Reaktion auf Siedlungsbau Netanjahu-Berater fürchtet Israels Isolation

"Freundin im Westen": Kanzlerin Merkel und Israels Premier Netanjahu

(Foto: AFP)

Ein "diplomatisches Problem": Der Sicherheitsberater von Israels Premier Netanjahu ist offenbar alarmiert über die wachsende Kritik am israelischen Siedlungsbau. Wie nun an die Presse durchsickerte, warnt der frühere General Amidror intern vor enttäuschten Verbündeten - und nennt Kanzlerin Merkel namentlich.

Von Oliver Das Gupta

Als Yaakov Amidror im März 2011 zum neuen Nationalen Sicherheitsberater der israelischen Regierung berufen wurde, war der Protest groß. Der bärtige Aluf (Generalmajor) der Reserve galt als Rechtsaußen, ein Ex-Geheimdienstanalyst, der auf Krawall gebürstet ist. Eine Gruppe von Intellektuellen schickte einen Brief an die Knesset und bezeichnete ihn als militaristischen Hardliner. Die Ideen, die der 1948 geborene Amidror vertrete, würden ihn auf eine Seite stellen mit den "Faschisten der 1930er Jahre".

Die Aufregung half nichts. Seit bald zwei Jahren berät Amidror Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Sicherheitsfragen. Amidror zeigte sich - gemessen an seinem Ruf - im Amt relativ moderat. Allerdings fungiert er als treuer Vertreter seines Dienstherrn, der Netanjahus umstrittene Siedlungspolitik nach außen vertritt, für Konsultationen durch die Welt reist - und zweifelnde Diplomaten schon mal zusammenstaucht.

Umso erstaunlicher mutet eine Meldung der israelischen Tageszeitung Haaretz. Demnach warnt Amidror in vertraulichen Gesprächen im Büro des Premiers seit Wochen vor der internationalen Isolation Israels. "Es ist unmöglich, das Thema Siedlungsbau irgendwo auf der Welt zu erklären", klagte der Sicherheitsberater dem Bericht zufolge, der sich auf zwei Quellen stützt. Offenbar war Amidror bei Gesprächen mit Israels Partnern auf tiefes Unverständnis gestoßen.

Namentlich soll Amidror auch die Regierungschefin im fernen Berlin erwähnt haben: "Es ist unmöglich dieses Thema der deutschen Kanzlerin Angela Merkel zu erklären." Der Berater nannte auch den kanadischen Ministerpräsidenten Stephen Harper. Der Siedlungsbau sei ein "diplomatisches Problem", das dazu führe, dass "Israel sogar die Unterstützung seiner Freunde im Westen verliert", soll Amidror gesagt haben.

Haaretz schreibt, dass Amidror sich dagegen ausgesprochen habe, die Aufwertung der Palästinenserbehörde mit einem UN-Beobachterstatus Ende November durch neue Siedlungsbau-Aktivitäten zu kontern. Dies würde zu einem internationalen Aufschrei führen, warnte er damals angeblich. Die Siedlungspläne wurden trotzdem verkündet - und die weltweite war Entrüstung groß.