Raketentests Deutschland schränkt diplomatische Beziehungen zu Nordkorea ein

Außenminister Sigmar Gabriel traf in Washington auf seinen US-Kollegen Rex Tillerson.

(Foto: dpa)
  • Nach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas verkleinert Deutschland seine diplomatische Vertretung in dem weitgehend isolierten Land.
  • Außenminister Sigmar Gabriel kündigte nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Rex Tillerson in Washington an, einen weiteren Diplomaten aus Nordkorea abzuziehen.
  • Auch andere EU-Staaten mit diplomatischen Vertretungen wollen Gabriel zufolge ihr Personal reduzieren.

Nach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas schränkt Deutschland seine diplomatischen Beziehungen zu dem ostasiatischen Land weiter ein. Ein deutscher Diplomat - aber nicht der Botschafter - werde aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang abgezogen, sagte Außenminister Sigmar Gabriel bei seinem Besuch in Washington. Die Bundesregierung habe Pjöngjang zudem aufgefordert, Diplomaten aus der nordkoreanischen Botschaft in Berlin abzuziehen.

Zuvor hatten die USA an alle Staaten appelliert, die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Nordkorea zu beenden. Das deutsche Auswärtige Amt hatte sich dazu nicht geäußert, da zunächst Gabriel in Washington ein Gespräch mit dem US-Außenminister Rex Tillerson führen sollte. Der Abzug des Diplomaten ist aber offenbar nicht das Ergebnis dieser Diskussion: Schon am Mittwoch teilte das Auswärtige Amt dem nordkoreanischen Botschafter bei einer Einbestellung mit, dass der Diplomat abgezogen werden. "Der diplomatische Druck wird also erhöht, andere in Europa tun das auch", sagte Gabriel. Den von den USA geforderten Abzug des Botschafters aus Pjöngjang lehnt Deutschland weiter ab.

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Gabriel hatte den Raketentest "im Namen der Bundesregierung aufs Schärfste" verurteilt. Das "rücksichtslose Verhalten" Nordkoreas sei eine "enorme Gefahr für die internationale Sicherheit", hatte er noch in Berlin erklärt. Bereits Ende Juli hatte das Auswärtige Amt wegen der nordkoreanischen Raketen- und Atomtests zwei Botschaftsmitarbeiter aus Pjöngjang abgezogen und zwei nordkoreanische Diplomaten zur Ausreise aufgefordert.

Der deutsche Botschafter in Pjöngjang, Thomas Schäfer, zählt zu den erfahrensten westlichen Diplomaten in Nordkorea. Er war schon von 2007 bis 2010 Botschafter dort und kehrte 2013 in die nordkoreanische Hauptstadt zurück. Die DDR hatte von 1949 bis 1990 diplomatische Beziehungen zu Nordkorea, die Bundesrepublik Deutschland seit 2001. In dem recht großen Botschaftsgebäude, der früheren DDR-Botschaft, sind sieben andere Länder mit Botschaftern oder ständigen Vertretern untergebracht.

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