Ein neues Dauerzerwürfnis mit Russland ist nicht ausgeschlossen. Die Europäer können dem nur entgehen, wenn sie zusammenstehen. Denn die Schuld am eisigen Klima mit Russland liegt in Moskau.
Es geht derzeit nicht viel zwischen der Europäischen Union und Russland. Wenn es der Krisendiplomatie bedarf, um einen gemeinsamen Gipfel vor einem allzu öffentlichen Scheitern zu bewahren, dann läuft mehr schief, als sich beide Seiten eigentlich leisten können. Es ist also ein Punkt erreicht, jenseits dessen es zu einem schweren Dauerzerwürfnis kommen kann. Es wächst die Gefahr einer neuen, anhaltenden Konfrontation auf dem Kontinent.
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Der entgehen die Europäer nur, wenn sie zusammenstehen. Die Frage nach der Schuld am zunehmend eisigen Klima mit Russland ist relativ leicht zu beantworten. Sie liegt in Moskau, wo Präsident und Regierung mit Bösartigkeiten gegen Litauen und Estland und mit einer rein politisch motivierten Blockade polnischer Fleischexporte die Provokation der politischen Vernunft und dem Verhandlungstisch vorziehen. Ein Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit demonstriert Wladimir Putin Stärke, so wie er sie versteht.
Über die Ursachen der Verstimmungen sind sich die Europäer einig, über ihre Gegenwehr streiten sie. Putins Muskelspiel bringt die EU-Partner in eine doppelt schwierige Lage. Nach außen gerät ihr Konzept einer ,,strategischen Partnerschaft'' mit Russland ins Wanken. An die Verhandlung eines Partnerschafts- und Kooperationsabkommens ist so lange nicht zu denken, wie Moskau Druck auf die ehemaligen Vasallenstaaten in Osteuropa ausübt.
Machtpolitische Interessen wahren
Das größte Risiko für die Europäische Union liegt aber darin, dass Putins Politik sie spaltet. Ein Zerfall der Union in russlandpolitische Hardliner wie Polen und die baltischen Staaten, die auf Konfrontation setzen, und in einen großen Rest, der Kooperation bevorzugt, wird die EU außenpolitisch schwächen. Nicht nur in Moskau, sondern auch anderswo auf der Welt wird Europa an Gewicht verlieren.
Wie weit sich die Osteuropäer von Putin schon in diese Spaltung haben hineintreiben lassen, zeigt sich an Litauen, das neuerdings auch per Veto Verhandlungen mit Russland verhindern will. Aber nicht nur das. Unter einigen Europäern macht sich ein Misstrauen breit, das man längst überwunden glaubte. Wenn die polnische Außenministerin Anna Fotyga der deutschen EU-Präsidentschaft wider alle Fakten mangelnde Solidarität mit Warschau vorwirft, dann unterstellt sie Berlin Komplizenschaft mit Moskau.
Nun ist es ja durchaus nachvollziehbar, dass Polen, Litauer, Letten, Esten oder Tschechen besonders sensibel auf russisches Großmachtgehabe reagieren. Sie haben lange unter der Sowjetunion gelitten. Aber Deutschland implizit vorzuwerfen, dass es über den Kopf Polens hinweg eine Politik des Appeasements mit Russland betreibt, zeigt, dass zumindest Polen immer noch nicht in der EU angekommen ist. Ängste vor einem neuen Rapallo, wo sich 1922 die Deutschen und die Sowjets hinter dem Rücken der anderen vertraglich verbanden, sind abwegig. Die Vereinigung Europas macht solche Absprachen unnötig. Anstatt also sinnlos Gespenster der Vergangenheit zu beschwören, sollten die Neumitglieder zur Stärke der EU beitragen, die schließlich auch ihr bester Schutz ist: zur Gemeinsamkeit.
Ruhige Reaktionen erforderlich
Ein Europa, das mit einer Stimme spricht und das sich von niemandem auseinanderdividieren lässt, wird über kurz oder lang vernünftige Absprachen mit Moskau treffen können. Denn jenseits der gegenwärtigen Querelen ist es ja weiter richtig, dass nicht nur Europa Russland braucht, sondern auch Russland Europa. Beiden bringt auf Dauer gute Nachbarschaft mehr Nutzen als ständige Konflikte. Je schneller man zu einer Partnerschaft kommt, um so besser. Auch wenn es der spontanen emotionalen Reaktion einiger Europäer zuwiderläuft, sollten sie auf Putins Provokationen mit Gelassenheit reagieren. Schwer fallen dürfte das eigentlich nicht. Als Mitglieder von EU und Nato ankern die osteuropäischen Staaten in sicheren Häfen.
Je ruhiger die EU auf die russischen Provokationen reagiert, desto früher wird Moskau wieder Gefallen finden am europäischen Angebot einer Partnerschaft. Sobald Putin oder sein Nachfolger begriffen haben, dass die EU kein Verein ist, der beim ersten Windstoß ins Straucheln gerät, werden sie wieder mehr die langfristigen strategischen Ziele ihres Landes in den Mittelpunkt ihrer Politik rücken.
Für die Europäer gibt es keinen Anlass zur Hektik. Zunächst sollten sie zur Geschlossenheit zurückfinden - und dann geduldig daran arbeiten, dass ein neuer Vertrag mit Moskau zustande kommt. Das kann zwei, drei Jahre dauern. Falsch wäre es jedoch, eine enge Partnerschaft gar nicht mehr zu verfolgen. Keiner darf über die innere, undemokratische Entwicklung in Russland hinwegschauen.
Aber die EU muss auf ihre machtpolitischen Interessen achten. Dabei geht es auch um Öl und Gas. Wie sich die Gewichte in der Welt in den kommenden Jahren verteilen, hängt nicht zuletzt vom Verhältnis zwischen der EU und Russland ab. Über den gegenwärtigen Nickeligkeiten der Russen dafür den Blick zu verlieren, wäre der schwerste geostrategische Fehler, den Europa derzeit begehen könnte.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 16.05.2007)
Youtube-Hit aus USA
Es war sehr beeindruckent, wie Frau Merkel öffentlci die Menschenrechtsverletzungen in Russland angesprochen hat. Selbst diplomatische beobachter im ZDF sind der Meinung gewesen, dass so etwas nocht nie öffentlich gemacht wurde.
Die Reaktion des Herrn Putin erinnert mich an ein kleines Kind oder an zickige Mädchen, die trotzig den Spieß umdrehen, wenn sie nicht wissen, wie sie auf Vorwürfe reagieren.
Es ist ja nicht nur der Schachwletmeister a.D., der von der Polizei gehindert wird. Ein "Focus"-mitarbeiter wurde an seiner arbeit gehindert; Journalisten, die nicht in das Denkschema passen, werden teilweise umgebracht oder eingesperrt.
Der angeblich starke Putin hat Angst vor einzelnen Menschen, die ohne Gewalt demonstrieren.
Diese Angst haben immer "Diktatoren" gehabt. In demokratischen Strukturen müssen die verantwortlichen Politikier dann Angst haben, wenn sie etwas falsch gemacht haben oder wenn sie um ihre Macht fürchten. Dennoch haben die meisten unter ihnen gelernt, damit zu leben, dass es andere Meinungen gibt und dass man demonstrieren darf.
Wenn ich von sehr guten Journalisten aus Moskau höre, dass "man" sich Gedanken macht, wer der Nachfolger von Putin werden kann und darf und wenn man gelichzeitig Oppositionelle einschüchtert, dann scheint es mit der Stärke eines Putin nicht weit her zu sein.Insofern ist sein Verhalten mit dem eines Diktators zu vergleichen.
Wenn er sich seiner Macht bewusst wäre und wenn er ein demokratischen Entwurf hätte, indem alle Menschen in Russland sich wieder finden könnten, dann braucht er keine Angst vor der Opposition zu haben. Anscheinend tun sich gerade Regierende in Russlan schwer mit der Demokratie.
Dass man dann so provozieren muss, wie es Putin getan hat. liegt in der Natur der Sache. Angriff ist die beste Verteidigung und vor allem lenkt Provokation von eigenen Fehlern ab.
Früher konnte mann die B und C Fleischware über Polen nach Rußland verkaufen. Die Russen haben aber genug davon. Der Wunsch nach A Güteklasse Waren ist enorm. Da hilft es der Merkel auch nicht die Stimme für Polen zu sein. Die C Ware aus BRD muss Sie dann doch wo anders verkaufen.
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Nach abermaligem Durchlesen der bisherigen Kommentare, glaube ich, dass hier zu viele verschiedene Themen miteinander vermischt werden. Diskussionen über Flugzeugbau und Raketen-Abwehr (NATO-Thema!!!) verfehlen das Thema. Hier geht es doch lediglich um:
(1) das Verhältnis EU-RUS vor dem Hintergrund emotionaler Kleinkriege mit einzelnen Mitgliedsstaaten der EU, und
(2) um die These, dass diese Kleinkriege durch "Provokationen" von RUS ausgelöst worden sind.
Zu (2): Trotz des teilweise konfrontativen (Bsp: Musste man das Denkmal in Estland ausgerechnet kurz vor dem 9. Mai verlegen müssen? Muss die polnische Außenministerin Begriffe wie "das ist eine Kriegserklärung Russlands" in den Raum stellen? usw.) Verhaltens einiger EU-Mitgliedsstaaten, sprechen die Indizien doch recht eindeutig dafür, dass diese Konflikte von Moskau geschürt werden. Denn bei all diesen Konflikten muss festgestellt werden, dass die betroffenen EU-Staaten ihre Bringschuld zum Friedensschluss erbracht haben.
Zu (1): Die EU ist ein Staatenbund gleichberechtigter Staaten. Bei dem Verhältnis EU-RUS hat RUS alle EU-Staaten gleich zu behandeln. Geschieht dies nicht, haben benachteiligte Staaten das Recht diese Art(!!!) von Partnerschaft zu blockieren. Umgekehrt muss die EU als ganzes öffentlich sagen:
- Wir haben festgestellt, dass das Embargo gegen polnisches Fleisch unbegründet ist. Solange das alte Partnerschaftsabkommen offensichtlich verletzt wird, wird es kein neues Abkommen EU-RUS geben.
- Gleiches gilt, solange Litauen weiterhin nicht mit öl aus der Pipeline "Freundschaft" versorgt wird.
- Gleiches gilt, solange russsische Hacker-Angriffe (teilw. von Rechnern der russ. Regierung aus !!!) gegen estnische Netzwerke nicht beendet werden (Estland hat heute EU u. NATO offiziell um Hilfe gebeten).
- Gleiches gilt, solange alle Sanktionen gegen Estland nicht aufgehoben werden.
- Gleiches gilt, solange die Grenze mit Lettland nicht endlich von RUS anerkannt wird.
- usw. usw. usw.
soso .. Russland hat das Recht zu meckern schreibt DontTreadOnMe .. unbenommen, Putin darf auch mal wieder mit nem Schuh auf nem Pult herumhauen, wenns ihm Spaß macht - was Du eigentlich sagen willst ist doch: Das arme, kleine Russland, dem so übel mitgespielt wird, darf noch nicht mal seine Meinungs agen, weil der böse Westen dagegen ist ...
.. ich frage mich nur, warum Russland für sich Dinge fordert, die es anderen nicht zugesteht. Da werden die Esten bedroht, wenn Sie die Zeit unter russischer Besatzung nicht mehr glorifizieren wollen ... aber Estland ist ein unabhängiger Staat, der sich entschieden hat in der EU und er NATO zu sein - gut so
..da geht Russland auf die Barrikaden, wenn Georgien sich freiwillig dazu entscheidet, eine Demokratie zu sein und in die NATO zu wollen .. und gar verlangt, dass die letzten russischen Besatzungstruppen endlich aus dem Land verschwinden .. Georgien hat Recht, denn es ist ein unabhängiger Staat
da dreht Russland durch, wenn die Ukraine - ebenfalls besetzt, ausgeplündert und unterdrückt durch fast 50 Jahre Stalinismus und sovietische Unterdrückung - im Parlament das tut, was ein souveräner Staat tun darf .. nämlich daran erinnern, dass Millionen ukrainischer Bürger voir allem auf dem Land im Holodomor umgebracht wurden, durch Stalins Aushungerungspolitik (was wollte Stalin? Er wollte die Landbevölkerung zwingen, sich dem kommunistischen Diktat der Verstaatlichung der Landwirtschaft zu unterwerfen)
- und wenn das ukrainische Parlament dies als Völkermord bezeichnet, geht in Russland der Blutdruck hoch .. richtig so, denn die Ukraine ist ein unabhängiger Staat der in die EU möchte und sollte
Russland hat zu akzeptieren, dass es von souveränen Staaten umgeben ist. Punkt, oder BASTA, wie der lupenreine Pudel Putins = Schröder zu sagen pflegte
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