Nach dem Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete streitet der UN-Sicherheitsrat über das weitere Vorgehen. Südkorea will hingegen entschlossen handeln.

Der Start einer Langstreckenrakete bleibt für Nordkorea zunächst ohne größere diplomatische Folgen. Die Mitglieder des Weltsicherheitsrats konnten sich bei einer dreistündigen Sitzung nicht einmal auf eine in solchen Fällen übliche vorläufige Verurteilung einigen. Diplomaten zufolge gab es Widerstand von den beiden Vetomächten China und Russland sowie von Libyen und Vietnam.

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"Wir befinden uns an einem sehr heiklen Punkt": Chinas UN-Botschafter Zhang Yesui. (© Foto: AFP)

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Die Ratsmitglieder konnten sich noch nicht mal auf eine Ächtung einigen, die in solchen Fällen üblich ist. Diplomaten zufolge gab es Widerstand von China, Russland, Libyen und Vietnam. Als Antwort auf den Raketentest Nordkoreas streben Japan und die USA eine neue Resolution des Weltsicherheitsrats an. Der Rat war auf Initiative Japans zusammengetreten.

China und Russland teilten die Sorge, dass der Raketenstart eine Bedrohung der Region sei, sagte der japanische Außenminister Hirofumi Nakasone in Tokio der Nachrichtenagentur Kyodo. "Aber sie wirken bisher zurückhaltend und vorsichtig", so der Außenminister. Es gebe "einen gewissen Grad an Differenzen, wie der UN-Sicherheitsrat reagieren sollte".

China warnt vor Eskalation

"Wir befinden uns an einem sehr heiklen Punkt", sagte der chinesische Botschafter Zhang Yesui nach dem Abbruch der Gespräche. Alle beteiligten Länder sollten sich nach seinen Worten zurückhalten, um Spannungen nicht zu vergrößern.

Chinas Außenminister warnte unterdessen vor einer weiteren Eskalation. In Telefongesprächen mit seinen Kollegen in den USA, Russland, Japan und Südkorea mahnte Yang Jichi zur Zurückhaltung. Es solle alles vermieden werden, was die Spannungen in der Region noch verschärfen könne, sagte der Außenminister.

Am Abend (Ortszeit) setzten Diplomaten ihre bilateralen Gespräche fort. Die USA, Großbritannien, Frankreich und Japan arbeiteten einen Entwurf für eine UN-Resolution aus, die Ende der Woche verabschiedet werden könnte. Sie sieht eine Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea vor.

Zufriedenheit in Nordkorea

Südkorea kündigte unterdessen "entschlossenes" Handeln gegenüber dem nördlichen Nachbarn an. Die Regierung werde "mit der nordkoreanischen Provokation entschlossen und streng umgehen", sagte der südkoreanische Präsident Lee Myung-Bak in einer Rundfunkansprache. "Der rücksichtslose Akt, der die regionale und globale Sicherheit gefährdet, kann unter keinen Umständen gerechtfertigt werden."

Pjöngjang hatte am Sonntag ungeachtet aller internationalen Proteste eine Langstreckenrakete gestartet. Nach Einschätzung der USA und Südkoreas ist der Satellitenstart jedoch entgegen Nordkoreas eigenen Angaben fehlgeschlagen. Es sei nach dem Start kein Objekt in die Erdumlaufbahn eingetreten.

Russland: Rakete erreichte nicht die Umlaufbahn

Auch nach Erkenntnissen Russlands wurde kein Satellit in den Weltraum geschossen. Das russische Weltraum-Kontrollsystem habe keinen Transport eines nordkoreanischen Satelliten in die Umlaufbahn festgestellt, hieß es am Montag nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax aus ranghohen Kreisen des Generalstabs.

"Auch wenn es keinen Schaden gegeben hat, war es doch ein Zeichen von Nordkoreas Absichten und eine Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit - nicht nur für Japan", sagte der japanische UN-Botschafter Yukio Takasu zu Beginn der Weltsicherheitsratssitzung.

Unterdessen verbreitete Nordkoreas staatlich kontrollierte Nachrichtenagentur KCNA Fotos von Machthaber Kim Jong Il, wie er in einem Kommandozentrum der Streitkräfte den Satellitenstart verfolgt habe. Kim habe seine große Zufriedenheit geäußert, dass Wissenschaftler und Techniker des Landes "erfolgreich" den Satelliten in die Umlaufbahn gebracht hätten.

Nordkorea habe die mehrstufige Trägerrakete und den Satelliten mit eigener Technologie entwickelt. Der Start hat nach Auffassung der USA, Südkoreas und Japans die Fähigkeit des kommunistischen Regimes gezeigt, eine Langstreckenrakete abzufeuern, die auch US-Gebiet erreichen könnte.

Der Raketenstart hatte weltweite Empörung ausgelöst. US-Präsident Barack Obama sprach während einer Rede in Prag von einer Provokation, die die Stabilität im Fernen Osten bedrohe. Die Europäische Union und die Nato schlossen sich dieser Einschätzung an.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte noch vor der Sitzung des Sicherheitsrates, der Raketenstart sei "nicht zielführend für die Bemühungen um Förderung von Dialog, regionalem Frieden und Stabilität". Obama zufolge handelte es sich um eine klare Verletzung der UN-Resolution 1718, die Nordkorea die Entwicklung und den Einsatz ballistischer Waffensystem ausdrücklich verbietet.

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(AFP/AP/dpa/gal/mati)