Rassistischer Geheimbund Radikale Beamte beim Ku-Klux-Klan

Ku-Klux-Klan: Mitglieder bei einer Zeremonie in Virginia, USA

(Foto: dpa)

Gezielte Werbung bei der Polizei, sechs Beamte mit Interesse am Ku-Klux-Klan: Berichte eines Spitzels offenbaren, dass die Kontakte baden-württembergischer Polizisten zu dem Geheimbund weiter reichten als bisher bekannt. Anderen im Klan waren die Polizisten angeblich sogar zu radikal.

Von Frederik Obermaier und Tanjev Schultz

Die Kontakte baden-württembergischer Polizisten zum Ku-Klux-Klan sind offenbar weitreichender gewesen als bisher bekannt. Das zeigen als geheim eingestufte Berichte eines V-Mannes, die die Süddeutsche Zeitung einsehen konnte. Der Mann berichtete über die Treffen einer Ku-Klux-Klan-Gruppe, die sich Anfang des Jahrtausends um den damaligen Anführer Achim S. aus Schwäbisch-Hall gebildet hatte. Laut Spitzel suchten zeitweise bis zu sechs Beamte die Nähe zu dem rassistischen Geheimbund. Bei fünf stand für den Verfassungsschutz die Zugehörigkeit zur Polizei fest, von vier Beamten kannte er die Namen.

Im November 2001 notierte ein Verfassungsschützer in einem Vermerk, beim Ku-Klux-Klan seien "in der letzten Zeit wiederholt Kontakte zu Polizeibeamten bekannt geworden" Es deute sogar einiges darauf hin, dass der Klan "gezielt" Werbung bei Polizisten mache.

Beamte sind weiter im Dienst

Offiziell war zuletzt nur von zwei Beamten die Rede, die sich auf den Geheimbund eingelassen hätten. Sie kamen mit einer Rüge beziehungsweise einer Zurechtweisung davon und sind weiter im Dienst. Bei drei weiteren Polizisten sei das Material "nicht belegbar" gewesen, heißt es in einem vor Kurzem vorgestellten Untersuchungsbericht des baden-württembergischen Innenministeriums. Das bedeutet: Es gab für die Nähe der drei Beamten zum Klan als Beleg offenbar "nur" die Aussagen des V-Manns. Dessen Berichte hielt der Verfassungsschutz für glaubwürdig, gerichtsverwertbar waren sie jedoch nicht.

Nach Angaben des V-Mannes suchte auch eine Polizistin Kontakt zum Klan. Sie soll früher für das Drogendezernat gearbeitet und einen starken Hass auf Schwarze gehabt haben, berichtete der Spitzel, der bei vielen Treffen des Geheimbunds selbst dabei war.

Polizisten angeblich extrem radikal

An anderer Stelle heißt es in der geheimen Verfassungsschutz-Akte: "Bemerkenswert ist, dass die von den bekannt gewordenen Polizeibeamten vertretenen Ansichten als extrem rechtsextremistisch eingestuft und deshalb von den meisten Mitgliedern abgelehnt wurden." Die Polizisten waren angeblich sogar anderen im Klan zu radikal.

Der Geheimbund um Achim S. zog auch Neonazis aus Ostdeutschland an, einige sollen früher dem militanten Netzwerk "Blood & Honour" angehört haben. Die Verbindungen nach Ostdeutschland und speziell nach Thüringen sind auffällig, auch wenn die Ermittler derzeit keinen Zusammenhang zur rechten Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) sehen, die ihre Wurzeln in Jena hatte.

Neue Ableger des Clans

Im Jahr 2007 sollen die NSU-Killer in Heilbronn die Polizistin Michele Kiesewetter ermordet haben, eine Kollegin jener baden-württembergischen Polizisten, die sich mit dem rassistischen Geheimbund eingelassen hatten. Die Bundesanwaltschaft geht allerdings davon aus, dass die Mörder ihr Opfer nicht persönlich kannten. Die Ku-Klux-Klan-Gruppe von Achim S. soll zu der Zeit des Mordes schon nicht mehr aktiv gewesen sein. Achim S. war Jahre zuvor gestürzt worden, seine Klansleute hatten ihm vorgeworfen, Geld veruntreut zu haben.

Doch immer wieder tauchen neue Ableger des Klans auf. Derzeit führt von Berlin aus ein selbsternannter "Bischof" eine Gruppe des Geheimbunds. In der Hierarchie des Klans bekleidet der vermeintliche Bischof den Rang eines "imperialen Hexenmeisters".

Eine ausführliche Reportage über die Verstrickungen der baden-württembergischen Polizeibeamten in den Ku-Klux-Klan und den Berliner Chef des Geheimbundes lesen Sie am Donnerstag auf der Seite Drei der Süddeutschen Zeitung.