Prügelvorwürfe gegen Bischof Mixa gibt Ohrfeigen zu

"Die eine oder andere Watschn kann ich nicht ausschließen": Bischof Walter Mixa räumt nun doch ein, dass er früher als Stadtpfarrer in Schrobenhausen Kinder geschlagen haben könnte.

Der Augsburger Bischof Walter Mixa schließt nicht länger aus, dass er in seiner Zeit als Schrobenhausener Stadtpfarrer Kinder geschlagen hat. "Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschn von vor 20 oder 30 Jahren natürlich nicht ausschließen kann", sagte Mixa der Bild am Sonntag, wie die Zeitung vorab mitteilte.

Bislang hatte er Misshandlungsvorwürfe stets zurückgewiesen. "Das war damals vollkommen normal, und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch", wird Mixa weiter zitiert. Er bedauere dies heute, betonte der Bischof. "Meine Einladung zum Gespräch an die Frauen und Männer, die Vorwürfe gegen mich erhoben haben, bleibt bestehen."

Der Landtagsabgeordnete Franz Maget, der auch der Arbeitsgemeinschaft "Kirche und SPD" in der Münchner SPD vorsitzt, fordert nun einen offenen und aufrichtigen Umgang mit den bekannt gewordenen Verfehlungen Mixas. Nur so könne die Kirche ihre beschädigte Autorität wiederherstellen.

"Der Bischof soll sein Amt ruhen lassen"

Maget dringt darauf, dass der Augsburger Bischof sein Amt zumindest bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe ruhen lässt. Im Vorfeld der Frühjahrsversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in München sagte der Landtagsvizepräsident: "Jeder Bischof hat das Recht, jederzeit sein Amt niederzulegen, davon sollte Bischof Mixa jetzt Gebrauch machen, um weitern Schaden von der katholischen Kirche abzuwenden."

Der oberste Laienvertreter der deutschen Katholiken, Alois Glück, wies Rücktrittsforderungen dagegen als "gegenwärtig grundfalsch" zurück. "Jetzt muss bedingungslose Klarheit geschaffen werden über den tatsächlichen Sachverhalt. Dann kann man sich ein Urteil bilden", forderte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in München. "Ich denke, dass er nicht gut beraten war", fügte Glück hinzu.

"Eine tiefe Arroganz"

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth forderte Mixa zum sofortigen Rücktritt auf. Mixa habe gelogen, Kindern Gewalt angetan und müsse nun "schleunigst" die Konsequenzen ziehen, sagte Roth am Freitag. Andernfalls nehme die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche Schaden. "Wenn er nicht selbst den Schritt geht, fordere ich die Deutsche Bischofskonferenz auf, ihn zum Rücktritt zu bewegen." Roth verlangte von Mixa ausdrücklich den Rückzug aus all seinen Ämtern, auch von seiner Rolle als katholischer Militärbischof.

Der gleichen Meinung ist Ulrike Gote, die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bayerischen Landtag: "Walter Mixa hat sich in seinem Amt völlig untragbar gemacht." Mixa habe auf die Vorwürfe, Heimkinder geschlagen zu haben, schlichtweg gelogen, sagte Grote, die auch religionspolitische Sprecherin ihrer Partei ist. "Damit hat der Bischof den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verspielt."

"Unerträgliche Verharmlosung"

Unerträglich nannte Gote insbesondere die Verharmlosung, die in Mixas Eingeständnis liege: "Offensichtlich findet Mixa auch im Nachhinein seine Watschn so unbedeutend, dass er sich bislang gar nicht daran erinnern wollte. Damit offenbart der Augsburger Bischof eine tiefe Arroganz gegenüber den Opfern, die ihm jede Eignung als Seelsorger abspricht."

Noch vor zwei Wochen hatte Mixa versichert, dass er "zu keiner Zeit körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in irgendeiner Form angewandt habe". Er sprach in diesem Zusammenhang von "einem reinen Herzen". Mixa bestreitet aber weiterhin schwere körperliche Züchtigungen von ehemaligen Heimkindern in Schrobenhausen. Mehrere Opfer hatten ihm in eidesstattlichen Versicherungen vorgeworfen, sie verprügelt zu haben. Solche Prügel habe es "durch mich nie gegeben", sagte Mixa.