Proteste in Libyen Schlacht um jede Stadt

Libyen droht ein langer Bürgerkrieg: Regierungstruppen und Aufständische kämpfen erbittert um strategisch wichtige Städte. In Misrata fordern die Gefechte offenbar viele Tote. Die Ereignisse im Nachrichten-Ticker.

Die Lage in Libyen wird immer unübersichtlicher: Anhänger von Machthaber Muammar al-Gaddafi fahren mit wehenden Fahnen im Autokorso durch Tripolis und feiern mit Freudenschüssen vermeintliche Siege über die Aufständischen. Die Oppositionellen widersprechen den Erfolgsmeldungen - sie wollen zahlreiche Städte zurückerobert haben. Staatschef al-Gaddafi meldet sich derweil in einem Interview zu Wort - und betont, einen Krieg gegen den Terrorismus zu führen. Ein Team aus britischen Diplomaten und Soldaten einer Spezialeinheit ist unterdessen wieder freigelassen worden. Die Gruppe war in einem von Rebellen besetzten Gebiet von Gaddafi-Gegnern festgehalten worden. Verfolgen Sie die Ereignisse im Nachrichten-Ticker.

Ungleicher Kampf: Mit Panzerfäusten versuchen bewaffnete Aufständische in der Hafenstadt Ras Lanuf Gaddafis Kampfflugzeuge abzuwehren.

(Foto: AFP)

14:24 Uhr

Auch in Bin Dschawad ist es an diesem Sonntag zu Gefechten zwischen Regierungsanhängern und Aufständischen gekommen. Der arabische Fernsehsender al-Dschasira berichtete von mehreren Toten unter den Rebellen. Berichten zufolge haben Regierungstruppen die Stadt wieder zurückerobert.

15:19 Uhr

Widersprüchliche Angaben gibt es auch zur Lage in der strategisch wichtigen Hafenstadt Ras Lanuf: Der Gaddafi-treue Fernsehsender "El Libya" meldete, Ras Lanuf sei unter Kontrolle der Regierung. Die Truppen rückten nun auf Bengasi vor. Am Sonntagmorgen flog die Luftwaffe zwei Angriffe auf Posten der Aufständischen in Ras Lanuf, wobei nach Angaben der Gaddafi-Gegner jedoch niemand verletzt wurde. Auch nach Beobachtungen von AFP-Reportern in Ras Lanuf ist die Stadt weiter in Hand der Aufständischen.

16:43 Uhr

Unter dem Vorsitz von Ex-Justizminister Mustafa Abdel-Jalil erklärte sich der oppositionelle "Nationalrat" auf seiner ersten Sitzung in Bengasi zum "einzigen Repräsentanten Libyens". Zum Außenbeauftragten wurde Ex-Außenminister Ali Abdelasis el-Issawi bestimmt. Er soll sich nun um die internationale Anerkennung des Nationalrates bemühen. In Twitter treten die Oppositionellen nun offenbar unter dem Namen @LibyanTNC auf.

17:05 Uhr

Wie der arabische Fernsehsender al-Dschasira erfahren haben will, wird der UN-Sicherheitsrat Portugal die Führung des Sanktionskomittees gegen Libyen überlassen. Portugals Botschafter, Jose Moraes Cabral, soll demnach am Dienstag als Leiter des Komittes benannt werden. Zuvor hatte Gaddafi hatte in einem Interview Frankreich ersucht, an die Spitze einer internationalen Kommission zur Untersuchung der Vorgänge in seinem Land zu treten. Im Pariser Journal du Dimanche verlangte er von Frankreich, gegen Libyen gerichtete Entschließungen des UN-Sicherheitsrates durch sein Veto zu blockieren und dafür zu wirken, „die ausländische Einmischung in der Region von Bengasi zu beenden“.

17:47 Uhr

Bei Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungssoldaten in der Stadt Misrata sind einem Krankenhausarzt zufolge mindestens 18 Menschen getötet worden. Es gebe viele Verletzte, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Regierungstruppen hatten offenbar die von Rebellen gehaltene Stadt rund 200 Kilometer östlich von Tripolis angegriffen - und dabei auch Panzer und Artillerie eingesetzt, wie ein Augenzeuge berichtet. Klinikärzte in der Hafenstadt Ras Lanuf berichteten von zwei Toten und 22 Verletzten, mehrere davon hätten schwere Wunden. Ein französischer Fotograf erlitt offenbar eine Schussverletzung am Bein.

18:17 Uhr

Die USA und ihre Verbündeten sollten nach Ansicht von US-Senator John Kerry eine Flugverbotszone über Libyen vorbereiten. Ohne eine internationale Einigung sollte ein Flugverbot aber nicht in Kraft treten, sagte der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Beziehungen im US-Senat dem Fernsehsender CBS. Außerdem sollte ein Vorgehen gegen die libysche Luftwaffe nur als Reaktion auf Angriffe auf Zivilisten vonseiten der regimetreuen Truppen in Erwägung gezogen werden. Auch der von den Regimegegnern in Bengasi gebildete Nationalrat rief die internationale Gemeinschaft auf, eine Flugverbotszone in Libyen einzurichten. Skeptisch äußerten sich dagegen am Sonntag US-Verteidigungsminister Robert Gates und Obamas Stabschef, Bill Daley.

18:39 Uhr

Der oppositionelle "Nationalrat" meldet, dass alle Städte im Osten Libyens befreit bleiben. Das berichtet Reuters.

18:56 Uhr

Das von Aufständischen in Libyen festgehaltenes Diplomatenteam aus Großbritannien ist laut BBC wieder frei. Das meldet die Nachrichtenagentur AP. Die Männer hätten Bengasi am Sonntagmachmittag verlassen. Demnach handelt es sich offenbar unter anderem um sechs Soldaten einer Spezialeinheit, die Diplomaten begleiteten. Nach Angaben von Verteidigungsminister Liam Fox sollte das Team im Osten Libyens Kontakt zu Regimegegnern aufnehmen. Zu Berichten, wonach die Männer von Gegnern des libyschen Staatschefs Muammar al Gaddafi festgehalten wurden, äußerte sich Fox nicht.

20:35 Uhr

Der maltesische EU-Kommissar John Dalli hat sich für seine Gaddafi-freundlichen Äußerung entschuldigt. Er bedaure es, wenn seine Äußerungen "den falschen Eindruck erweckten, dass ich nicht die von Präsident Barroso kommunizierte Position zur Lage in Libyen vom Mittwoch, den 2. März unterstütze“, erklärte Dalli. Der EU-Gesundheitskommissar hatte am Freitag bei einem Wirtschaftsforum gesagt: „Ich denke nicht, dass ich oder irgendjemand sonst das Recht hat, sich in die Position von Oberst Gaddafi einzumischen."

20:51 Uhr

Aufständische sollen Zivilisten als menschliche Schutzschilder benutzen. Das zumindest meldete das libysche Staatsfernsehen unter Berufung auf militärische Quellen. Allerdings wurde nicht berichtet, auf welche Städte sich die Angaben beziehen.

21:37 Uhr

Das im Osten Libyens von Rebellen festgehaltene Diplomatenteam aus Großbritannien hat das Land wieder verlassen. Die Gruppe sei auf Schwierigkeiten gestoßen, sagte der britische Außenminister William Hague. Die Probleme seien aber gelöst worden. Medienberichten zufolge waren die Briten bewaffnet gekommen - und hatten damit die Aufständischen verärgert. Ein BBC-Korrespondent in Bengasi bezeichnete die Aktion als „beschämende Fehleinschätzung“. Nun will Großbritannien demnächst eine neue Delegation ins Land schicken, um Anführer der Aufständischen zu treffen, sagte Hague.

22:58 Uhr

Die UN hat von Gaddafi den sofortigen Zugang zu den Opfern von Bombenangriffen in der Stadt Misrata verlangt. „Die Hilfsorganisationen brauchen jetzt einen Not-Zugang“, hieß es in einer Erklärung der UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. In der Stadt 150 Kilometer östlich der libyschen Hauptstadt Tripolis gebe es Menschen, die verletzt seien und im Sterben liegen. „Ich rufe die Behörde auf, den Zugang ohne Aufschub zu erlauben, um es den Helfern zu ermöglichen, Leben zu retten“, sagte Amos. Sie sei „sehr beunruhigt“ über die aktuellen Geschehnisse im Westen Libyens. Ein Bewohner von Misrata und ein Aufständischer sagten der Nachrichtenagentur AFP, die drittgrößte Stadt Libyens sei unter der Kontrolle der Aufständischen, Gaddafis Truppen hätten aber eine Offensive mit schweren Waffen gestartet.