Verkehrsminister Ramsauer will Auto-Fahrer verstärkt für den Straßenbau zur Kasse bitten. Geld allein aber ist ein Grund von gestern. Verkehrspolitik muss ökologisch lenken.
Der neue Verkehrsminister Peter Ramsauer ist gerade im Amt, da holt er ein Lieblingsprojekt der CSU aus der Schublade: Nach der Lkw- soll jetzt auch die Pkw-Maut kommen. Er sagt das nicht so deutlich, meint es aber, trotz des schnellen Hinweises, dass von Pkw-Maut nichts im Koalitionsvertrag stehe.
Bild vergrößern
Der neue Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bei seiner Vereidigung (© Foto: AP)
Anzeige
Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie der Straßenbau finanziert werden kann, ohne dafür die Steuern zu erhöhen. Ramsauers CSU gehört seit langem zu den Anhängern der Maut-Idee. Und auch in CDU und FDP ist Maut kein Tabuthema.
Mit der Pkw-Maut sollen die Nutzer stärker an den Kosten des Straßenbaus beteiligt werden. Das klingt erst mal gut und vor allem gerecht. Wer von Autobahnen profitiert, der soll auch zahlen. Autobahnzufahrt bitte nur mit gültigem Benutzerausweis. Für Lkw-Fahrer ist das längst Realität.
Mit Gerechtigkeit hat der Vorschlag allerdings erst mal wenig zu tun. Dahinter steckt schlichte Geldnot.
Die einfachste und schlechteste Methode ist, eine Vignette einzuführen. Ein Jahr Autobahn zum Festpreis sozusagen. Natürlich, Geld würde das schon bringen. Vor allem von den ausländischen Fahrern, die in Ermangelung einer deutschen Steuerpflicht die deutsche Autobahnen sozusagen gratis benutzen.
Es wäre auch möglich, im Gegenzug die Kfz-Steuer zu reduzieren, die im Grunde nicht mehr ist, als eine All-in-one-Maut. Und unterm Strich würde immer noch mehr Geld in die Kassen fließen.
Eines vergessen aber die meisten Mautbefürworter gerne: In Zeiten des Klimawandels reicht es nicht mehr, allein aufs Geld zu schauen. Verkehrspolitik muss Nachhaltigkeitspolitik sein. Steuern und Abgaben können eine ökologische Lenkungswirkung haben, wenn die Politik nur will.
So gesehen müssten nicht nur Autobahnen, sondern alle Straßen mautpflichtig werden. Schon um Maut-Flucht zu verhindern. Das passierte ja zu Beginn der Lkw-Maut, als Brummis einfach auf Landstraßen auswichen. Die Maut müsste darüber hinaus Nutzungsabhängig sein. Kein Zeit-Karten, sondern Abrechnung pro Kilometer. Für Spritfresser müsste mehr bezahlt werden als für Kleinwagen.
Ein Mautsystem nach diesen Vorgaben aber ist technisch ein hochkomplexes Gebilde, der Verwaltungsaufwand wäre riesig.
Die einfachste Lösung
Also doch eine Vignette? Nein. Sie macht die zu Deppen, die einmal im Jahr die Autobahn benutzen um Verwandte zu besuchen und die zu Gewinnern, die tagtäglich ihre Kilometer abspulen.
Es gibt eine andere, noch unaufwändigere Methode, um allen ökologischen und sozialen Anforderungen an eine nutzerabhängige Straßenfinanzierung auf einen Schlag gerecht zu werden: Kfz-Steuer abschaffen, die Maut sein lassen und stattdessen die Spritpreise erhöhen. Und zwar massiv. Am besten europaweit, um dem Tanktourismus keine Chance zu geben.
Die Preise müssten so hoch sein, dass mit den zusätzlichen Einnahmen sowohl der Straßenbau als auch der öffentliche Personennahverkehr finanziert werden könnten. Wem Autofahren dann zu teuer ist, der steigt gerne auf den Bus um, wenn der auch auf dem Land im Zehn-Minuten-Takt fährt und nicht per se dreimal so lange braucht wie ein Auto.
Zugegeben: eine einfache Idee mit niedrigstmöglicher Umsetzungswahrscheinlichkeit. Ramsauer will einfach nur mehr Geld für die Straßen. Ökologische Lenkungswirkungen dürften ihm herzlich egal sein. Der Kanzlerin - mit Verlaub - auch. Angela Merkel war ja nicht einmal in der Lage, auf der europäischen Ebene für eine durchschlagende CO2-Abgabe auf Autos zu streiten.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Verkehr Union liebäugelt mit Pkw-Maut 05.11.2009
- Debatte um Pkw-Maut Ramsauer auf Schlingerkurs 05.11.2009
- Kurs-Debatte Steinmeier warnt SPD vor Linksruck 16.10.2009
(sueddeutsche.de/cmat/mati)
"Undercover" bei Paketzusteller GLS
"Von daher muss jeder Euro Nettoeinnahme aus einer Maut wieder in die Autobahnen investiert werden - was dann notfalls auch einklagbar wäre. Die Maut wäre aus dieser Sicht m. E. also wesentlich besser als die im allgemeinen Haushalt versickernde KFz.-Steuer."
Und ich schließe mit ihnen jede Wette ab, was dann passiert. Nämlich, dasselbe wie mit den Studiengebühren in Bayern.
Die Maut wird vielleicht noch in den Straßenverkehr gesteckt, vielleicht aber auch nur irgendwo "zwischengeparkt". Weil man ja nun die Mauteinnahmen hat, wird man die sonstigen Ausgaben, die man im Straßenverkehr hatte, auf 0 zurückfahren. D.h., Mineralölsteuer und sicher auch KfZ-Steuer weiter kassieren nur dann eben zu 100% in den allgemeinen Haushalt umhalten.
Und für die angesparte Maut fällt denen auch noch was ein: irgendein wichtiges Projekt kommt und da nimmt man mal kurzerhand einen Kredit auf diesen Topf auf, den man ja erst demnächst braucht. Die Rückzahlung wird dann dauern und dauern, dann kommt die Wahl und es ist ja sozial ungerecht, den Mauttopf aufzufüllen, wenn man lieber Sozialleistungen verteilen kann und irgendwann wird schon kaum noch einer dran denken.
"Die Behauptung eine Maut für den Straßenbau verwenden zu wollen ist eine Beschichtigung und Lüge zugleich. Die Autofahrer zahlen über Steuern und Gebühren mehr Milliarden als für den Straßenverkehr und den öffentlichen Verkehr ausgegeben wird. "
In diesem Punkt haben Sie unrecht. Das Aufkommen aus der Maut darf gemäss europäischem Recht ausschliesslich für den Ausbau und Erhalt der in ihr einbezogenen Verkehrswege genutzt werden. Einzige Ausnahme davon sind die Erhebungskosten, die ebenfalls aus den Einnahmen finanziert werden dürfen.
Zitat de Palacio: "Nach den EU-Bestimmungen dürften in die Strassenbenutzungsgebühren nur die Kosten für Unterhalt und Abschreibung einfliessen.."
Von daher muss jeder Euro Nettoeinnahme aus einer Maut wieder in die Autobahnen investiert werden - was dann notfalls auch einklagbar wäre. Die Maut wäre aus dieser Sicht m. E. also wesentlich besser als die im allgemeinen Haushalt versickernde KFz.-Steuer.
Der Auofahrer ist und bleibt eben die Melkkuh der Nation!
da reg' ich mich nicht drüber auf.
Was mich dagegen nervt, ist zum einen schon wieder diese unselige Fairnessdebatte - das Leben war nie fair, ist nicht fair und wird nie fair sein - und zum anderen die Tatsache, dass die deutschen es schon wieder so kompliziert machen wollen. Hat man aus dem Toll-Collect Desaster nichts gelernt? Pickerl auf die Scheibe und fertig! Warum machen das wohl alle unsere Nachbarn so? weil's kostengünstig und einfach ist! Und wir diskutieren ernshaft über elektronische Erfassungsgeräte in allen PKW...
Alternativ halt noch wie die Franzosen und Italiener, Kassenhäuschen bauen, dann können wir darin ein paar Arbeitsplätze schaffen. Die dann vom Autofahrer über die Maut mitsubventioniert werden...
Letztendlich denke ich, diese Regierung scheint wirklich in Geldnöten zu sein. Zahlen wird es, wie üblich, der sog. Otto-Normal-Verbraucher, also die große Mehrheit in unserm Lande.
Paging