Die lachende Sonne ist das bekannteste Protestlogo der Welt. Nun erlebt sie auf den Demos gegen den Atomkompromiss ein Comeback.
Und plötzlich ist sie wieder da, auf Plakaten, Aufklebern und Fahnen von Anti-Atomkraft-Demonstranten: die lachende rote Sonne auf gelbem Grund, umrahmt von den Worten: "Atomkraft? Nein danke." Auch Claudia Roth, deren Partei am meisten vom Widerstand gegen die geplante Laufzeitverlängerung profitiert, hat sie sich bei einer Kundgebung vor dem Kanzleramt an die Jacke gesteckt.
Bild vergrößern
Es gibt nicht nur Aufkleber und Fahnen mit der lachenden roten Sonne, sondern auch Luftballons, Armbänder, Frisbees und sogar Cappuccino-Schablonen. (© dpa/dpaweb)
Anzeige
Fast fühlt man sich an alte Zeiten erinnert, an Vollkornkuchen, Palästinenser-Tücher und Tschernobyl-Gedenkmärsche. "Die lachende Sonne ist natürlich voll Achtziger", sagt auch Jochen Stay. Er ist Sprecher der Organisation "Ausgestrahlt", die übers Internet den "Atomkraft? Nein danke"-Aufkleber in Deutschland vertreibt. Vor zwei Jahren sind die Atomkraftgegner auf die Idee gekommen, das alte Logo mit der lachenden Sonne zu reaktivieren.
Auslöser dafür war ein provozierendes Titelbild auf dem Spiegel. "Darauf sah man das Logo im Wasser versinken, nur die halbe Sonne und der Schriftzug "Atomkraft?" waren noch zu sehen", erinnert sich Stay. In der Titelgeschichte war vom Untergang der Anti-Atomkraft-Bewegung die Rede und von einer Rückkehr zur Kernenergie. "Einerseits hat uns das natürlich geärgert", erzählt Jochen Stay, "aber auf der anderen Seite dachten wir: Wenn das Logo so bekannt ist, dass der Spiegel es verwendet und davon ausgeht, dass jeder weiß, worum es geht - dann sollten wir es wiederbeleben."
Die Nachfrage nach der lachenden Sonne ist seitdem kontinuierlich gestiegen, 20 bis 30 Bestellungen pro Tag waren es im Durchschnitt in diesem Jahr, darunter viele Großbestellungen. Bis zu dieser Woche. Am Montag, dem Tag nach dem Atomkompromiss, gingen 99 Bestellungen bei Ausgestrahlt ein, am Dienstag waren es schon 181. "Aber keine Sorge, wir haben vorgesorgt", sagt Jochen Stay. Neben den klassischen Aufklebern gibt es auch Fahnen, Armbänder, Frisbees und sogar Cappuccino-Schablonen mit der roten Sonne.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Atomkompromiss RSS
- Atomkompromiss Stadtwerke erwarten Milliardenverluste 07.09.2010
- Koalition pro Atomstaat Die Öko-Propaganda der Angela Merkel 07.09.2010
- Atomkompromiss Verstrahlt 07.09.2010
- Atom-Geschenke Röttgen - gut gebrüllt und doch gekuscht 07.09.2010
- Atomdebatte: Wohin mit dem atomaren Abfall? Müll für Millionen Jahre 08.09.2010
Bilder des Tages
ran-Munition: Denn sie wissen genau, was sie tun!
Lesen Sie hier unterdrückte Hintergrund-Informationen zum Balkan-Syndrom, die ein erhellendes Licht auf die Diskussionen um die Gefährlichkeit von Uran-Munition werfen. Längst kalter Kaffee ist für Dr. Asaf Durakovic die heiße Kontroverse um das sogenannte Balkan-Syndrom. Damit meint man im Kosovokrieg eingesetzte NATO-Soldaten, die plötzlich an Krebs erkranken. Der amerikanische Arzt war einst Oberst und Kommandant einer Sanitäter-Einheit im Golfkrieg von 1991. Er war auch Professor für Radiologie und Nuklearmedizin an der Georgetown Universität von Washington. Heute lebt er nicht mehr in den USA, weil man ihm dort mit dem Tod gedroht hatte, falls er seine Forschungen über das Golfkrieg-Syndrom weiterführe. Bereits kurz nach dem Golfkrieg geriet Dr. Durakovic erstmals unter „politischen Druck" von US-Behörden. Er sollte seine Forschung beenden, weil damals die Existenz eines Golfkrieg-Syndroms offiziell bestritten wurde. Das war vor zehn Jahren. Seit damals hat der Mediziner handfeste Beweise für die Gefährlichkeit der im Golfkrieg und im Kosovo erneut eingesetzten Urangeschosse vorliegen und an die Behörden weitergegeben. Die umstrittene Munition enthält abgereichertes Uran, ein Nebenprodukt aus der industriellen Wiederaufbereitung von Atomabfällen. Man ummantelt Geschosse mit diesem Uran, weil sie dann selbst schwere Panzerungen durchschlagen können.()
1991 wurden 24 kranke US-Soldaten ins Militärspital von Wilmington (Delaware) eingeliefert. Sie hatten ohne Schutzanzüge amerikanische Panzer repariert, welche versehentlich von alliierten DU-Geschossen getroffen worden waren. Dr. Asaf Durakovic leitete die Untersuchungen. Sie ergaben, daß 14 der 24 Veteranen radioaktiv verseucht waren und Zerfallsprodukte von strahlendem Uran im Körper aufwiesen.„Uran ist gefährlich. Es verursacht Krebs. Uran ruft Mutationen hervor. Uran tötet." Der Radiologe Asaf Durakovic warnt eindringlich: „Wenn wir mit der unverantwortlichen Vergiftung der Biosphäre fortfahren und die Tatsache weiterhin leugnen, daß Menschenleben durch das tödliche Isotop Uran bedroht sind, erweisen wir uns selbst einen Bärendienst. Wir verraten die Wahrheit, wir verraten Gott und alle Generationen, die uns folgen werden."
Es ist Wahnsinn, nach den Problemen mit Iran nun auch erstmals Reaktoren nach Libyen, Algerien, Marokko, Saudi Arabien, Dubai und Kasachstan liefern zu wollen. Aber die Atomindustrie sucht verzweifelt nach Absatzmärkten für neue AKW, um die Technologie am Leben zu halten. Denn in OECD-Ländern sind seit Jahrzehnten keine neuen AKW gebaut worden. Aber so verknappt sich das Uran noch schneller.
Verläuft der Uran-Handel getrennt zwischen militärischem und zivilem Bereich?
Im Gegenteil: In den Abrüstungsverträgen mit den Russen haben sich die USA das Uran aus Sprengköpfen gesichert. Die USA befeuern heute bereits ein Drittel ihrer AKW mit Uran aus alten Sowjetwaffen. Aber der Vertrag läuft 2013 aus, und die USA bemühen sich krampfhaft um einen Folgedeal mit den Russen. Ihre Uran-Abhängigkeit macht sie außenpolitisch erpressbar. Zum Beispiel zogen sie die Pläne von George W. Bush wieder zurück, einen Raketenabwehrschirm in Osteuropa aufzustellen, als die Russen drohten, dann wieder atomar aufzurüsten. Das hätte die US-Uranversorgung massiv gefährdet.Quelle FR
Zur Person:
Astrid Schneider (Grüne) gehört als Solararchitektin zum wissenschaftlichen Beirat der parteinahen Energy Watch Group und ist Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Energie ihrer Partei.
Als Autorin und Mit-Herausgeberin des Buchs „Störfall Atomkraft“ (VAS-Verlag 2010) hat sie sich mit der globalen Uran-Versorgung und der Vermischung von ziviler und militärischer Nutzung der Atomkraft beschäftigt. Seit 2009 sitzt sie im Berliner Abgeordnetenhaus. sgey
„AKW-Exporte sind Wahnsinn“
Astrid Schneider gehört als Solararchitektin zum wissenschaftlichen Beirat der Energy Watch Group und ist Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Energie der Grünen. Im Interview erklärt sie, wie Atomstrom und -bombe verbunden sind.
Frau Schneider, zum 65. Jahrestag des Atombomben-Abwurfs auf Nagasaki fordern Aktivisten eine Verschärfung des Atomwaffensperrvertrags. EU und USA haben gerade die Sanktionen gegen den Iran verschärft, um ihn vom Bau der Atombombe abzuhalten. Wie nah sind wir einer Welt ohne Nuklearwaffen?
Wir sind davon weit entfernt. Der Fall Iran zeigt es: Sobald ein Staat Atomtechnik hat, wird die Kontrolle fast unmöglich, ob er Atombomben baut. Der Uranmarkt ist komplett verdeckt, weil er allein zwischen Staaten und großen Energiekonzernen läuft. Jede Erkenntnis, was Länder wie der Iran mit dem Uran anstellen, kommt nur von Geheimdiensten. Es entzieht sich der demokratischen Kontrolle, ob ein Staat die Bombe baut – auch wenn das zum Kriegsgrund wird. Wer eine atomwaffenfreie Welt will, muss auch die zivile Nutzung der Atomkraft beenden.
Jeder Staat mit Atomkraftwerken kann Atomwaffen bauen?
Ja, wer die volle Breite der Atomtechnik von Brennstoffherstellung bis zu AKW und der Verwendung abgebrannter Brennstäbe in der Hand hat, ist in der Lage, Atomwaffen herzustellen. Also bislang alle Atomländer: Deutschland, Frankreich, England, China, USA, Russland, Indien, vermutlich auch Israel. Denn die Kette der Atomkraft beginnt mit der Anreicherung von Uran. Für Brennstäbe wird die Konzentration von spaltbarem Uran im Natur-Uran auf drei bis fünf Prozent angereichert, für Atombomben braucht man etwa 90 Prozent. Wenn ein Staat das aufwendige Anreicherungsverfahren beherrscht, ist schwer zu kontrollieren, wie hoch er sein Uran anreichert.
Der Westen müssten den Handel mit Uran unterbinden und nur fertige Brennstäbe liefern?
Das wird diskutiert. Es ist noch komplizierter: Die abgebrannten Brennstäbe aus den AKW enthalten Plutonium, das sich noch besser zum Atombombenbau eignet als Uran. Während es schwer ist, Uran hoch anzureichern, lässt sich Plutonium leicht aus abgebrannten Brennstäben lösen.
Aber Länder wie Iran pochen darauf, dass die Atommächte sich im Sperrvertrag zum Technologietransfer verpflichtet haben.
Das macht die Lage so schwer. Es ist Wahnsinn, nach den Problemen mit Iran nun auch erstmals Reaktoren nach Libyen, Algerien, Marokko, Saudi Arabien, Dubai und K
ganz einfach, die Gegner verwenden den Begriff Atomkraft, weil dadurch die Assoziation zu Atombombe leichter fällt. Der technisch richtige Begriff ist natürlich Kernkraft, weil der Kern gespalten wird und nicht das Atom. Anfangs gabs glaub ich den Begriff Kernkraft gar nicht so oft, genau wie die Gegener
Die Transmutation von radioaktivem Abfall wollen Forscher aber in industriellem Maßstab realisieren. Im Prinzip könnten sie ihn dazu als Brennstoff in einen Reaktor des Typs „Schneller Brüter“ stecken, denn in ihm entstehen die benötigten schnellen Neutronen.Trotzdem bleibt bei vielen Menschen ein ungutes Gefühl, weil niemand eine hundertprozentige Sicherheit von geologischen Lagerstätten über Zeiträume von Hunderttausenden von Jahren hinweg garantieren kann. Und so erscheint es verlockend, die langlebigen Strahler anderweitig loszuwerden. Die Idee dazu klingt einfach: Man müßte das eine Prozent Plutonium und Co. aus den alten Brennstäben herausholen, in konzentrierter Form zu neuen verarbeiten und dann mit schnellen Neutronen beschießen. Das sind jene Teilchen, die zusammen mit Protonen den Atomkern der Elemente bilden.
Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace, würde aus Sicherheitsgründen eine ordentliche Endlagerung bevorzugen, zumal auch nach der Transmutation noch Atommüll übrig sei. Allerdings müsse man die Suche nach einem Endlager in Deutschland noch einmal ganz neu beginnen, mit einem Verfahren, das unter der rot-grünen Regierung entwickelt wurde. Vor allem befürchtet Breuer einen wachsenden Bedarf an Kapazitäten zur Wiederaufbereitung und damit eine steigende atomare Belastung: „Hier beseitigt man nicht nur Probleme, sondern schafft sich gleichzeitig neue.“
Die Geister die ich rief...
Nach Schätzungen französicher Forscher würde sich Atomstrom um rund zwanzig Prozent verteuern,wenn die Müllentsorgung durch Transmutation in den regulären Kraftwerksbetrieb integriert würde!
Paging