Von Thorsten Denkler, Berlin

Politiker aus Regierung und Opposition gestehen dem Postchef zwar zu, dass er zunächst als unschuldig zu gelten habe. Doch wenn sich der Verdacht der Steuerhinterziehung bestätige, sei Zumwinkel "nicht haltbar".

Während Postchef Klaus Zumwinkel nach der Steuerrazzia in seinen Privat- und Büroräumen von der Staatsanwaltschaft Bochum vernommen wird, hat die Nachricht vom Verdacht der Steuerhinterziehung auch in Berlin Wellen geschlagen.

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Unter der Voraussetzung, die Anschuldigungen bestätigten sich, sagte Jörg-Otto Spiller, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zu sueddeutsche.de: "Wenn der Vorstandsvorsitzende eines großen Unternehmens, mit dem Bund als wichtigstem Anteilseigner, so illoyal ist, dass er seinen staatsbürgerlichen Pflichten nicht nachkommt", dann sei das "ein Fall von besonderer Dreistigkeit".

Spiller hält Zumwinkel als Postchef für "nicht haltbar", wenn an dem Verdacht der Steuerhinterziehung etwas dran sei.

Medienberichten zufolge prüft die Staatsanwaltschaft, ob Zumwinkel zehn Millionen Euro am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust hat. Die Post hatte am Morgen bestätigt, dass das Büro Zumwinkels durchsucht worden ist und Ermittlungen gegen den langjährigen Vorstandschef laufen.

Spiller sagte, auch Liechtenstein müsse in die Pflicht genommen werden. Es gehöre zu gutnachbarschaftlichen Beziehungen, "dass man solche Steuerhinterziehung erschwert".

Michael Meister, stellvertretender Unions-Fraktionschef und Finanzexperte seiner Fraktion, sagte sueddeutsche.de, ihn wundere, dass es "jemand mit diesem Einkommen nötig haben könnte, seine Steuern nicht zu zahlen". Man müsse jetzt aber abwarten, wie sich die Staatsanwaltschaft einlasse. "Wir leben in einem Rechtstaat. Da darf auch Herr Zumwinkel nicht vorverurteilt werden."

Wenn sich aber die Vorwürfe bewahrheiten, "dann ist die Notwendigkeit gegeben, dass auch Konsequenzen folgen", sagte Meister. "Wir reden über Ethik auch im wirtschaftlichen Bereich. Und da haben die Menschen die Erwartung, dass dann auch Konsequenzen erfolgen."

Hermann Otto Solms, Bundestagsvizepräsident und finanzpolitischer Sprecher der FDP im Bundestag, sagte sueddeutsche.de, sollte sich der Verdacht bestätigen, könne Zumwinkel sein Amt als Post-Chef "natürlich nicht mehr inne haben". Ein Rücktritt müsse dann als "selbstverständlich" angesehen werden. "Ich kann nur hoffen, dass sich das nicht bewahrheitet", sagte Solms.

Noch sei es ein Verdachtsfall, sagte Solms. Darum wolle er kein Urteil fällen. Aber der Fall habe sicher schon jetzt "eine katastrophale Wirkung" was die allgemeine Stimmung angehe. "Jetzt heißt es wieder, dass die Führung der Wirtschaft moralisch angreifbar ist."

Christine Scheel, finanzpolitische Sprecherin der Grünen, sagte sueddeutsche.de, sie habe "kein Verständnis für Leute, die hier viel Geld verdienen, ihr Einkommen aber nicht auch hier zum Wohle der Allgemeinheit versteuern." Scheel sagte weiter, wenn sich der Verdacht bewahrheite, sei "das ein unglaublicher Schaden für die gesamte Managementebene in Deutschland." Die Politik werde diesen Fall dann genauer untersuchen müssen.

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(sueddeutsche.de/dpa/mah)