Reaktion auf Angriffe von den Golanhöhen Israel beschießt Ziele in Syrien

Die Kämpfe zwischen Assad-Truppen und Oppositionellen in Syrien greifen immer stärker auf die Nachbarländer über. Jetzt könnte Israel in den Konflikt hineingezogen werden. Als Reaktion auf einen Angriff von den Golanhöhen hat die israelische Armee Ziele in Syrien beschossen und meldet "direkte Treffer". Auch an der türkisch-syrischen Grenze hat es einen erneuten Zwischenfall gegeben.

Der Konflikt zwischen Israel und dem sich im Bürgerkrieg befindlichen Syrien verschärft sich offenbar: Nach dem Einschlag einer aus Syrien kommenden Granate hat die israelische Armee auf das Nachbarland zurückgeschossen und dabei ein Ziel getroffen.

Wie das Militär in Tel Aviv mitteilte, habe Israel mit der Aktion auf einen Mörsereinschlag auf den Golanhöhen reagiert. Die Streitkräfteführung meldete "direkte Treffer" an der Abschussstelle der Granate in Syrien. Berichte über Verletzte gab es nicht.

Am Sonntag hatte Israel erstmals in Richtung Syrien gefeuert, dabei jedoch nur Warnschüsse abgegeben. Auf den von Israel nach dem Sechstagekrieg 1967 annektierten Golanhöhen sind in letzter Zeit durch den Bürgerkrieg immer wieder Mörsergranaten eingeschlagen.

Das israelische Militär hatte bisher erklärt, es betrachte dies als Versehen, mache aber dennoch die syrische Regierung dafür verantwortlich. Außerdem drangen bereits syrische Panzer in die entmilitarisierte Zone ein. Die Regierung in Jerusalem hatte Damaskus vor den Grenzverletzungen gewarnt. Regierungschef Benjamin Netanjahu warnte, Israel beobachte sehr genau die Ereignisse an seiner Grenze zu Syrien und sei auf alle Eventualitäten eingestellt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich nach dem Vorfall vom Sonntag "zutiefst besorgt wegen des Potenzials einer Eskalation", wie ein Sprecher am Sonntag sagte. Ban forderte demnach alle Seiten "zur größtmöglichen Zurückhaltung" auf.

Syrien fordert grundsätzlich das von Israel besetzte und 1981 annektierte Gebiet zurück. Die UN erkennen die Annexion nicht an. Israel und Syrien befinden sich offiziell weiterhin im Kriegszustand. Seit einem Abkommen der beiden Nachbarländer von 1974 patrouillieren etwa 1200 unbewaffnete UN-Blauhelmsoldaten in dem Gebiet.

Erneuter Zwischenfall an der türkisch-syrischen Grenze

Anfang Oktober hatte die Türkei nach einem tödlichen Granateneinschlag in einem Grenzdorf mit Artillerie auf Syrien gefeuert. Seitdem ist die Sorge groß, der syrische Bürgerkrieg könnte auf die Nachbarländer übergreifen.

Auch an diesem Montag gab es wieder einen Zwischenfall an der türkisch-syrischen Grenze. Die syrische Luftwaffe hat mit einem Kampfflugzeug die Ortschaft Ras al-Ain beschossen. Weniger als 150 Meter von der Grenze entfernt warf die Armee einen Bombe ab. Nach dem Angriff brach unter den Bewohnern Panik aus, einige flüchteten über die Grenze in die Türkei. Vier Syrer wurden bei dem Angriff getötet, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Mindestens drei Türken seien verletzt worden, unter ihnen ein Soldat.

Ras al-Ain ist einer von zwei Grenzposten an der syrisch-türkischen Grenze, die von den Regierungstruppen kontrolliert werden. Vier weitere befinden sich in Hand der Rebellen, ein weiterer wird von kurdischen Milizen gehalten.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stellte sich angesichts der neuen Zwischenfälle hinter den Bündnispartner Türkei. "Die Nato wird alles Nötige unternehmen, um die Türkei als unseren Verbündeten zu schützen und zu verteidigen", sagte Rasmussen am Montag in Prag bei der Parlamentarischen Versammlung des Atlantikpakts. Die Bildung eines Oppositionsblocks syrischer Regimegegner, wie jüngst in Doha beschlossen, begrüßte Rasmussen als "wichtigen Schritt nach vorn".

Bereits seit Mittwochabend liefern sich syrische Rebellen und regierungstreue Kämpfer Gefechte um Ras al-Ain. Tausende Syrer suchten bisher Zuflucht in der Türkei. Die türkischen Behörden forderten die Bevölkerung am Montag auf, sich von der Grenze fernzuhalten. Die türkische Armee verstärkte zudem ihre Präsenz in der Zone.