Prozess wegen Bestechlichkeit Wulffs Ex-Sprecher räumt Fehler ein

Stehen seit Ende vergangenen Jahres vor Gericht: Olaf Glaeseker (rechts) und der Mitangeklagte Manfred Schmidt

Er selbst steht wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit vor Gericht, nächste Woche soll er im Prozess gegen Christian Wulff aussagen: Mitten in den laufenden Verfahren meldet sich Olaf Glaeseker zu Wort und gesteht Nachlässigkeiten ein.

Hätte er das Ganze doch schriftlich fixieren sollen? Für Christian Wulffs früheren Sprecher Olaf Glaeseker, der sich derzeit wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit vor dem Landgericht Hannover verantworten muss, ist die Antwort auf diese Frage inzwischen klar. "Ich hätte einen Vermerk darüber schreiben sollen", räumte Glaeseker im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel ein.

Einen solchen Vermerk habe er jedoch nicht angefertigt, weil er gewusst habe, dass sein damaliger Chef Wulff über sein enges, freundschaftliches Verhältnis - gegenseitige Besuche und Urlaub auf der spanischen Finca inklusive - zu dem Partymanager Manfred Schmidt informiert war.

Olaf Glaeseker steht seit Dezember 2013 vor Gericht. Ihm wird Bestechlichkeit im Amt als niedersächsischer Regierungssprecher vorgeworfen. Von 2007 bis 2009 soll er geholfen haben, Sponsoren für das Promi-Fest Nord-Süd-Dialog zu finden. Der ebenfalls angeklagte Event-Manager Schmidt soll ihn im Gegenzug zu Urlauben und Flugreisen eingeladen haben.

Zentrale Frage im Prozess

Ob Wulff von den freundschaftlichen Urlaubsreisen seines Vertrauten Glaeseker bei Partyveranstalter Schmidt wusste, ist eine der zentralen Fragen im Prozess. Vor Gericht hatte Glaeseker immer wieder betont, dass der damalige Regierungschef Niedersachsens davon gewusst habe. Der ehemalige Bundespräsident hat dies in den Vernehmungen mit Polizei und Staatsanwaltschaft bislang bestritten. Wulffs Auftritt im Glaeseker-Prozess steht allerdings noch aus: Er soll im Februar in dem Verfahren als Zeuge aussagen.

Für den Nord-Süd-Dialog habe sich Wulff sogar persönlich um Sponsoren gekümmert, berichtete Glaeseker nun dem Spiegel. Als Mitglied des VW-Aufsichtsratspräsidiums habe Wulff außerdem dafür gesorgt, dass eine Sitzung von Wolfsburg nach Hannover verlegt wurde: "Damit möglichst alle Präsidiumsmitglieder, von Piëch bis Wiedeking, am selben Abend am Nord-Süd-Dialog teilnehmen konnten."

Schon in der kommenden Woche kommt es zu einem Aufeinandertreffen zwischen Wulff und Glaeseker im Gerichtssaal: Glaeseker ist am Donnerstag als Zeuge im Prozess gegen Wulff wegen Vorteilsannahme geladen.

Böses Blut sollte es dabei nicht geben. "Ich habe ihm verziehen", sagte der ehemalige Wulff-Vertraute, der von sich selbst sagt, er habe sich immer als "Arbeiter im Weinberg des Herrn" gesehen.