Als "lächerlich" haben chinesische Politiker die Demonstranten am Wochenende verhöhnt. Doch die Proteste legen Chinas größte Schwäche offen: Trotz aller Erfolge traut die kommunistische Führung dem eigenen Volk nicht.
Chinas Kampf gegen das arabische Virus dauert noch an, doch eine erste Zwischenbilanz ist bereits möglich. Sie offenbart Stärken wie Schwächen. Zunächst fällt die kühle Präzision auf, mit der ein starker Polizeistaat etwaige Proteste im Keim erstickt. Dies scheint alle Träume von einem demokratischen China in eine sehr ferne Zukunft zu verbannen. Sind nicht nur sehr wenige Chinesen dem anonymen Aufruf im Internet zu einer "Jasmin-Revolution" gefolgt? In Shanghai sollen es am Samstag lediglich hundert Menschen gewesen sein. Als Performance-Künstler und "lächerlich" haben chinesische Politiker die Protestler verhöhnt.
Zusammenstöße in Hong Kong
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Doch gleichzeitig hat die arabische Revolution auch Chinas größte Schwäche offengelegt. All das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre, das Chinas kommunistische Führung als neue Legitimation ihrer Macht beschwört, hat ihr nicht die Angst vor dem eigenen Volk nehmen können. Die rote Republik bleibt ein Land, dessen Deputierte in der Halle des Volkes vor dem eigenen Volk beschützt werden müssen. Es bleibt damit für ausländische Geschäftsleute ein Staat, in dem bei jeder Investition ein politisches Risiko einkalkuliert werden muss.
Es ist auffällig, wenn die Strategen des Staates jetzt auf dem Nationalen Volkskongress vor der Inflation und vor größerer sozialer Ungleichheit warnen. Warum diese Nervosität einer Führung, die doch unbestreitbare Erfolge bei der Modernisierung eines riesigen Landes hat? Die im Kampf gegen Armut im Milliarden-Volk vorankommt? Warum diese Unverhältnismäßigkeit der Mittel, wenn es darum geht, die Stabilität zu wahren? Als kürzlich im Internet zu Demonstrationen vor einem amerikanischen FastFood-Restaurant in der Pekinger Innenstadt aufgerufen wurde, hatten die Männer von der Staatssicherheit - das sind die mit den Knöpfen im Ohr - schon alle Fensterplätze in dem Etablissement besetzt. Sie bissen in ihre Hamburger, bevor die Handvoll von Demonstrierwilligen überhaupt auftauchte.
Warum müssen ausländische Korrespondenten geschlagen, in Seitengassen oder in die Lobby der Bank of China gezerrt werden, wie es mehreren passiert ist? Warum muss ein US-Kameramann von fünf chinesischen Beamten der Staatssicherheit ins Gesicht geschlagen werden, wenn er um Hilfe schreiend am Boden liegt?
Die Journalisten waren gekommen, um zu beobachten. Und sie hätten sicherlich auch über das Fehlschlagen der "Jasmin-Revolte" berichtet. Wovor also hat Chinas Führung unter Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao so große Angst, dass sie solche Brutalitäten nicht nur duldet, sondern sie anschließend durch ihre Sprecher auch noch rechtfertigen lässt? Eine Antwort ist, dass Chinas beeindruckendes Wachstum, das ihm immer mehr ausländische Schmeichler einbringt, zugleich mit gewaltigen Ungerechtigkeiten einhergeht.
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Ich bin sicher, die Chinesen werden uns eine günstige Finanzierung anbieten ;-)
Vielleicht können wir dann kostengünstig gebrauchte Fahrräder aus China importieren.
Es ist ganz einfach: die erste Generation macht die Revolution, die zweite Generation läuft noch mit, die dritte Generation läuft davon.
Dagegen hilft auch Gerede wie "Kader sind gut, nur die Kader sind korrupt". Und da hilft auch kein langsames Ansteigen des Wohlstandes in Städten, schon gar nicht, wenn der Zuzug in Städte durch Polizei und Lebenskosten begrenzt wird. Letztlich könnten es die Chinesen ganz einfach machen: sie müßten sich nur an die Gesetze halten! Denn die Wanderarbeiter die erst die Städte bauen, gelten in China als illegal und kriminell. Aber ohne die Wanderarbeiter kollabiert China - denn es beschränkt sich auf die Städte.
China blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Liberale Tendenzen, oder demokratische Gedanken - gehörten nie zu dieser - China hat seiner eigenen Bevölkerung immer schon misstraut und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Die "zarten" Revolutionen, treffen nur auf einen kleinen Teil, dieser so großen Bevölkerung zu. Sicher, diese werden durch westliche Medien aufgegriffen und diese Berichterstattung lässt die Parteikader auch nervös werden, doch der überwiegende Teil der Bevölkerung bekommt davon nichts mit. In den Provinzen herrschen andere Zustände. Dennoch; Chinas Wachstum führt zu einer Mittelschicht und diese wird wiederum Zugang zu modernen Kommunikationsmitteln finden. Diese folgenden Generationen werden neue Forderungen haben. Diese Generationen werden den Reformprozess einleiten. Doch China wird, wie immer in seiner Geschichte, seinen eigenen Weg gehen.
Wenn jeder Chinese, der jetzt ein Fahrrad sein eigen nennt, in Zukunft Mofa fährt, bleibt für uns kein bezahlbarer Sprit übrig.
Paging