Zwei Tage vor der Bundespräsidenten-Wahl wirbt die rot-grüne Kandidatin Gesine Schwan verstärkt um Stimmen aus dem bürgerlichen Lager. Die Wahlmänner sollten sich nicht von der Parteipolitik lenken lassen. Selbst Angela Merkel könnte vom Sieg einer Frau profitieren: "Wenn ich es gut mache, bereitet es ihr ja vielleicht sogar den Weg."

Gesine Schwan hat sich in der Berliner Zeitung direkt an die die Mitglieder der Bundesversammlung gewandt. "Folgt Eurem Gewissen", appellierte die rot-grüne Kandidatin an die Wahlmänner und -frauen. Parteipolitische Motive sollten keine Entscheidungshilfe bei der Wahl am Sonntag sein.

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Dagegen gab sich CSU-Chef Edmund Stoiber in der Zeitung Die Welt überzeugt, dass jedes Mitglied der Bundesversammlung genau wisse, um was es bei dieser Wahl gehe. "Es ist für mich ganz klar, dass die Mitglieder von CDU, CSU und FDP, die gemeinsam Herrn Köhler nominiert haben, ihn geschlossen zum Bundespräsidenten wählen."

Stoiber erhofft sich von der Bundespräsidenten-Wahl am Sonntag eine "politische Zeitenwende". Die Wahl des gemeinsamen Kandidaten von Union und FDP, Horst Köhler, wäre "das unübersehbare Zeichen für eine neue Mehrheit in Deutschland nach Rot-Grün und für einen kommenden politischen Wechsel in Berlin", erklärte der bayerische Ministerpräsident

Schwan sieht sich dagegen nicht als Hindernis für die Kandidatur Angela Merkels zur Bundeskanzlerin 2006. Zwei Frauen in hohen politischen Ämtern würden die Deutschen nicht überfordern. "Wenn ich es gut mache, bereitet es ihr ja vielleicht sogar eher den Weg, weil die Menschen sehen, dass eine Frau ein hohes Amt gut ausfüllen kann", sagte Schwan.

Um am Sonntag die Wahl gegen Horst Köhler zu gewinnen, benötigt die ehemalige Präsidentin der Universität Frankfurt/Oder Stimmen aus dem Lager von Union und FDP. Dieses verfügt in der Bundesversammlung über eine Mehrheit, die eine Wahl Köhlers bereits im ersten Wahlgang ermöglichen könnte.

Wahlmann Filbinger weiter in der Kritik

Während es für Abweichler aus dem bürgerlich-rechten Lager derzeit keine Anzeichen gibt, bleibt das Verhalten der PDS-Delegierten unklar. Die PDS- Bundestagsabgeordnete Gesine Lötsch sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie könne sich nicht vorstellen, dass die Kandidatin von Rot-grün, Gesine Schwan, alle Stimmen aus ihrer Partei bekäme.

Derweil sorgt die Person des CDU-Wahlmanns Hans Filbinger weiter für Kontroverse. SPD-Generalsekretär bezeichnete die Nominiserung Filbingers des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten als "Geschmacklosigkeit". Er forderte Angela Merkel auf, ihn zurückzuziehen.

Der 90-Jährige hatte wegen seiner NS-Vergangenheit heftige Proteste auselöst. Er war 1978 als Ministerpräsident zurücktreten, weil er seine Beteiligung an Todesurteilen kurz vor Kriegsende mit dem Satz verteidigte: "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein."

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat sich in den Streit um Filbinger eingeschaltet. "Ich kann nicht nachvollziehen, warum die baden-württembergische CDU Herrn Filbinger überhaupt aufgestellt hat. Es gibt bestimmt Verdienstvollere, die nicht eine solche Vergangenheit haben", sagte Spiegel, der selbst CDU-Wahlmann ist, der Berliner Tageszeitung B.Z..

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(sueddeutsche.de/dpa)