Die Bundesregierung hat ersten Kontakt zu den Geiselnehmern. Kanzlerin Merkel zeigte sich "tief bewegt" von den im TV-Sender al-Dschasira veröffentlichten Bildern der Geiseln. In dem Video bitten René Bräunlich und Thomas Nitzschke die Regierung eindringlich um Hilfe.

Die Bundeseregierung hat ersten Kontakt zu den Entführern der beiden Deutschen im Irak. "Die Kontaktaufnahme seitens der Entführer hat stattgefunden", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dem Fernsehsender RTL.

Entführte Deutsche

Thomas Nitzschke (li.) und René Bräunlich auf dem Video, das der TV-Sender al-Dschasira ausgestrahlt hat. (© Foto: ZDF)

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Zu der Gruppe könne die Bundesregierung "im Einzelnen nichts sagen", fügte er hinzu. Alles weitere werde im Krisenstab des Auswärtigen Amtes zu besprechen sein. Dieser trete am Nachmittag erneut zusammen. Die Bundesregierung sei weiter mit allen relevanten Stellen in Deutschland sowie mit der Botschaft in Bagdad in Kontakt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die Entführung der beiden Deutschen im Irak aufs Schärfste und forderte ihre sofortige Freilassung. Die Bilder auf dem am Freitag bekannt gewordenen Video der Entführer hätten sie "tief bewegt", sagte die Kanzlerin in Berlin.

Das erste Lebenszeichen

In dem von al-Dschasira zunächst ohne Ton ausgestrahlten Video rufen René Bräunlich und Thomas Nitzschke die Regierung in Berlin auf, alles zu tun, um ihre Freilassung zu erreichen.

Außenminister Steinmeier hatte die unverzügliche Freilassung gefordert und Hilfe zugesichert.

"Wir verurteilen diese Tat auf das Schärfste," erklärte der SPD-Politiker. Die Regierung ist nach den Worten Steinmeiers willens, "alles Menschenmögliche zu tun". Er sagte: "Wir werde dabei mit Augenmaß vorgehen, das verspreche ich für die Bundesregierung."

Das Video war auf Dienstag datiert, dem Tag der Entführung. Als Uhrzeit auf dem Band erscheint 10.08 Uhr. Laut irakischer Polizei ereignete sich die Entführung zwischen 08.30 und 09.00 Uhr.

Die Geiseln sind auf dem Boden sitzend zu sehen, mindestens vier bewaffnete Männer stehen hinter ihnen. Im Bild ist auch ein Plakat mit der Aufschrift "Unterstützer der Tauhid- und Sunnah-Brigaden".

Das Plakat war handschriftlich und schien in Eile gefertigt. Dies lässt Beobachtern zufolge vermuten, dass die Entführer keiner der organisierteren Gruppen von Aufständischen angehören.

"Tauhid" ist das arabische Wort für Monotheismus, der Begriff "Sunnah" bezieht sich auf die Lehren des Propheten Mohammed. Von al-Dschasira wurde bekannt, dass die Bandaufnahme nur 35 Sekunden lang ist. Der Sender machte keine Angaben darüber, wie das Band in seinen Besitz kam.

In der Videobotschaft nennen die beiden Entführten ihre Namen und den ihres sächsischen Unternehmens Cryotec. Sie wenden sich auf Deutsch an die Bundesregierung. Zur Zeit wertet der Krisenstab den Text des Bandes aus, wie das Auswärtige Amt mitteilte.

Ob die Entführer konkrete Forderungen stellen und welcher Gruppierung sie angehören, war zunächst unklar.

Das ZDF hat das Video nach Angaben des Chefs vom Dienst, Elmar Theveßen, von al-Dschasira bekommen. Auf welchem Weg es dem arabischen Sender zugespielt wurde, habe dieser dem ZDF nicht mitgeteilt. Auch andere Sender übernahmen das Band.

Der Arbeitgeber der beiden Entführten, Peter Bienert, hatte am Donnerstag Vorwürfe gegen Cryotec Anlagenbau GmbH zurückgewiesen. "Das sind tendenziöse Formulierungen ohne Kenntnis der Sachverhalte", sagte der Geschäftsführer der Leipziger Volkszeitung.

Einsatzgebiet, Reiseroute und die Situation vor Ort seien im Vorfeld geprüft worden, entgegnete er dem Vorwurf der Fahrlässigkeit. Gegen Entführungen sei man im Irak nirgendwo völlig sicher.

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(dpa/AP)