Ralf Wohlleben und die NSU-Terroristen "Wenn Du was hast, schreibe mir!!!"

Aber sein Fall ist ein besonderer. Für keinen anderen Angeklagten macht die rechte Szene so viel Stimmung wie für den Mann, den sie "Wolle" nennt. Obwohl die NPD offiziell auf Distanz zu ihm gegangen ist, trugen im vergangenen Jahr einige NPD-Politiker den Button "Freiheit für Wolle". Zu Wohllebens 37. Geburtstag wurden in thüringischen Tageszeitungen Geburtstagsannoncen geschaltet, wie: "Zum Ehrentag für Wolle. Zweifle an der Sonne Klarheit. Zweifle an der Sterne Licht . . . Nur an unserer Treue nicht."

Auf Veranstaltungen wurden Spenden für Wohlleben und seine Familie gesammelt, ähnlich wie 1998, als das aus Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe bestehende Trio in den Untergrund gegangen war. In der Anklage seht, dass Wohlleben angeblich eine "steuernde Zentralfigur der gesamten Unterstützerszene" war.

Hilfsangebot von "Richard"

Wo immer auch Wohlleben in den vergangenen 14 Monaten in Untersuchungshaft war, Kameraden schickten ihm Blätter wie "Ein Fähnlein" und "Der rechte Rand" oder "Germanische Heldengeschichten" und sie umwarben ihn. Ein "Richard" bot ihm Hilfe an: "Wenn Du was hast, was ich erledigen, kaufen oder sonst was soll, schreibe mir!!! Ich weiß selber, dass man ab und zu mal einen fleißigen Helfer hinter der Mauer braucht."

Während sich Zschäpe vom braunen Sumpf fernhält, ist Wohlleben der Star der rechten Szene. Das ist auch ein bisschen an der Wahl seiner Anwälte erkennbar. Beide sind mit Fällen der rechten Szene ziemlich gut vertraut - anders als die Anwälte der übrigen vier Angeklagten. Wohllebens Pflichtverteidigerin war mal kurze Zeit Mitglied der NPD. Kein Zweifel - dieser Angeklagte und seine Umgebung bergen aus mancherlei Gründen den größten Sprengstoff für den bevorstehenden Prozess.

Wohlleben wurde von seinen Mitangeklagten Carsten S. und Holger G. schwer belastet. Beide packten aus, beide waren geständig. Angeblich hat Wohlleben jedem von ihnen den Auftrag gegeben, das Trio mit Waffen zu versorgen. Darunter soll auch jene Ceska 83 mit Schalldämpfer gewesen sein, mit der neun Migranten ermordet wurden. Wohllebens Verteidiger haben in Haftbeschwerden versucht, die Einlassungen von Carsten S. und Holger G. zu widerlegen oder zumindest infrage zu stellen. Besonders G. muss befürchten, dass ihn Wohlleben, wenn dieser im Prozess reden sollte, belasten wird.

"Wolle"-Sympathisanten sehen einseitige Ermittlungen

Die Verteidigerin Wohllebens argumentierte in einem Schriftsatz an den Dritten Senat des Bundesgerichtshofs fast schon szenetypisch. Es ging um eine Waffenlieferung, die Wohlleben vermittelt haben soll und die Anwältin fragte den Senat, wen der Zeuge, der Wohlleben in Nöte brachte, "möglicherweise decken" wolle. Sei der Zeuge "vielleicht auch ein V-Mann?"

Die Anwältin fragte auch, ob der Zeuge die "angebliche Waffe von einer Sicherheitsbehörde erhalten" habe. Die Ermittlungen in diesem Bereich seien "viel zu einseitig geführt" worden, meinte sie. Ähnlich argumentieren viele der "Wolle"-Sympathisanten.