Die Union hat die Karlsruher Entscheidung zu den Awacs-Aufklärungsflügen über der Türkei im Jahr 2003 zu einer späten Abrechnung mit der rot-grünen Außenpolitik genutzt. Das Urteil heizt aber auch die Debatte über die Pläne der Union zu Sicherheitsfragen an.
Das Bundesverfassungsgericht hat die Rechte des Parlaments bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr gestärkt - und gab den politischen Gegnern der damaligen rot-grünen Bundesregierung Grund zur Kritik.
Bild vergrößern
Ein Awacs-Aufklärungsflugzeug der Nato (© Foto: Reuters)
Anzeige
Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, sagte in Berlin, das Gericht nehme mit der Entscheidung eine "klare Position zur Bedeutung des Parlamentsvorbehalts" ein. Er nutzte jedoch auch die Gelegenheit, die damalige Politik von Rot-Grün scharf zu kritisieren: Der Spruch sei eine "klare Ohrfeige für Rot-Grün" für die Missachtung der Rechte des Parlaments, erklärte der CDU-Politiker.
Kauders Parteifreund, Verteidigungsminister Franz Josef Jung, begrüßte ebenso die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Es stelle Entscheidungen klar, die in der rot-grünen Regierungszeit gefallen seien, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Er werde die Entscheidung selbstverständlich respektieren und sich daran halten.
Es bleibe dabei, dass Auslandseinsätze der Bundeswehr zuvor vom Bundestag abgesegnet werden müssten. Man müsse aber auch Vorsorge treffen, um in Zukunft für schnelle Einsätze auf europäischer und internationaler Ebene gewappnet zu sein. Es gehe dabei auch um das Thema der vernetzten Sicherheit.
Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, fand ebenso positive Worte für das Karlsruher Urteil. "Ich bin immer dankbar für jede Klarheit", sagte Oppermann vor Journalisten in Berlin. Damit sei der Unionsplan, parlamentsfreie Blitzinterventionen zuzulassen, in weite Ferne gerückt.
"Eine historische Entscheidung"
Die Grünen gaben sich nach der Karlsruher Entscheidung selbstkritisch: "Die damalige Entscheidung von Kanzler Schröder und dem rot-grünen Kabinett, unbewaffnete Awacs-Aufklärungsflugzeuge ohne Parlamentsbeteiligung einzusetzen, erweist sich im Nachhinein als Fehler", sagte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth wörtlich.
Sie begrüßte die Entscheidung des Gerichts, da sie die Rechte des Bundestags stärke. "Das Parlament hätte befasst werden müssen." Für die Union sei die Entscheidung "eine krachende Niederlage", da das Gericht die Absicht des jüngsten Unions-Konzeptes zurückgewiesen habe, den Parlamentsvorbehalt auszuhebeln.
Auch die FDP begrüßte das Urteil. Mit der Klage habe die Fraktion durchgesetzt, "dass das Parlament im Zweifel gefragt werden muss", so Fraktionsgeschäftsführer Jörg van Essen in Karlsruhe. Der FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Guido Westerwelle sagte in Berlin: "Das ist eine historische Entscheidung, die politische Rechtsgeschichte schreibt. Damit ist allen Überlegungen eine Absage erteilt, aus der Parlamentsarmee eine Regierungsarmee zu machen."
Für Westerwelle ist mit dieser Entscheidung auch den Überlegungen in der Union, den Parlamentsvorbehalt bei Auslandseinsätzen infrage zu stellen, "eine Abfuhr erteilt worden". "Die Pläne der Union sind damit Makulatur", urteilte der FDP-Vorsitzende.
Die Bundesregierung wertete die Entscheidung in einer ersten Stellungnahme als einen Beitrag zu mehr Rechtssicherheit für die Soldaten. Auswirkungen auf die Rolle innerhalb des Nato-Bündnisses seien nicht zu befürchten, weil das Parlament schon jetzt frühzeitig konsultiert werde. "Das ist gängige Praxis", sagte Dieter Weingärtner, Ministerialdirektor im Verteidigungsministerium.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(dpa/AP/dgr/plin/odg)
Stockender Kita-Ausbau
Ihre Worte lese ich wohl, alleine mir fehlt die Logik..........
Es ist schon abenteuerlich, wie hier versucht wird, den eindeutigen Verfassungsbruch der rot-grünen Regierung dadurch schönzureden, dass an einer anderen Stelle die Verfassung nicht verletzt wurde. Nach der Logik von Rolf Schmidt müssten wir dann auch dem Josef Fritzl einen Orden dafür verleihen, dass er die Kinder nur gefangengehalten und missbraucht, wohl aber nicht bestohlen oder betrogen hat und er auch kein Brandstifter ist. Fakt ist: Struck als Verteidigungsminister, Schröder als Kanzler haben bei den Auslandseinsätzen die Verfassung gebrochen. Das BVerfG hat das festgestellt - da kommt es auf den Irak-Krieg überhaupt nicht an.
Volle Zustimmung. Sie sagen es überdeutlich.
Nochmal: es war KRIEGSBETEILIGUNG! Festgestellt vom Bundesverwaltungsgericht und vom BVerfG. Im Irakkrieg fehlte EINZIG der Einsatz von Bodentruppen. Logistik, Luftraum, Spürpanzer, AWacs , Bewachung der US-Kasernen usw. - es war doch alles da, was sich ein Aggressor nur wünsschen kann. Der PR-Gag der Rotgrünenn war zwar gelungen - aber WAHR war er nicht. Die zentrale Frage.Wie wäre es damit, dass man gesetze durchsetzt und mit der Verhängung von Strafen nicht nur Schutz der bevölkerung und Sühne betreibt, sondern auch präventiv abschreckend wirkt? Wäre doch mal eine Idee. Bedeutet aber auch, dass man die Durchsetzung des §80 StGB im Fall Jugoslaiens fordert. Heißt LEBENSLÄNGLICH für die Rotgrünen. So ist das halt. 2000 Tote, erlogene kriegsgründe, verstp0 gegen die UN-Charta, das ist eben kein Pappenstiel.Strafanzeige - Ermittlungen -
anklageerhebung: und wir sind endlich vor Gericht mit diesen fragen.
Die SZ oder dpa? Egal, sie spiegelt die Unbedarftheit der Journalisten besser wider als noch so viele Worte, DENN:
Es wäre eine wichtige Aufgabe der deutschen Medien gewesen, die AWACS-Einsätze ebenso anzuprangern wie den Irak-Überfall und die Folter-Gefängnisse in Guantanamo und anderswo - und es nicht der Vergessenheit anheim fallen zu lassen während der 5 Jahre, die das Gericht darüber verschlafen hat!
Und noch etwas hätte der Jpurnalist, der diese Überschrift verbrochen hat, anmerken müssen:
Damals war die CDSU eindeutig DAGEGEN, dass Rot-Grün im Irak nicht mitmachte.
Frau Merkel, damals Opositionsführererin, hat diese Position bei Bush klar und deutlich vertreten und versichert, mit ihr und den Ihren hätte Deutschland im Irak selbstverständlich mitgemacht.
Und vielleicht, ihre US-Berater erlauben diese Vermutung, hat ihr exakt diese Erklärung -jedenfalls indirekt- zu ihrem einmaligen Aufstieg vom SED-Aschenbrödel bis zur deutschen Kanzlerschaft verholfen!
Also, beim Wettbewerb um die "Ohrfeige" hätte ich folgende weitaus geeigneteren Kandidaten, nämlich:
- 1. Angela Merkel
- 2. MdB Pflüger
- 3. die CDSU-Mehrheit
- 4. die deutschen Medien
- 5. Rot-Grün, denen das "ewige" Verdienst zukommt, sich im Irak verweigert zu haben!
Paging