wiederwahl als Bundespräsident gratuliert. Sie bezeichnete Köhler angesichts der Wirtschaftskrise als "den Präsidenten, den Deutschland in dieser Situation braucht". Mit Blick auf mögliche Auswirkungen auf die Bundestagswahl sagte sie, es sei "sicherlich eine Entscheidung auch in Richtung zukünftiger Bündnisse, dass wir unser Ziel mit der FDP erreicht haben". Allerdings habe "jede Wahl ihre eigene Dynamik". Jede Wahl habe ihre eigene Dynamik, sagte sie. "Heute zeigt sich, dass wir das, was wir wollten, geschafft haben, gemeinsam und nicht alleine."

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SPD-Chef Franz Müntefering hielt dagegen, es habe für Köhlers Wiederwahl "gerade gereicht". Schwans Niederlage "hat mit der Bundestagwahl nichts zu tun", sagte er nach der Abstimmung. Auch 2004 hätten Union und SPD den Sieg von Horst Köhler als Signal für Schwarz-Gelb gepriesen. "Das war es aber nicht, wie sich dann herausgestellt hat." Auch bei der Wahl im Herbst werde es Schwarz-Gelb erneut nicht schaffen, sagte der Parteichef voraus.

Die unterlegende Kandidatin Gesine Schwan werde in der SPD weiterhin eine wichtige Rolle spielen. "Es bleibt ihr Verdienst, mit ihrem Engagement in den vergangenen Monaten die öffentliche Debatte vorangebracht zu haben", sagte Münterfering.

DGB-Chef Michael Sommer empörte sich in einem Interview mit der Onlineausgabe des Hamburger Abendblatts über die Abweichler aus dem rot-grünen Lager: "Ganz offensichtlich hat das rot-grüne Lager nicht gestanden. Das kann sie ja jeder ausrechnen, der Adam Riese kennen gelernt hat. Es fehlen zehn Stimmen. Da muss mal sehen, wer das gewesen ist", sagte er. Er persönlich schätze zwar Horst Köhler, habe aber trotzdem Gesine Schwan gewählt. Inzwischen hat sich als erste Politikerin aus dem rot-grünen Lager die Grünen-Politikerin Silke Stokar gegenüber der SZ dazu bekannt, für Horst Köhler gestimmt zu haben.

Für Gesine Schwan hat sich die Kandidatur "völlig gelohnt." Ihre Kandidatur sei eine notwendige "Alternative" gewesen. Sie hätte sich allerdings nicht aufstellen lassen, wenn dies die SPD nicht mitgetragen und wenn sie keine Chance gehabt hätte. Im Gegensatz zu anderen kandidiere sie aber auch, wenn sie sich "nicht absolut sicher" sein könne. Obwohl sie nicht alle Stimmen aus dem eigenen Lager bekommen hatte, zeigte sich Schwan "ganz sicher", dass sie alle Stimmen der Sozialdemokratie bekommen habe. An die Bürger gerichtet sagte sie, man müsse Profil zeigen: "Es geht nicht ohne Profil."

FDP Chef Guido Westerwelle sprach von einem "schönen Tag für die Demokratie." Er freue sich darüber, dass der Versuch von SPD, Grünen und Linkspartei einen so hervorragenden Bundespräsidenten aus dem Amt zu bringen " gescheitert sei.

Linke-Chef Oskar Lafontaine lobte den Linke-Kandidaten Peter Sodann, dieser habe seine Sache gut gemacht.

SPD-Fraktionschef Peter Struck sprach von einer "denkbar knappsten" Mehrheit für den Amtsinhaber Köhler, die nur mit Hilfe der Freien Wähler zustande gekommen sei. Er hoffe, dass Gesine Schwan weiter in der Mitte der SPD aktiv sein werde. Im Hinblick auf die Bundestagswahlwahl zeigte sich Struck überzeugt, dass Union und FDP keine gemeinsame Regierung werden stellen können. Beide Parteien hätten auch in der Bundesversammlung keine eigene Mehrheit gehabt.

Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sieht nach eigenen Worten keine Auswirkungen auf die Bundestagswahl. Zur Wiederwahl Köhlers sagte sie: "Es war zwar eine Mehrheit, aber es war auch eine Mehrheit mit Hilfe der Freien Wähler. Die Bundestagswahl ist offen."

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nannte die Aufstellung Schwans einen "schweren Fehler der SPD-Führung." "Die SPD hat heute die Chance vertan, einen breiten Konsens für den Bundespräsidenten zu ermöglichen. Anstatt unsere Land zusammenzuführen, hat die SPD auf Spaltung gesetzt", so der Generalsekretär.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gratulierte Köhler, dieser habe mit seiner Amtsführung bewiesen, dass er gerade in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise mit seiner Nähe zu den Menschen der richtige Mann am richtigen Platz sei. "Horst Köhler repräsentiert Deutschland in hervorragender Weise nach innen und nach außen", sagte Seehofer. Seine Widerwahl sei ein "wichtiges Signal der Kontinuität und Verlässlichkeit". Zu Köhlers knapper Mehrheit meinte Seehofer: "Horst Köhler hat knapp gewonnen, aber wir Bayern sagen dazu: "Passt scho".

Niedersachsens Ministerpräsident und CDU-Vize Christian Wulff bezeichnete die Wiederwahl von Horst Köhler als "Glücksfall". "Köhler führt zusammen und verbindet Kompetenz mit Bürgernähe." Wulff war einer der Wahlmänner in Berlin, die niedersächsische CDU schickte aber auch den Präsidenten des Europa-Parlamentes, Hans-Gert Pöttering, Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und weitere sechs Landesminister nach Berlin, um für Köhler zu stimmen.

Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso sprach Bundespräsident Horst Köhler ebenfalls seine Glückwünsche zur Wiederwahl aus. Diese falle in eine Zeit großer Veränderungen in Europa. "Insbesondere gilt es, die tiefe Wirtschaftskrise zu überwinden und die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen", so Barroso. Für die zweite Amtszeit wünsche er Köhler viel Erfolg. "Ich bin zuversichtlich, dass die Bundesrepublik Deutschland auch in den kommenden Jahren ihre starke Rolle in der Europäischen Union wahrnehmen und für eine weitere Vertiefung der europäischen Integration eintreten wird", hieß es in dem von der EU- Kommission veröffentlichten Schreiben.

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(dpa/AFP/AP/bosw)