Reaktion auf mutmaßlichen Giftgaseinsatz USA planen kurzen Militärschlag gegen Syrien

Wer im Syrien-Konflikt Giftgas eingesetzt hat, ist noch ungeklärt - dass es zu einem solchen Angriff kam, ist für die USA so gut wie gesichert. US-Außenminister Kerry kündigt eine baldige Entscheidung Obamas an - einem Zeitungsbericht zufolge erwägt der US-Präsident einen begrenzten Militärschlag gegen Damaskus.

Die Szenarien für einen möglichen Militärschlag gegen Syrien werden immer konkreter: Nach dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in dem Land erwägen die USA einem Zeitungsbericht zufolge einen bis zu zwei Tage dauernden Militärschlag: Wie die Washington Post in der Nacht zum Dienstag unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise berichtete, prüft Obama einen Militärschlag, dessen Umfang und Dauer begrenzt wären und die USA nicht tiefer in den syrischen Bürgerkrieg hineinziehen würde.

Vermutlich würde der Angriff mit Marschflugkörpern von See aus oder durch Langstreckenbomber erfolgen. Ziele wären Armee-Einrichtungen, die nicht direkt in Verbindung mit dem Chemiewaffen-Arsenal des Landes stehen. Kriegsschiffe der US-Marine mit Marschflugkörpern befinden sich bereits im Mittelmeer.

Wie die Zeitung weiter berichtete, hängt die Umsetzung des Plans von drei Faktoren ab: Der Abschluss der Geheimdienst-Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Angriff nahe Damaskus, die Beratungen mit den Verbündeten und dem US-Kongress sowie das Vorhandensein einer juristischen Grundlage auf der Basis des internationalen Rechts.

Die UN-Inspekteure in Syrien hatten am Montag in zwei Krankenhäusern nahe Damaskus Betroffene des mutmaßlichen Giftgasangriffs vom vergangenen Mittwoch untersucht. Sie hätten mit Überlebenden und Ärzten gesprochen und auch einige Proben genommen, teilte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit. Es brauche nun etwas Zeit für eine erste Auswertung, sagte er. Laut Ärzte ohne Grenzen sind in von der Organisation betreuten Krankenhäusern 3600 Menschen mit Symptomen einer Vergiftung mit Nervengift behandelt worden. Von ihnen seien 355 gestorben.

"Wir prüfen weiter mögliche Antworten"

Die US-Republikaner haben Obamas Vorgehensweise in der Syrien-Krise unterdessen kritisiert. Obama sei verpflichtet, dem amerikanischen Volk die Beweggründe für sein Handeln zu erläutern, erklärte am Montag John Boehner, der Präsident des Repräsentantenhauses. Vor einem Militäreinsatz müsse Obama zudem Rücksprache mit dem Kongress halten, sagte ein Sprecher. Es müsse klar definiert werden, was ein Angriff erreichen solle. Weiter müsse eine "breit angelegte Strategie vorliegen, wie Stabilität geschaffen werden kann".

Nach Angabe des Weißen Hauses hat Obama noch keine Entscheidung über seine Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien getroffen. "Wir prüfen weiter mögliche Antworten", sagte Obamas Sprecher Jay Carney. Die Regierung stimme sich dabei mit dem Kongress und den US-Verbündeten ab.

Zuvor hatte US-Außenminister John Kerry erklärt, dass Washington vom Einsatz von chemischen Waffen gegen Zivilisten in Syrien so gut wie überzeugt sei. Zwar gebe es weiterhin Untersuchungen, sagte Kerry. Doch er warf Damaskus vor, UN-Beobachtern fünf Tage lang Zugang zu dem Gelände des Giftgaseinsatzes verweigert zu haben. Zudem habe das Regime durch den weiteren Beschuss des Viertels Beweise vernichtet. "Dies ist nicht das Verhalten einer Regierung, die nichts zu verbergen hat", sagte Kerry am Montag in Washington.

Die USA und die internationale Gemeinschaft müssten darauf antworten. Präsident Barack Obama werde in Kürze darüber entscheiden. Es handele sich um eine "moralische Obszönität", sagte Kerry. "Was wir in der vergangenen Woche in Syrien gesehen haben, schockiert das Bewusstsein der Welt."