Reaktionen in Korea und Japan Wo der Trump-Kim-Gipfel die Hoffnung keimen lässt

Angetan: Viele Südkoreaner verfolgen den Gipfel im Fernsehen.

(Foto: Ahn Young-Joon/AP/dpa)
  • Der Optimismus, der in Südkorea schon seit der Annäherung an Nordkorea bei den Olympischen Winterspielen herrscht, erhält mit dem Trump-Kim-Gipfel neuen Auftrieb.
  • US-Präsident Trump ist in Singapur der Linie von Südkoreas Regierungschef Moon gefolgt. Dieser will Pjöngjang aus der Isolation helfen. Die Konservativen in Südkorea kritisieren Moon für seine "weiche Linie" scharf.
  • Japans Regierung erhob vor dem Gipfel die härtesten Forderungen. Das Ergebnis des Treffens ist davon weit entfernt. Trotzdem lobt Premier Abe Trump.
Von Christoph Neidhart

Südkoreas Regierung begann ihre reguläre Kabinettssitzung am Dienstag vor einem Flachbildfernseher. In einer Live-Sendung schauten sich die Minister den Handschlag an, mit dem sich US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un in Singapur begrüßten. Danach sagte ein müde wirkender Präsident Moon Jae-in, er habe in der Nacht vor Aufregung nicht schlafen können.

Moon, der Regisseur der Entspannung auf der koreanischen Halbinsel, hatte noch am Montagabend 40 Minuten mit Trump telefoniert. Trump dankte Moon in seiner Pressekonferenz für die Vermittlung. Er werde ihn gleich anrufen, sagte er. US-Außenminister Mike Pompeo wird am Mittwoch in Seoul erwartet, um die Südkoreaner über den Gipfel zu informieren. In einem ersten Kommentar gratulierte Moon Trump und Kim zum "historischen Gipfel, der den letzten Rest des Kalten Kriegs" beenden werde.

Das Treffen von Kim und Trump war erbärmlich

Der US-Präsident und der Machthaber Nordkoreas hätten sich vieles sagen können. Stattdessen ging es um Autos und ein wertloses Stück Papier. Es war ein Schauspiel des außenpolitischen Kontrollverlustes. mehr ...

Die Schlusserklärungen, die Trump und Kim in Singapur unterzeichneten, klängen, als hätte Moon sie aufgesetzt, nicht US-Sicherheitsberater John Bolton, sagte Ko Myong-hyun vom Asan-Institut, einem auf Nordkorea spezialisierten Thinktank in Seoul, im südkoreanischen Fernsehen. Bolton hatte noch im Mai von einer Libyen-Lösung gesprochen. Damit meinte er den baldigen Abtransport aller Atomsprengköpfe Nordkoreas nach Tennessee, wo sie demontiert werden sollten.

Donald Trump hingegen habe sich nun auf eine "Anti-Libyen-Lösung" eingelassen, sagte Ko. Damit folgt er Moons Kurs, den auch die Chinesen unterstützen. Aus Sicht Moons ist Nordkoreas Denuklearisierung notwendig, aber sie hat nicht jene Priorität, die Washington ihr bis vor Kurzem gab. Südkoreas Präsident will Nordkorea vielmehr aus der Isolation helfen, der vollständige Verzicht auf die Atomwaffen komme mit der Einbindung Nordkoreas in die Staatengemeinschaft, so lautet sein Konzept.

"Wir sind wie eine Familie geworden"

Der Optimismus, der in Südkorea schon seit den Olympischen Winterspielen herrscht, erhielt mit dem Trump-Kim-Gipfel neuen Auftrieb. Manchmal ist das schon sehr greifbar: Die Landpreise an der Grenze zum Beispiel steigen schon seit dem Frühjahr; viele mittelständische Unternehmen, die bis Februar 2016 im gemeinsamen Industriepark der beiden Koreas in Kaesong, nördlich der Grenze, produzierten, bereiten sich auf eine Rückkehr vor. Sie beschäftigten dort etwa 50 000 Nordkoreaner. Am Dienstag sagte einer der Unternehmer, er wolle möglichst bald zurück, nicht nur um zu produzieren: "Wir sind wie eine Familie geworden."

Der Industriepark ist derzeit allerdings mit Sanktionen belegt; es wäre illegal, ihn zu reaktivieren. Aber in Südkorea erwartet man, dass sich das bald ändert. Zwei südkoreanische Handelskonzerne erklärten am Dienstag, sie hätten Arbeitsgruppen gebildet, um eine mögliche Expansion nach Nordkorea anzubahnen. Und in der Stadt Kaesong bereiten die beiden Koreas derzeit die Eröffnung eines Verbindungsbüros vor: für eine provisorische Diplomatie.

Moons liberale Partei dürfte direkt vom Singapurer Gipfel profitieren. An diesem Mittwoch wählt Südkorea seine Kommunalparlamente neu, die Wahl wird nun zum Referendum über Moon. Die Liberalen hoffen, die Konservativen, deren Ex-Präsidentin Park Geun-hye wegen Korruption im Gefängnis sitzt, auch auf lokaler Ebene in die Opposition zu zwingen.