Prozess in Düsseldorf Mehr als vier Jahre Haft für deutschen IS-Kämpfer gefordert

Nils D. im Düsseldorfer Gerichtsaal am 20. Januar

(Foto: dpa)
  • Die Bundesanwaltschaft fordert beim Prozess am Oberlandesgericht Düsseldorf für den IS-Kämpfer Nils D. eine Gefängnisstrafe von vier Jahren und neun Monaten.
  • Sie wirft ihm vor, die Brutalitäten der Terrormiliz in Syrien ungerührt mitangesehen und unterstützt zu haben.
  • Zugute hält sie ihm sein umfassendes Geständnis, das zu mehreren Haftbefehlen geführt habe.

Die Bundesanwaltschaft hat für den geständigen Dschihadisten Nils D. aus Dinslaken vier Jahre und neun Monate Haft beantragt. Der 25-Jährige habe der Terromiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen und in Syrien im sogenannten Sturmtrupp der radikalen Islamisten "bis an die Zähne bewaffnet" gedient, sagten die Vertreter der Bundesanwaltschaft vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf.

"Er konnte die Schreie der Gefolterten Tag und Nacht hören und konnte die Folter auch sehen." Doch dies habe D. kalt gelassen. Nach öffentlichen Enthauptungen und Erschießungen sei er ungerührt an abgeschlagenen Köpfen vorbei zum Essen gegangen. Die Leiche eines Folteropfers habe er auf einer Müllkippe vergraben, anstatt sie gemäß den Regeln des Islam der Familie zu übergeben.

Vom Brötchendieb zum Dschihadisten

Nach einer tristen Jugend in Dinslaken wollte er nur "gucken, wie es da so ist": Nils D. erzählt vor Gericht, wie er zum Islamischen Staat nach Syrien kam. Von Kristiana Ludwig mehr ...

Noch nach seiner Rückkehr nach Deutschland habe der 25-Jährige "beunruhigende Lobpreisungen" des IS kundgetan, gab die Bundesanwaltschaft an. Die Gefahr einer erneuten Hinwendung sei keinesfalls gebannt: Gestanden habe er schließlich erst, als die Ermittler eine erdrückende Beweislast gegen ihn zusammengetragen hätten.

Andererseits sei sein umfassendes Geständnis eine "Goldgrube" für die Ermittler: D. hat der Bundesanwaltschaft zufolge Straftaten und Strukturen aufgedeckt und mindestens zwölf Personen belastet. Gegen fünf von ihnen seien dadurch bereits Haftbefehle beantragt oder in Planung. Zudem sei er in der IS-Hierarchie eher am unteren Ende einzuordnen.

Vor einem Jahr in Deutschland festgenommen

Der 25-Jährige Nils D. war vor gut einem Jahr nach seiner Rückkehr nach Deutschland festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, als IS-Mitglied dessen "Kerngeschäft" verrichtet, nämlich die Bevölkerung eingeschüchtert zu haben. Bewaffnet mit Kalaschnikow, Handgranaten und Sprengstoffgürtel habe er mit seinen Komplizen Häuser umstellt und vermeintliche Spione und Deserteure aus den Reihen des IS in die Foltergefängnisse gebracht.

Nils D. hatte sich als junger Mann in Deutschland radikalisiert. Er war Mitglied der "Lohberger Brigade", einer Salafistengruppe, die sich aus Dinslaken-Lohberg nach Syrien absetzte. Über seinen Cousin Philip B., der sich später bei einem Autobombenanschlag in die Luft sprengte, war er in salafistische Kreise geraten.

Der Bundesanwaltschaft zufolge hat er wegen Drogen- und Eigentumsdelikten bereits neun Einträge im Vorstrafenregister. Während seiner Zeit als Terrorist in Syrien stand er unter Bewährung. Das Urteil gegen ihn will das Gericht in einer Woche verkünden.