Prozess gegen BND-Agenten Datenübergabe im Schlafzimmer

Intrige einer düpierten Ehefrau oder Spionage-Desaster? Ein BND-Agent kommt vor Gericht, weil er seinem schwulen Freund Geheimnisse verraten haben soll.

Von M. Kotynek

Es geht um Geheimnisverrat, eine düpierte Ehefrau, Betrug und eine homosexuelle Beziehung, wenn an diesem Mittwoch der Prozess gegen den Agenten des Bundesnachrichtendienstes Anton Robert K. und seinen Dolmetscher Murat A. vor dem Oberlandesgericht München beginnt.

In der Spionage-Affäre wirft der Generalbundesanwalt K. vor, seinem Liebhaber Murat A. im Kosovo Staatsgeheimnisse verraten zu haben. Der soll die Absicht gehabt haben, diese Daten an organisierte Kriminelle oder an andere Geheimdienste weiterzugeben. Zudem sollen sich beide des Betrugs schuldig gemacht haben.

Anton Robert K. war laut Bundesanwaltschaft von Februar 2005 bis März 2008 - getarnt als Diplomat - an der Deutschen Botschaft in Mazedonien und später auch im kosovarischen Pristina beschäftigt. Er war für die Kontaktaufnahme zu lokalen Informanten des BND zuständig. Von seinen Treffen mit den Geheimdienstquellen hat K. Berichte angefertigt.

Solche Berichte soll der 42-Jährige seinem Dolmetscher Murat A. zugänglich gemacht haben. Ohne das Wissen des BND sollen die beiden Männer seit dem Jahr 2005 eine Beziehung geführt und in Pristina auch einige Zeit hindurch zusammengelebt haben. Dabei soll der heute 29-jährige A. Zugang zu mehreren geheimen Dokumenten gehabt haben - teils, weil K. die Dateien auf dem Laptop seines Freundes gelesen haben soll, teils, weil K. ihm Informationen im Schlafzimmer überlassen oder erzählt haben soll.

Nicht nur bloße Neugier

So soll der Dolmetscher auch Dokumente eines befreundeten Geheimdienstes sowie Informationen zur Personalstruktur des BND erfahren haben. Dadurch musste der BND den Kontakt zu 19 Quellen abbrechen. Der Dolmetscher soll sich die Erkenntnisse aber nicht aus bloßer Neugier verschafft haben. Laut den Ermittlungen habe er Kontakte zur organisierten Kriminalität gehabt und sei auch inoffizieller Mitarbeiter eines ausländischen Geheimdienstes gewesen. Er soll geplant haben, die Informationen weiterzugeben. Darüber hinaus sollen sich die beiden durch mindestens 17 falsche Abrechnungen eine zusätzliche Einkommensquelle verschafft haben.

Rechtsanwalt Christian Stünkel nennt die Vorwürfe gegen seinen Mandanten Murat A. "völlig haltlos". Dolmetscher hätten zwangsläufig Kenntnis über das Gespräch, das sie übersetzten. "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass mein Mandant Informationen weitergegeben hat." Aufgeflogen ist die Affäre, weil die Ehefrau von K. den BND auf die Beziehung des Agenten mit Murat A. hingewiesen hatte. Das Gericht wird nun klären müssen, ob es um eine Intrige einer düpierten Ehefrau oder um ein Spionage-Desaster des BND geht. Bis Mitte März sind 27 Verhandlungstage anberaumt.