Prozess in Hamburg Lange Haftstrafen für somalische Piraten

Der erste deutsche Piratenprozess seit 400 Jahren ist mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen: Die zehn Piraten, die 2010 den Hamburger Frachter "Taipan" vor der Küste Somalias gekapert hatten, wurden zu Haftstrafen zwischen zwei und sieben Jahren verurteilt.

Das Hamburger Landgericht hat zehn Piraten aus Somalia zu Haftstrafen zwischen zwei und sieben Jahren verurteilt. Die Richter sprachen die Männer wegen Angriffs auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraubs schuldig.

Das Verfahren gegen die zehn Somalier lief seit knapp zwei Jahren, am 105. Verhandlungstag verkündeten die Richter das Urteil. Die Anklage hatte hohe Haftstrafen für die Männer gefordert, die Ostern 2010 den Hamburger Frachter Taipan vor der Küste Somalias gekapert hatten: Zwischen sechs und zwölf Jahre Gefängnis für die sieben erwachsenen Angeklagten, vier bis fünfeinhalb Jahre für die drei jüngsten, die unter das Jugendstrafrecht fallen. Die Verteidiger hatten Freisprüche oder geringe Haftstrafen verlangt.

Die Angeklagten machten nur teilweise von ihrem Recht auf ein letztes Wort Gebrauch. Diejenigen, die sich äußerten, schilderten die chaotische Lage im Bürgerkriegsland Somalia und betonten die Verantwortung, die sie für ihre dort lebenden Familien trügen.

Im Anschluss an die Äußerungen der Beschuldigten kam es zu einem Tumult im Zuschauerraum. Ein Mann versuchte, eine Erklärung abzugeben, und wurde von Justizbeamten aus dem Saal gebracht. Eine weitere Zuschauerin wurde nach lautstarkem Protest des Raumes verwiesen.