Erstmals äußert sich Wolfgang Clement zu seinem Parteiausschluss. Er zeigt wenig Verständnis für die Entscheidung - und warnt die SPD.
Der frühere Bundesminister Wolfgang Clement hat erstmals Stellung zu seinem Ausschluss aus der SPD bezogen und sich tief enttäuscht über diesen Beschluss der Schiedskommission gezeigt. "Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung in der Partei Willy Brandts so gering geschätzt wird. Das war undenkbar für mich", sagte der frühere Ministerpräsident dem Kölner Stadt-Anzeiger.
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"Der Fall Clement wäre jetzt ein richtiges Exempel" - Christoph Butterwegge hält den Rauswurf Clements für angebracht. (© Foto: dpa)
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Clement, der seit 38 Jahren der SPD angehört, kritisierte, dass die Schiedskommission für Parteimitglieder eine Einschränkung der Meinungsfreiheit sehe. Er betrachte es als seine "Pflicht, aus Gründen der Solidarität und Solidität mein Wort zu erheben, wenn in meiner Partei Unverantwortliches vertreten und gar in Regierungspolitik umgesetzt werden soll. Das werde ich auch in Zukunft unmissverständlich tun."
Als Beispiel nannte er die energiepolitischen Vorstellungen der hessischen SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti: "Der richtige energiepolitische Weg kann nicht sein, gleichzeitig auf Atomenergie und Kohle zu verzichten."
Clement sieht in seinem Ausschluss einen Kampf um den politischen Kurs der SPD. "Zum ersten Mal scheint der linke Flügel über eine Mehrheit in Parteivorstand und Parteirat zu verfügen", stellte er fest.
Gleichwohl zeigte er sich zuversichtlich, dass eine Reformpolitik im Vorfeld der Bundestagswahlen durchzusetzen sei: "Deshalb werde ich mich auch über das Maß hinaus engagieren, das ich mir eigentlich vorgestellt hatte."
Wenn es der SPD nicht gelänge, eine Art neues Godesberger Programm unter den Bedingungen der Globalisierung zu entwickeln, "wird sie sich immer mehr ideologisieren. Dann wird die SPD zu einer 25-Prozent-Partei", sagte er.
Clement forderte für die SPD einen Kurs, der "unsere Vorstellungen von Gerechtigkeit an den ökonomischen Bedingungen in einer Zeit der Globalisierung ausrichtet. Dieser Kurs muss neu gefunden werden. Das ist im Hamburger Programm der SPD sicher nicht ausreichend gestaltet worden."
Butterwegge: "Der Fall Clement wäre ein richtiges Exempel"
Der Kölner Politikwissenschaftler Prof. Christoph Butterwegge, der vor gut 30 Jahren selbst aus der SPD ausgeschlossen worden war, hält einen Rauswurf von Wolfgang Clement indes für richtig.
"Der Fall Clement wäre jetzt ein richtiges Exempel", sagte der Leiter der Abteilung für Politikwissenschaft an der Universität Köln. "Es sollte keine Narrenfreiheit für Wolfgang Clement geben." Er sehe die SPD vor einer wichtigen Glaubwürdigkeitsfrage: "Bis jetzt hat die Partei immer nur Sanktionen gegen Leute aus dem linken Flügel verhängt. Die SPD wird aber nicht glaubwürdiger dadurch, dass sie immer nur nach links ausschließt."
Deshalb halte er den von der NRW-Schiedskommission verhängten Ausschluss des früheren NRW-Ministerpräsidenten und Bundesministers für richtig, sagte Butterwegge. Er selbst sei in den siebziger Jahren, als er für die Jusos in Dortmund aktiv war, aus der Sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen worden. "Einer der Hauptscharfmacher, mich aus der SPD auszuschließen, war damals ein Lokalredakteur namens Wolfgang Clement", sagte Butterwegge.
Anlass seines Rauswurfs war ein Artikel Butterwegges 1974 in der renommierten Fachzeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik, in der er die Richtung des damals noch neuen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) scharf kritisiert habe.
"Ich hatte damals geschrieben, die SPD werde unter Schmidt so weit nach rechts driften, dass sich die CDU danach nur noch ins gemachte Bett legen muss", erinnert sich der Kölner Politikwissenschaftler und Armutsforscher. "Wenn das schon parteischädigend ist, dann sind es die Äußerungen des prominenten Sozialdemokraten Clement gegen Andrea Ypsilanti wohl erst recht", meinte er.
"Herr Clement darf sich jetzt nicht wundern, wenn er mit seinem eigenen Maß gemessen wird." Er gehe allerdings davon aus, dass die Bundesschiedskommission, bei der Clement Berufung einlegen kann, den NRW-Beschluss kassieren wird. "Es wird momentan durch Äußerungen vieler prominenter Sozialdemokraten eine Menge Druck ausgeübt auf die Kommission." Nach Ansicht von Butterwegge zeugen Äußerungen aus der Parteispitze pro Clement von einer "falsch verstandenen Solidarität".
So sagte der stellvertretende SPD-Chef Peer Steinbrück zu dem Parteiausschluss Clements: "Die SPD und Wolfgang Clement müssen einander aushalten. Dies galt und gilt auch für manch anderes Mitglied der Partei. Für beide Seiten ist das nicht immer leicht, aber es dient der sozialdemokratischen Sache."
Zudem begrüßte er, dass Clement gegen den von der nordrhein-westfälischen Landesschiedskommission verfügten Ausschluss Berufung einlegen wolle. Clement habe durch sein politisches Lebenswerk "erhebliche und beachtenswerte Leistungen und Beiträge" erbracht und sich damit um die SPD verdient gemacht, erklärte Steinbrück. "Ich wünsche mir, dass er dies auch künftig als Mitglied der SPD aus ihr heraus wird leisten können."
Steinbrück betonte, die SPD sei eine Volkspartei und müsse es bleiben. "Sie kann diesen Charakter nur beibehalten, wenn sie in ihren Reihen über ein breites Spektrum an Meinungen und Persönlichkeiten verfügt. Nur das macht die SPD mehrheitsfähig", sagte der SPD-Politiker.
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(dpa/Reuters/cag/bica)
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Ihre Abhandlung hört sich ja ganz schön an, beim ersten Lesen. Sonst fallen Aufälligkeiten und Widersprüche auf, die sich in folgenden Termina niederschlagen:
"Umverteilungsstaat" (typische INSM Floskel), " Die Arbeiter bezahlen den Umverteilungsstaat. Wenn von 1200 Brutto 800 Netto übrig bleiben " (altbekannte "mehr netto vom brutto-Argumentation" des BDI ect), Amerkung, früher hat Brandt für höhere Bruttolöhne gestirtten , heute streiten man in der sPD um niedrigere "Lohnnebenkosten, und der Klassiker .... "ohne Kohle und Atomkraft...,steigende Energiekosten" (reines CDU-Witschaft- Programm).
...mit 68?
Es ist in der SPD seit 2003 gradezu chick für große Teile der Parteispitze und bestimmter Gruppierungen z.B. "Seeheimer Kreis" oder "Netzwerker" sich als "unideologisch" zu präsentieren und dabei die Kernanligen einer Arbeiterpartei als "alten Zopf" zu geisseln. Die Medienarchive quellen über von neoliberalen Meinungsäusserungen solcher "Genossen". Stets finden sie den grossen Beifall der Kommentatoren der Medienkonzerne und des Parteienfernsehens. Ein Parteiausschußverfahren muss, im Gegensatz zu Gegnern der "Agenda 2010", die als SPD- Mitglieder auch nur Verständnis für die LINKE äussern, keiner von ihnen fürchten! Eine Wahl- Empfehlung zugunsten des politischen Gegners ist eindeutig von anderer Qualität als eine Meinungsäusserung, auch wenn diese bei CDU/CSU oder FDP besser aufgehoben wäre. Ein gebildeter Mann wie Wolfgang Clement sollte diesen Unterschied erkennen können. Vaja con dios, Lupus!
@bellmonte
Die SPD ist die Summe der Meinungen ihrer Meinungsführer. Mit Clement wird diese Summe kleiner. Das ist alles.
Die Linkspartei, wo sie in Regierungsverantwortung ist, macht die gleiche Politik, wie die anderen Parteien. Hat man schön gesehen, wie Gysi nach zwei Monaten als berliner Finanzsenator das Handtuch warf, weil all seine schönen Versprechen nicht zu finanzieren waren. Seit dem wird hier ein kräftiger rot-roter Sparkurs betrieben.
Und was die Arbeiter angeht: Die Arbeiter bezahlen den Umverteilungsstaat. Wenn von 1200 Brutto 800 Netto übrig bleiben und der Betrieb noch mal 400 Sozialabgaben rauf legt, alle 19% Mehrwertsteuer zahlen, 80 cent von jedem Liter Benzin Steuer sind etc. pp.
Und für niedrig qualifizierte Arbeiten kommen dann Gastarbeiter aus Ländern, in denen der Niedriglohnsektor nicht durch den Sozialstaat wegsubventioniert wurde. Der Arbeiter ist derzeit die Melkkuh der Nation. Und daran will kurt Beck nichts ändern. Daran wird auch die Linkspartei nichts ändern. Der Grund ist ganz einfach:
Die Industrie hat Alternativen, die können auch wo anders produzieren. Der Arbeiter ist an diesen Staat gebunden, besonders, wenn er schon Familie hat. Also ist er erpressbar und kann ausgenommen werden. Das hat noch jeder Politiker so gemacht.
Und bezüglich der 60er Jahre un dem letzten Wirtschafswunder: Da gab es noch keine rechtsverbindliche Sozialhilfe. Wer ohne nachweisbaren schwerwiegenden Grund nicht arbeitete, von jungen Männern mal ganz zu schweigen, der bekam nichts vom Staat, der hatte gefälligst zu malochen. Und wer nichts gelernt hat, der hat eben billig zu malochen. Zu dieser Zeit setzte sich die SPD noch für den Arbeiter ein. Der hatte noch 80% Netto in der Tasche.
Heute setzt sie sich für die Arbeitslosen ein. Der Arbeiter und die Industrie sind die wirklich leidenden. Das hat auch Clement ausgedrückt, als er darauf verwies, das man ohne Kohle und Atomkraft, die beide billiger sind als Öl und Gas, bald noch weiter steigende Energiekosten haben wird.
Daran kann Beck nichts ändern. Auch Ypsilanti nicht. Das ist einfach nur Volksverdummung. Bezahlen tun den hohen Preis die Industrie und der Arbeiter. Arbeitslose und insolvente Unternehmer bezahlen indessen überhaupt nichts. Sie kosten lediglich.
www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1377140_Truebsal-im-Einzelhandel.html
Privater Konsum keine treibende Kraft
Besonders stark waren im Juni die Einbußen im Handel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren. Preissprünge bei Nahrungsmitteln - vor allem Milch, Käse und Brötchen - sowie bei Energie entziehen den Haushalten seit Monaten Kaufkraft und halten die Inflationsrate in Deutschland mit 3,3 Prozent auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren. Im Juni verbuchten Supermärkte und der Lebensmitteleinzelhandel Umsatzeinbußen von 2,3 Prozent, preisbereinigt sogar 7,0 Prozent.
Das Minus im Einzelhandel zeigt die Schwäche des privaten Verbrauchs, der eine Stütze für das Wirtschaftswachstum ..... sein könnte
Hauptsache, Clement und Konsorten haben sich und die Vermögenden bereichert.
Wundert es irgend Jemanden in Deutschland, dass Steinbrück, Steinmeier, Müntefui, Schily, Gabriel, Scholz, Stiegler, Struck und demnächst Seeheimer Verein, Wolfgang Clement zur Seite springt?
Kurt Beck hätte nun die einmalige Chance sich zu profilieren, indem er die wirklich Verantwortlichen für das SPD Desaster aus der Partei beseitigt. Sonst wird die SPD eine 18% Partei bleiben und nicht erst werden wie Clement meint.
Beck schmeiß die Verräter raus!!!
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