In aller Welt wird die Verhaftung des Kriegsverbrechers Karadžić mit Erleichterung aufgenommen. EU und UN loben die Zusammenarbeit mit der neuen serbischen Regierung - und diese macht umgehend ihre Ziele klar: "Wir wollen Mitglied der EU sein".

Serbiens Außenminister Vuk Jeremic hat die Verhaftung des bosnischen Serbenführers Radovan Karadžić als Teil einer "sehr ehrgeizigen europäischen Tagesordnung" der serbischen Regierung bezeichnet. "Es ist uns mit unserer Zukunft in der EU sehr ernst", sagte er am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssel.

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Endlich gefasst: Radovan Karadzic (© Foto: Reuters (Archiv))

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"Wir haben das gestern demonstriert: Wir wollen Mitglied der EU sein. Wir wollen ein regionaler Akteur sein und zur regionalen Stabilität beitragen." Jeremic sagte, die neue serbische Regierung sei "der Stärkung des internationalen Rechts sehr verpflichtet": "Sowohl was unsere Zusammenarbeit mit dem Tribunal in Den Haag angeht als auch was die Verteidigung unserer Souveränität über das Kosovo betrifft."

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich erleichtert über die Festnahme des wegen Kriegsverbrechen angeklagten ehemaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadžić gezeigt. "Dies ist ein historischer Augenblick für die Opfer, die 13 Jahre darauf gewartet haben, dass Herr Karadžić vor Gericht gestellt wird", erklärte Ban. Die Festnahme sei ein "entscheidender Schritt für das Ende der Straflosigkeit" derjenigen, die für die Verbrechen im Balkan-Konflikt verantwortlich seien.

Lob von Merkel und Steinmeier

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "guten Nachricht für den gesamten Balkan". "Die Opfer dürfen wissen: Massive Menschenrechtsverletzungen bleiben nicht ungestraft", sagte Merkel in einer in Berlin verbreiteten Erklärung. "Es ist ein wesentlicher Schritt zu Gerechtigkeit, Frieden und Aussöhnung in der Region." Serbiens neuer Präsident Boris Tadic habe damit "die europäische Berufung Serbiens unterstrichen".

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Rande des EU-Außenministertreffens in Brüssel, er sei "wirklich froh" über die Nachricht. "Ich glaube, das ist ein Meilenstein in der Geschichte der Beziehungen zwischen Serbien und der Europäischen Union." Er könne stellvertretend für die ganze Bundesregierung sagen, "dass wir erleichtert sind". Die Verhaftung zeige, dass Serbiens Präsident Boris Tadic und dessen neue Regierung "es ernst meinen mit Stabilität für Serbien, mit innerer Aussöhnung für Serbien".

Der Schritt unterstreiche ebenso wie die Parlaments- und Präsidentenwahlen in Serbien, "dass die Mehrheit der Serben den Weg nach Europa wünscht". Steinmeier sagte, er hoffe auf eine rasche Überstellung an das UN-Tribunal. "Und wir hoffen natürlich, dass auf diesem Wege Serbien weiter nach Kriegsverbrechern sucht, die bisher noch in Freiheit sind."

EU-Chefdiplomat Javier Solana sieht nach der Verhaftung eine "uneingeschränkte Zusammenarbeit" der Regierung in Belgrad mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal. "Ich denke, sie haben bewiesen, dass sie mit dem UN-Tribunal uneingeschränkt zusammenarbeiten wollen", sagte Solana in Brüssel am Rande eines Treffens der EU-Außenminister.

Die "uneingeschränkte Zusammenarbeit" ist die entscheidende Voraussetzung der EU für die Ratifizierung eine Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens (SAA) mit Serbien. Dies kann zu Beitrittsverhandlungen mit Serbien führen.

Solana sprach von "einem sehr guten Tag für den Balkan". Allerdings sei es wichtig, dass sich nur Karadžić, sondern auch der serbische Ex-General Ratko Mladić "vor einem internationalen Richter stehen".

EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn erwartet nun eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Serbien und der EU. "Dies zeigt, dass Serbien es ernst meint und mit dem UN- Kriegsverbrechertribunal zusammenarbeiten kann", sagte Rehn in Brüssel. "Meiner Ansicht nach sollte dies Auswirkung auf die Beziehungen zwischen der EU und Serbien haben." Er wollte die Frage, ob das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) zwischen Serbien und der EU nun in Kraft treten könne, nicht genauer beantworten: "Wir müssen jetzt die nächsten Schritte in der europäischen Ausrichtung Serbiens besprechen."

"Endlich, endlich! 13 Jahre!"

Serbien hat nach Ansicht von Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner mit der Verhaftung des bosnischen Serbenführers Radovan Karadžić eine neue Seite in den Beziehungen zwischen Belgrad und der EU aufgeschlagen. "Wir sind alle in die Luft gesprungen: Endlich, endlich! 13 Jahre!" sagte Kouchner.

Die neue Regierung Serbiens sei "endlich eine proeuropäische Regierung, keine nationalistische Regierung", sagte Kouchner, der derzeit den Vorsitz des EU-Außenministerrates führt. "Und die Ergebnisse haben nicht auf sich warten lassen." Die EU müsse nun beraten, ob sie das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit Serbien in Kraft setze.

Die Regierung Großbritanniens hat die Verhaftung als wichtigen Schritt zur Überwindung der Kriegsfolgen auf dem Balkan gewürdigt. "Dies ist eine gute Nachricht", sagte Außenminister David Miliband. "Diese Verhaftung wird helfen, ein Jahrzehnt von Konflikten in der Region zu beenden." Zugleich werde damit "der Weg geebnet für eine bessere Zukunft Serbiens und der gesamten Region in Europa".

Der frühere britische UN-Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, Lord Paddy Ashdown, nannte die Verhaftung "ein außerordentliches Stück Gerechtigkeit für die gesamte Welt". Karadžić gelte als "Architekt der schlimmsten Kriegsverbrechen, die in Europa seit der Nazi-Zeit verübt wurden". Die Verhaftung sei "ein Durchbruch für den Balkan". Serbien gebühre dafür hohe Anerkennung.

Der Europarat hat die Festnahme als "wundervolle Nachricht" begrüßt. Dass Karadžić von Serben festgenommen worden sei, sei ein "riesiger Beitrag" zur Verbesserung des Images des Landes im restlichen Europa, betonte der Generalsekretär des Europarats, Terry Davis. "Dieser Mann ist für einige der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen der letzten 60 Jahre in Europa verantwortlich", fügte der Brite hinzu.

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