Die Veröffentlichung des Anti-Koran-Films von Geert Wilders sorgt weltweit für Wirbel: Während es in den Niederlanden eher ruhig bleibt, rufen islamische Länder zum Boykott auf. Die EU kritisiert das Werk.

Die EU hat die Veröffentlichung des Anti-Koran-Films durch den niederländischen Parlamentarier Geert Wilders kritisiert. Der Film verfolge keinen anderen Zweck, als Hass zu entflammen, erläuterte die slowenische EU-Präsidentschaft in Brüssel.

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In Kabul demonstrieren die Bürger gegen Wilders' Anti-Koran-Film. (© Foto: dpa)

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Redefreiheit müsse mit Respekt für Religionen und andere Überzeugungen gebraucht werden. Nicht durch Gewalt sondern durch offenen Dialog könne gegenseitiges Verständnis vertieft und gegenseitiger Respekt aufgebaut werden.

Empörung in islamischer Welt

In islamischen Ländern hat der Film für Empörung gesorgt. Das iranische Außenministerium nannte den im Internet gezeigten Film am Freitag eine "widerliche Aktion" und sprach von einem "Kreuzzug" westlicher Länder gegen den Islam.

Die Regierung von Bangladesch verurteilte die Veröffentlichung "auf das Schärfste". Das Außenministerium in Dhaka drohte mit "schweren Folgen", da der Film Millionen Muslime in aller Welt beleidige.

Hochrangige Vertreter der jordanischen Medien kündigten am Freitag gerichtliche Schritte gegen den 15-minütigen Streifen an. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Medienvertreter strebten einen Prozess gegen Wilders vor einem jordanischen Gericht an. Außerdem sei eine Kampagne für den Boykott niederländischer Produkte geplant.

In den Niederlanden blieben heftige Reaktionen aus

In den Niederlanden hat der Film dagegen keine heftigen Reaktionen ausgelöst. Politiker und Muslime sprachen von einem "Machwerk mit bekannten Bildern und Botschaften", waren allerdings auch erleichtert, dass Wilders auf eine ausdrückliche Beleidigung des Islam verzichtet habe.

Die Ausstrahlung des Films im Internet seit Donnerstagabend habe zu keinerlei Unruhen und Ausschreitungen geführt, teilte die Behörde für Terrorismusbekämpfung mit. Die Bürgermeister der großen Städte lobten die "absolut angemessene und zurückhaltende Reaktion der Muslime".

In dem 15 Minuten lange Film läuft werden vor allem Bilder von Terroranschlägen gezeigt und Koran-Verse montiert. Die niederländische Staatsanwaltschaft untersucht, ob der Politiker sich strafbar gemacht haben könnte. Die niederländische Regierung traf am Freitag mit Vertretern von Migrantenverbänden, Moscheen, Kirchen und jüdischen Gemeinden zusammen.

Die sozialdemokratische niederländische Regierungspartei "Partei der Arbeit" warf Wilders vor, mit Suggestionen Ängste zu schüren. Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende distanzierte sich deutlich und nannte es unakzeptabel, dass Islam und Muslime mit Gewalt und Terror gleichgesetzt würden.

Der linksliberale Oppositionspolitiker Alexander Pechtold sprach von einem "tendenziösen Statement". Wilders wolle in 16 Minuten eine Weltreligion deuten und verbinde dabei "Faschismus, Kommunismus und Islam".

Nach Ansicht der Protestantischen Kirche in den Niederlanden gibt Wilders ein "völlig verzerrtes Bild des Islam und der angeblichen Gefahr für Europa und die Niederlande". Der niederländische Kirchenrat verurteilte den Film als "Karikatur des Islam". Er sei einseitig und provozierend, erklärte der Verbund der Kirchen.

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard hat derweil gerichtliche Schritte gegen Wilders eingeleitet, weil dieser seine Karikatur ohne Zustimmung benutzt habe. Es handelt sich um die bekannte Zeichnung des Propheten Mohammed, dessen Turban eine Bombe darstellt. Am Ende des Films wird der Eindruck geweckt, dass diese Bombe explodiert.

"Wilders hat mich nicht um Zustimmung gebeten und ich hätte sie ihm auch nie gegeben", sagte Westergaard im holländischen Fernsehen. Wilders habe die Karikatur "in einem völlig falschen Zusammenhang für eigene Zwecke benutzt und deshalb missbraucht"

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(sueddeutsche.de/AFP/sg/mati)