Verkehrsminister Tiefensee wusste Bescheid: Wegen der Bonuszahlungen an den Bahn-Vorstand fordert die Opposition seinen Rücktritt, doch die Kanzlerin stellt sich hinter Tiefensee.

Wolfgang Tiefensee ist in der Defensive: Er wusste schon früher von den vereinbarten Bonuszahlungen für den Bahnvorstand als bisher bekannt gewesen war. Schon bevor dies bekannt wurde, hatten Oppositionspolitiker den Rücktritt des Verkehrsministers gefordert.

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Wolfgang Tiefensee hat versagt, findet Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn - ob er nun von den Bonuszahlungen wusste oder nicht. (© Foto: AP)

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Tiefensee habe schon Mitte September von den Zahlungen erfahren, erklärte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin. Zuvor hatte es geheißen, Tiefensee habe erst im Oktober davon gehört.

Schon Mitte September sei aber ein Einschreiten nicht mehr möglich gewesen, sagte der Ministeriumssprecher - die Zahlung sei bereits Ende Juni vereinbart worden. Tiefensee lehnt die Sonderzahlungen ab und entließ Staatssekretär Matthias von Randow, weil dieser den Bonuszahlungen im Bahn-Aufsichtsrat zugestimmt hatte.

Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich sagte der Berliner Zeitung, Tiefensee sei mitverantwortlich für die unzureichenden Rahmenbedingungen beim ausgesetzten Börsengang und solle zurücktreten.

Auch der Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn forderte den Verkehrsminister zum Rücktritt auf. Es gebe nur zwei Erklärungen für sein Verhalten, erläuterte Kuhn. "Entweder hat der Minister durch den Börsenprospekt früher von den vereinbarten Bonuszahlungen für den Bahn-Vorstand gewusst, als er bisher behauptet." Oder Tiefensee habe in der Führung des Ministeriums versagt, weil ihm wesentliche Aspekte des Börsenprospektes vorenthalten wurden. "Beides disqualifiziert ihn als Bundesverkehrsminister."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich vor Bekanntwerden von Tiefensees früher Kenntnis der Dinge hinter den Bundesverkehrsminister gestellt. Wolfgang Tiefensee habe das Vertrauen der Kanzlerin, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Vormittag in Berlin.

Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann verlangte währenddessen in der Berliner Zeitung die Ablösung der DB-Konzernspitze. "Der gesamte Bahnvorstand ist fällig, und auch der Aufsichtsrat muss erneuert werden", sagte er dem Blatt. Hermann begründete seine Kritik mit den Bonusplänen und den Achsproblemen beim Schnellzug ICE.

Fehler sieht der Grünen-Experte außerdem bei der Regierung. Die Kontrolle der Bahn durch den Bund als Eigentümer sei mangelhaft. So gebe es vor Sitzungen des Aufsichtsrates keine Koordination der drei Regierungsvertreter untereinander. "Die Politik kontrolliert den Konzern nicht aktiv", kritisierte Hermann. Auch fehlten im Aufsichtsrat Vertreter von Verbraucher- und Umweltschutzorganisationen.

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(Reuters/ddp/dpa/liv/akh/gba)