US-Kommentatoren halten weite Teile von Obamas Strategie für richtig. Mit dem festgelegten Termin zum Truppenabzug können sie sich aber kaum anfreunden.

Nach der Präsentation der Afghanistan-Strategie bekommt US-Präsident Barack Obama uneingeschränkte Zustimmung von den renommiertesten US-Zeitungen nur dafür, wie er seine Rede gehalten hat. David Ignatius von der Washington Post gefällt der nüchterne Stil in der Rede, die er für die wichtigste in Obamas Amtszeit hält: kein Druck auf die Tränendrüse, kein Herumhacken auf den zurückhaltenden Nato-Partnern. Obama bekommt von Ignatius deswegen den Spitznamen "No-Drama Obama".

US-Präsident Barack Obama hält in der United States Military Academy in West Point seine Strategie-Rede, die Kritiker für mutig halten. (© Foto: dpa)

Anzeige

Für das, was er in seiner Rede verkündet hat, kann Obama zwar Lob einstecken, bekommt aber auch viel Kritik ab. Am meisten Zustimmung findet noch die Entscheidung, bis zum Sommer 2010 die Truppen um 30.000 Mann aufzustocken.

Plan mit Knalleffekt

Die Exit-Strategie mit einem Knall einzuleiten sei die einzige Lösung, schreibt die Post. Die Zeitung hält das sogar für "mutig" angesichts der Kritik aus dem Lager der Demokraten, die das Geld lieber für die schwächelnde US-Wirtschaft verwendet hätten.

Für die Truppenaufstockung hat auch der amerikanische Isaf-General Stanley McChrystal Obama pflichtschuldig gratuliert. Er bekommt zwar weniger Soldaten als gefordert, dafür sollen sie aber schneller im Sand Afghanistans aufmarschieren.

Richtungslose Politik

Die New York Times kritisiert in ihrem Editorial aber, dass möglicherweise nicht einmal 100.000 Amerikaner zusammen mit 40.000 Soldaten von Nato-Partnern den Krieg noch gewinnen könnten. Zu lange schon sei die Afghanistan-Politik unverantwortlich und richtungslos gewesen.

In diesem Zusammenhang zitiert die Zeitung auch den Nationalen Sicherheitsberater und ehemaligen Marine-Corps-General James Jones, der sagt, dass Afghanistan auch mit noch so vielen Soldaten nicht zu gewinnen sei, wenn man sich nicht mit den Rückzugsgebieten der Aufständischen in Pakistan auseinandersetze. Sicher sei daher jetzt nur, schreibt die Times, dass eine Fortführung von Präsident Bushs Spartaktik zur Niederlage führe.

Die ersten Soldaten aber schon im Jahr 2011 abzuziehen, hält Ignatius jedoch für "den schwachen Punkt in einer sonst bewundernswerten Entscheidung". Er und die Schreiber der Times wie auch anderer Zeitungen sind sich einig, dass die Taliban so nur etwas Geduld haben müssen, um ans Ziel zu gelangen.

Die Times hält die Deadline aber dennoch für eine "gute Idee" - solange das Rückzugsdatum nicht in Stein gemeißelt werde. Durch den Zeitdruck würde endlich auch dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai klargemacht, dass der US-Einsatz nicht ewig dauern könne. Wie die Times meint auch Olivia Hampton vom britischen Guardian, dass Obama den "launenhaften" Karsai bisher noch zu sanft angefasst habe, statt ihm die Konsequenzen klarzumachen, wenn er nicht kooperiere.

Ohne eine funktionierende afghanische Regierung, die Grundversorgung und Sicherheit gewährleistet, ist der Krieg nach Auffassung der Times nicht zu gewinnen. Eine der größten Aufgaben für Obama werde es deshalb sein, Karsai dazu zu bringen, gegen die Korruption vorzugehen und kompetente Beamte einzusetzen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/sukl/gba/cat)