Ralf Wohlleben und die NSU-Terroristen Wie die Spinne im Netz des Rechtsextremismus

Der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, aufgenommen während einer NPD-Demonstration in Jena.

(Foto: dpa)

Er ist in der öffentlichen Wahrnehmung nur eine Randfigur des NSU-Terrors. Dabei ist Ralf Wohlleben wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen angeklagt. Trotz der Inhaftierung hat er weiterhin vielfältige Kontakte zur rechten Szene.

Von Hans Leyendecker

Im September 2012 schickte der Leiter der in Thüringen gelegenen Justizvollzugsanstalt Tonna einen Brief an den Ermittlungsrichter II des Bundesgerichtshofs (BGH). Seit fünf Monaten, so der Oberregierungsrat, sitze Ralf Wohlleben, der dem Zwickauer NSU-Trio Waffen besorgt haben soll, in seiner Heimat in Untersuchungshaft. Der 37-Jährige, der mal Vize-Landeschef der NPD in Thüringen war, sei kein normaler Gefangener. "Durch sein politisches Vorleben", so der Anstaltsleiter, sei Wohlleben bei "gleichgesinnten" Häftlingen "sehr bekannt".

Es bestehe die Gefahr, dass sich "persönlich verbundene Gefangene mit ihm solidarisieren". Möglicherweise existiere mittlerweile ein "Unterstützerfeld" im Knast. Insbesondere ein Gefangener im Westflügel, auf dessen Namensschild neben der Zellentür "Brauner Zwerg" stand, sei Wohlleben "loyal ergeben". Die richterlich angeordnete Postkontrolle, die von Wohlleben und seinen Kameraden unterlaufen worden war, sei so kaum einzuhalten.

Wohlleben wartet in München-Stadelheim auf seinen Prozess

Seit Oktober sitzt Wohlleben in München-Stadelheim. Seine Anwälte hatten vergeblich gegen die Verlegung des Gefangenen nach Bayern protestiert. Auch in München säßen Rechtsextremisten im Knast ein, hatte ein aus Cottbus stammender Anwalt Wohllebens argumentiert.

Der Auszug aus Thüringen wurde dadurch beschleunigt, dass Sven-Kai R., der als Waffennarr gilt und einst Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in einem Brief an Mundlos als seine "besten Freunde" bezeichnet hatte, in Tonna in Untersuchungshaft geriet. Wohlleben und R. sind sich in Tonna aber nicht begegnet.

Anklage wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen

Wohlleben wartet jetzt in Stadelheim auf den am 17. April beginnenden NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München. Er ist einer von fünf Angeklagten. Außer ihm sitzt nur noch Beate Zschäpe, die angebliche Mitgründerin der Terrorvereinigung NSU, in Untersuchungshaft. Ebenso wie Zschäpe hat er zu den Vorwürfen der Bundesanwaltschaft bislang geschwiegen.

Der Fall Wohlleben ist in den vergangenen Monaten aus den Schlagzeilen verschwunden, weil sich das Hauptinteresse auf die 38-jährige Jenaerin konzentrierte, die angeblich Mittäterin bei den zehn Morden der NSU-Bande war. Obwohl Wohlleben wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen angeklagt wurde, erscheint er in der öffentlichen Wahrnehmung eher wie eine Randfigur.