Nach der Bodenoffensive Israels im Gaza-Streifen fordern zahlreiche Regierungen einen sofortigen Waffenstillstand. Nur die USA scheren aus.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die israelische Bodenoffensive im Gaza-Streifen nachdrücklich kritisiert. Er forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Er sei "zutiefst besorgt" über die weitere Eskalation im Nahen Osten, hieß es in einer in New York verbreiteten Erklärung.

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Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas verschärft sich: Israelische Soldaten sind auf das Palästinensergebiet vorgedrungen. (© Foto: Getty Images)

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Bei einem Telefongespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert habe Ban seine Enttäuschung über den Einmarsch von Bodentruppen zum Ausdruck gebracht.

Die US-Regierung machte nach Beginn der Bodenoffensive erneut die Hamas für die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten verantwortlich. Der Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe, sagte, die Aktion am Boden sei Teil der israelischen Militäroperation.

Ein Sprecher des Außenministeriums teilte mit, die US-Regierung bemühe sich um einen Waffenstillstand, der ein Ende der palästinensischen Raketenangriffe einschließe. Zuvor hatten die USA im UN-Sicherheitsrat einen Appell für einen sofortigen Waffenstillstand im Gaza-Streifen blockiert.

Eine solche Entschließung würde von der Hamas nicht befolgt und wäre daher der Glaubwürdigkeit des Weltsicherheitsrats abträglich, sagte der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Alejandro Wolff am Samstag in New York. Israel sei ein Mitglied der Weltgemeinschaft. Sein Vorgehen dürfe nicht mit Aktionen einer Terrorgruppe wie der Hamas verglichen werden.

Der amtierende französische Vorsitzende Jean-Maurice Ripert sagte in New York, die große Mehrheit des UN-Sicherheitsrates verlange eine sofortige Waffenruhe, die von allen Seiten voll respektiert werden müsse. Die Initiative für eine weitere Erklärung des Rates war von arabischen Staaten ausgegangen.

Hamas spricht von "Farce"

Der britische UN-Botschafter John Sawers nannte es "sehr enttäuschend", dass sich das 15-Staaten-Gremium nicht auf einen Kompromiss verständigen konnte. Angesichts der Zuspitzung der Lage müsse alles für eine Waffenruhe getan werden. Der libysche UN-Botschafter Giadalla Ettalhi kritisierte, dass sich die USA allen Bemühungen um einen Kompromiss widersetzt hätten.

Die Hamas verurteilte das Scheitern einer gemeinsamen Erklärung des UN-Sicherheitsrats scharf. Das Geschehen im UN-Sicherheitsrat sei eine "Farce" und beweise, dass die USA und Israel die Entscheidungsfindung in dem Gremium beherrschten, erklärte Hamas-Sprecher Fausi Barhum.

Barhum warf zudem der von Tschechien geführten EU-Ratspräsidentschaft Einseitigkeit zugunsten Israels vor. Der tschechische Regierungschef und amtierende EU-Ratspräsident Mirek Topolanek hatte die israelische Bodenoffensive im Gaza-Streifen am Samstag als "eher defensiv als offensiv" bezeichnet.

Anders beurteilten dies offenbar einzelne europäische Regierungen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich nach dem Beginn der Bodenoffensive sehr besorgt über die weitere Entwicklung der Kampfhandlungen. "Das rückt die Hoffnung auf eine kurzfristige Einstellung in weite Ferne", erklärte Steinmeier in Berlin.

"Um so dringlicher ist es, gemeinsam mit allen unseren Partnern daran zu arbeiten, welchen Beitrag die internationale Staatengemeinschaft leisten kann, um die Voraussetzungen für einen Waffenstillstand zu schaffen." Steinmeier appellierte zudem an alle Seiten, die Versorgung der Bevölkerung mit dringend benötigten humanitären Hilfsgütern zu ermöglichen.

Verhandlungen für eine Waffenruhe

Frankreich verurteilte die israelische Bodenoffensive ebenso wie die Raketenangriffe der Hamas. Die britische Regierung zeigte sich "beunruhigt und bestürzt" vom Beginn der israelischen Bodenoffensive.

Der britische Premierminister Gordon Brown forderte eine umgehende Waffenruhe im Nahen Osten. Die Menschen im Gaza-Streifen seien dringend auf Hilfe angewiesen, während die Israelis auf ein Ende des Raketenbeschusses hofften, erklärte Brown am Sonntag in London. Darum sei ein Waffenstillstand ein wichtiger erster Schritt.

Die internationale Gemeinschaft inklusive der Arabischen Liga müsse bei der Lösung des Problems zusammenarbeiten. Notwendig sei eine Übereinkunft, die Israel Sicherheit innerhalb seiner Grenzen gewähre und den Palästinensern einen existenzfähigen Staat ermögliche, sagte Brown der BBC.

Zuvor hatte Außenminister David Miliband bekräftigt, der einzige Weg zu Sicherheit und Gerechtigkeit für Israelis und Palästinenser führe über eine Zwei-Staaten-Lösung. Er verwies zudem auf die Bemühungen der Europäischen Union um eine dauerhafte Waffenruhe in Nahost und die in den kommenden Tagen bevorstehenden Besuche der EU-Troika und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in der Region.

Der ehemalige britische Premierminister und Nahost-Beauftragte Tony Blair wollte noch am Sonntag mit einer Pendeldiplomatie zwischen Israel und dem palästinensischen Westjordanland beginnen.

Russland entsendet nach dem Beginn der Bodenoffensive im Gaza-Streifen zur Sondierung der Lage einen Sonderbotschafter in den Nahen Osten. Vize-Außenminister Alexander Saltanow werde noch am Sonntag abreisen, teilte das Außenministerium in Moskau mit.

Der Diplomat habe von Kremlchef Dmitrij Medwedjew die Aufgabe erhalten, "Kontakte in Israel, in palästinensischen Gebieten sowie in Damaskus und Amman herzustellen". Moskau sei besorgt über die "fortgesetzte Destabilisierung der Situation im Gazastreifen". Bereits in den vergangenen Tagen hatte Russland mehr als 100 seiner Bürger, darunter viele Frauen und Kinder, aus der Region ausgeflogen.

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(AFP/AP/dpa/Reuters/gal/mati)