Von Tomas Avenarius

Das Verfahren gegen den Ex-Diktator dürfte mit dem Todesurteil enden - dem Irak wird das keine Ruhe bringen.

Er selbst sieht sich weiter als "Saddam Hussein al-Madschid, Präsident der Republik Irak" an, und wenn er den Tod am Strang fürchtet, so ist ihm das nicht anzumerken. "Ich bin bis heute Präsident, daran ändert die Besatzung gar nichts", sagte Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein bei der Befragung durch den Vorsitzenden des Sondertribunals. Er soll dem 68-Jährigen vom heutigen Mittwoch an den Prozess machen. Das Verfahren bezeichnete der im Nadelstreifenanzug auftretende Saddam als "Theater". Der eigentliche Verbrecher sei US-Präsident George W. Bush.

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"Ich bin bis heute Präsident": Saddam Hussein. (© Foto: AP)

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Für die amerikanische Regierung kommt der Saddam-Prozess zur rechten Zeit. Der US-Armee gelingt es nicht, die Rebellion der Sunniten niederzuschlagen. Und die Massenvernichtungswaffen, die als Begründung der Bush-Regierung für den Irak-Krieg herhalten mussten, wurden nie gefunden.

Das Verfahren könnte nun das Urteil über den Einmarsch der USA ein wenig korrigieren. Es dürfte nämlich wieder ins Bewusstsein rücken, wie brutal das Regime von Saddam Hussein im Irak gewesen ist. Dies könnte Bushs magere Irak-Bilanz in einem etwas besseren Licht erscheinen lassen. Der US-Präsident hatte sich von Anfang an auf den Standpunkt gestellt, dass der Iraker für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden müsse; Bush fand, Saddam verdiene "eine harte Strafe, die härteste Strafe".

Ein verwahrlost wirkender Mann mit Vollbart

Im Frühjahr 2003 war der Diktator durch die umstrittene Invasion amerikanischer und britischer Truppen aus dem Amt gejagt und am 13. Dezember in einem Erdbunker nahe Tikrit aufgespürt worden. Der verwahrlost wirkende, langhaarige Mann mit dem verfilzten Vollbart erinnerte kaum noch an den selbstbewussten, brutalen Herrscher, der seit der Machtübernahme 1979 unzählige Male vor laufenden Kameras Reden gehalten, Militärparaden abgenommen oder Staatsgäste empfangen hatte.

Besonders gerne hatte sich Saddam in besseren Zeiten in Uniform und mit einer Waffe in der Hand gezeigt: das Sinnbild seiner Macht, die auf Gewalt beruhte.

1968 war er zusammen mit einer Gruppe von Verschwörern durch einen Coup der irakischen Baath-Partei an die Macht gekommen. Unter dem neuen Staatschef und Mitverschwörer Achmed Hassan al-Bakr stieg Saddam zum Geheimdienstchef und Vize-Präsidenten auf und begann seine Terrorherrschaft.

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