Die Präsidentenwahl in Russland war nicht fair, aber es gibt dennoch Grund zur Hoffnung - sagt Andreas Schockenhoff, Koordinator für die deutsch-russische Zusammenarbeit. Im Gespräch mit sueddeutsche.de warnt der CDU-Politiker davor, Dmitrij Medwedjew zu unterschätzen und erklärt, wieso sich für Kanzlerin Merkel wenig ändert.
Der CDU-Abgeordnete Andreas Schockenhoff ist seit 2006 Koordinator für die deutsch-russische zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit. Zugleich ist er stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
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Zuständig für die deutsch-russische Zusammenarbeit: Der CDU-Abgeordnete Andreas Schockenhoff. (© Foto: oH)
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sueddeutsche.de: Herr Schockenhoff, das Ergebnis der Präsidentenwahl in Russland ist wenig überrraschend. Sie haben gesagt, Dmitrij Medwedjew sei eine "Chance für Deutschland und Europa". Warum?
Andreas Schockenhoff: Die Wahlen sind zwar nicht fair und gerecht verlaufen, weil die drei anderen Kandidaten kaum Zugang zu den staatlichen Medien hatten. Aber Medwedjew hat vor der Wahl einige bemerkenswerte Reden gehalten, die einen klaren Öffnungskurs versprechen.
sueddeutsche.de: Sie haben die Vorwürfe angesprochen: Unabhängige Beobachter klagen über zahlreiche Manipulationen und darüber, dass viele Russen zur Wahl gedrängt wurden. Ist das nicht ein großer Makel für den neuen Mann im Kreml?
Schockenhoff: Ich glaube, dass die Wahl frei war, aber sie war nicht fair. Es ist eine Belastung, aber wir müssen zugleich klar sehen, dass das Ergebnis von 69 Prozent realistisch die Erwartungen der russischen Bürger widerspiegelt. Die Russen wollen den starken Staat und fürchten den Rückfall ins Chaos, wie sie in der Zeit vor Putin erlebt haben.
sueddeutsche.de: Was hat der neue Präsident in seinen Reden angekündigt?
Schockenhoff: Er will Russland in Wirtschaft, Gesellschaft und Staat umfassend modernisieren. Zweitens hat er die Rückschläge in Bezug auf Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit deutlich angesprochen und den herrschenden Rechtsnihilismus kritisiert. Drittens hat Medwedjew den Menschen in den Mittelpunkt gestellt - den Menschen in seiner Würde und in seinen Persönlichkeitsrechten, dem die Politik dienen müsse. Natürlich sind Worte keine Taten, die müssen nun folgen. Aber wir sollten ihn beim Wort nehmen und bei dieser Politik unterstützen.
sueddeutsche.de: Gestern Abend hat Medwedjew angekündigt, Putins Politik fortsetzen zu wollen. Die "nationalen Interessen" Russlands hätten größere Priorität. Das klingt nicht, als würden Streitfragen wie Kosovo oder das Partnerschaftsabkommen von EU und Russland schnell gelöst werden.
Schockenhoff: Russland hat sich in anderen Fragen sehr konstruktiv verhalten, zum Beispiel in Fragen des iranischen Nuklearprogramms oder der Krise in Nahost. Natürlich wird es auch in Zukunft Interessengegensätze geben, etwa in den genannten Punkten, aber wir hoffen, dass diese im Dialog ausgetragen werden - und nicht wie zuletzt öfters durch Drohungen.
sueddeutsche.de: Viel spekuliert wird über die künftige Rollenverteilung. Kann sich Medwedjew emanzipieren? Oder bleibt Putin der starke Mann - und auch der Ansprechpartner in Moskau?
Schockenhoff: Man sollte Medwedjew nicht unterschätzen. Er hat bisher schon als Erster Vizepremier in der Kreml-Administration eine wichtige Rolle gespielt und wird die nötige Härte und Durchsetzungsfähigkeit haben. Natürlich braucht er Putin in einer Übergangszeit, um seine Macht abzusichern, weil er nicht aus dem Geheimdienst kommt und hat deswegen eine andere Verankerung als die sogenannten Silowiki ...
sueddeutsche.de: ... das sind die einflussreichen Ex-Agenten im Kreml ...
Schockenhoff: ... aber er wird sich emanzipieren und vor allem in der Außenpolitik die Richtlinien bestimmen. Medwedjew weiß sehr genau, dass er den Westen für seine Modernisierungspläne braucht. Deswegen sollten wir ihm bei seinen Bemühungen unterstützen. Das liegt im gemeinsamen Interesse und nützt auch uns.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie sich das deutsch-russische Verhältnis verbessern lässt und weshalb neben den Werten auch die Wirtschaft wichtig ist.
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Mal ein anderer Aspekt:
In westlichen Ländern warteten einige ja schon in den Startlöchern darauf, dass Putin eine dritte Amtszeit durchsetzt. Blöd gelaufen....
Aber in dieser Hinsicht ist Russland wohl keine Demokratie im Sinne der Volksherrschaft: der Präsident beugt sich dem geltenden Recht und nicht dem Volkswillen, den das Volk hätte ihn gerne ein drittes Mal im Amt gesehen! Mich würde interessieren, welche westlichen Machthaber das ausgeschlagen hätten...
Der Westen freut sich ja und glaubt das gern. Wer bleibt denn sonst? Der Rechtspopulist Schirinowski?! Der wird in Russland gar nicht ernst genommen, denn wählt man aus Spaß oder aus Protest. Kommunist Sjuganow? Den wählen Ältere, die noch an UdSSR hängen, sonst keiner. Ach ja, der Sjuganow wurde ja angeblich auch gehindert. Dann darf ich daran erinnern, dass in Deutschland die Kommunistische Partei in höchster demokratischer Tradition gänzlich verboten ist.
Meine lieben Mitdiskutanten, es ist erstaunlich wie viele Russlandkenner die Süddeutsche lesen und sich das Recht nehmen über das Land und Menschen zu urteilen, das/die niemals erlebt/kennengelernt haben und das niemals tun werden. Es ist immer das Gleiche in den Medien und in den Kommentaren zu lesen und zu hören: diese ach so unmündigen Russen, die nicht mal all die Vorteile unserer Demokratie westlicher Prägung erkennen können. So unterdrückt wie sie sind. Diese Russen, den wir schnellst möglich unsere Werte beibringen wollen und wenn sie sie nicht wollen, na dann haben wir doch genug in Jugoslawien und Irak trainiert. UNO-Mandat braucht man heutzutage auch nicht mehr. Ich persönlich nehme jedem hier im Wohlstand aufgewachsenen das Recht über die Wünsche der russischen Bevölkerung zu urteilen! Ja, die Menschen dort wollen Stabilität, auch auf Kosten einiger Freiheiten. Und ich weiß warum. Ich habe Russland der 90er Jahre erlebt. Es war Chaos, totales Chaos. Der Staat selbst war kaum existent, Staatsmacht war ein Fremdwort. Man wurde beim Tageslicht auf offener Strasse ausgeraubt, in Schulen wurden Lehrer zusammen geschlagen, es gab plötzlich Strassengangs,... Ach ja, ich vergas: der zusammen geschlagene Lehrer und der ausgeraubte Rentner waren ja frei! Sie konnten voll und ganz die Freiheit und die Demokratie der Jelzin-Ära sozusagen am eigenen Leibe erleben! Die Läden waren leer, das Gesundheitssystem brach zusammen (wenn man krank wurde, musste man bei Bekannten, Nachbarn und Verwandten nach Medikamenten suchen und hoffen , dass sie was haben), Löhne wurden monatelang nicht ausgezahlt und und und... Aber wir lebten in einer Demokratie! Hurra! Das ist aber genau die Art Demokratie, die die Russen nicht wollen. Und ich kann sie verstehen. Und deswegen wählen sie Putin und Medwedew. Nicht Nemzov, der mit Jelzin arbeitete. Nicht den amerikanischen Staatsbürger und Nichtrussen Kasparov, den Lieblingsdemokraten des Westens, hinter dem (Kasparow) auch Rechtsradikale und Nationalisten stehen. Möglich, dass die Wahlen manipuliert wurden. Hätte man es nicht getan, dann hätte Medwedew nicht 70% der Stimmen, sondern 69% bekommen. Und wären Kasparow und Nemzow angetreten, hätten sie ihre 3% kassiert. Und das wussten sie. Deswegen war es kluger ihrerseits sich zurück zu ziehen und dabei über Wahlmanipulationen zu schimpfen. D
Liebe user,
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Vielen Dank,
Ihr Moderator
"Im Vergleich zu anderen Staaten, die völlig in ruhe gelassen, teilweise sogar geradezu propagandistisch unterstützt werden, ist Russland noch ein Unschuldslamm."
Wenn Sie jetzt darüber diskutieren wollen, dann kommen Sie bitte zum Punkt und lassen es nicht bei allgemeinen Floskeln.
Paging