Der gefilmte Tod von Neda Soltani zeigt: Das Regime in Teheran hat die Kontrolle über die Bilder verloren. Die Twitter-Revolution hat in Iran eine ähnliche Wirkung wie die Fernsehberichte aus dem Vietnamkrieg für die USA.
Nun hat die Revolte einen Namen: Neda. Es ist unmöglich, das Internetvideo von Neda Soltani nüchtern und objektiv anzusehen, die kurze Sequenz, in welcher der Vater der jungen Frau und ein Arzt versuchen, das Leben der 26-jährigen Iranerin zu retten, die am vergangenen Samstag auf einer Straßenkreuzung in Teheran niedergeschossen wurde. Sie beginnt zu bluten, verliert das Bewusstsein. In diesen Sekunden oder kurze Zeit später ist sie gestorben.
Die Revolution hat einen Namen bekommen: Menschen demonstrieren in den Straßen Teherans nach dem Tod von Neda Soltani. (© Foto: AFP)
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Niemand kann sagen, ob sie ins Kreuzfeuer geraten ist, oder ob sie gezielt erschossen wurde. Sicher ist nur, dass sie eine Unbeteiligte war. Kurze Zeit später war die Sequenz im Internetportal Youtube zu sehen. Seither verbreitet sich das Video vor allem über den Kurznachrichtendienst Twitter in alle Welt.
Das Video von Neda ist nicht der einzige bewegende Kurzfilm, den die Twitter-Nachrichten verlinken. Unter dem Titel "Student dies after police shooting in Isfahan's students' dorm" sieht man das Sterben eines jungen Mannes, das noch dramatischer ist, als die Sequenz mit Neda. Und die Aufnahme "Students shot in front of a camera" zeigt, wie mutig die jungen Iraner sind. Da bewerfen sie ein Gebäude mit Steinen, Schüsse fallen, die Menge flieht, ein junger Mann fällt getroffen aufs Pflaster. Sekunden später eilen ihm schon Freunde zur Seite, schütteln die Fäuste in Richtung Gebäude.
Für Iran hat die sogenannte Twitter-Revolution eine ähnliche Wirkung, wie die Fernsehberichte aus dem Vietnamkrieg für die USA und ihre westlichen Alliierten. Weil die Machthaber die Kontrolle über die Bilder verloren haben, gewinnt der Widerstand in der Gesellschaft nicht nur an Bedeutung, es formiert sich auch eine weltweite Solidaritätsbewegung.
Der Vietnamkrieg hat einen gesellschaftlichen Wandel ausgelöst, der die gesamte westliche Welt erfasste und in den Staaten des Warschauer Pakts die Keimzellen für die Umwälzungen von 1989 legte. Es ist schwer zu sagen, was die Unruhen in Iran für den Rest der Welt bedeuten, was die Revoltierenden und die Solidaritätsbewegungen verändern werden und wo. Die Rezeption der Unruhen in Europa und Amerika erzählt jedenfalls mehr über uns, als über die Situation in Iran.
Es sind ja nicht nur Empörung und Betroffenheit, die die Videos auslösen. Eine Sehnsucht wird hier angesprochen, Teil einer gesellschaftlichen Bewegung zu werden, in der sich Relevanz und Wirkung von 1968 wiederfinden. Und so ertappt man sich dabei, dass man im Netz vor allem nach den Parallelen greift, die man zwischen den gesellschaftlichen Bewegungen um das Jahr 1968 herum in Europa und Amerika und den aktuellen Unruhen in Iran nur ziehen kann.
Die Bilder vom Vater und dem Arzt, die neben der sterbenden Neda knien, erinnern an das Bild von Friederike Hausmann, die neben dem sterbenden Benno Ohnesorg kniet, und an das Bild der weinenden Mary Ann Vecchio, die auf dem Gelände der Kent State University neben dem sterbenden Studenten Jeffrey Glenn Miller kniet.
Solidarität mit einem Klick
Und handelt es sich bei den Aufständischen in Iran nicht um eine junge Generation, die den gesellschaftlichen Wandel nicht zuletzt dadurch erzwingen könnte, weil sie ein neues, relevantes Jugendmedium beherrscht? 1968 war das relevante neue Medium die Rockmusik. Heute sind es die Social Media des Internets, Facebook, Twitter und die Blogs.
Selbst der Generationenkonflikt scheint sich zu ähneln. 1968 erhob sich eine Jugendkultur aus der Sicherheit des Wohlstandes gegen eine Generation, die in den Ländern der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg als "Greatest Generation" gefeiert und nur in Deutschland und Österreich als Generation des Dritten Reiches aus dem Bewusstsein geschwiegen wurde.
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Müll an der Isar
Das stimmt, Funkfux. Die iranische Sicherheitspolizei benützt keine scharfe Munition.
Allerdings gibt es auch keine westlichen Geheimdienste.
Und die Sonne dreht sich um die Erde, die wo eine Scheibe ist.
Ich habe dargelegt, dass der Vergleich von 1968 zum Wahlbetrug im Iran hinten und vorne hinkt.
Die einzige Gemeinsamkeit ist das Menschen für ihre Interessen aufgestanden sind und danach endet es auch schon.
Oder glauben Sie allen ernstes das irgendwer hier nachhaltige Repressionen fürchten musste? Oder gar um sein Leben? Oder jahrelange Haftstrafen, für nichts als zur flaschen Zeit am falschen Ort zu sein?
Das alles ist nicht gegeben!
Ich bedauere ihnen die Illusion nehmen zu müssen, dass die 1968 mehr opfern mussten als ihre Vorlesungsstunden.
Wie sehr die Scheinwelt der 1968 bröckelt dürfen wir schon am Fall Karl-Heinz Kurras bewundern. Dessen Schuss ja die Situation zusätzlich anheizte und das offensichtlich nicht im Auftrag der westdeutschen Staatsmacht!
Wie Ihre persönliche Meinung über mein Wissen oder Unwissen aussieht ist ihre persönliche Angelegenheit
"1968 hat keine Ahnung von Iran oder Repressiven Systemen "
Das kann ich nicht beurteilen. Wohl aber, dass Sie von 1968 keine Ahnung haben :-)
1968 wird doch hier argh überbewertet.
Wie kompetent diese Generation ist durften wir die letzten 10 Jahre in der Politik bewundern bzw. inkompetent.
1968 wurde gegen keine Diktatur gekämpft
1968 wurden keine Wahlen gestohlen
1968 hat keine Ahnung von Iran oder Repressiven Systemen
Wachen Sie auf!
Agent U.T., Sie verraten Ihren Auftrag, Sie dürfen doch nichts ausplaudern!
Die Zentrale wird sich auf jeden Fall darum kümmern, verlassen Sie sich drauf! Sie werden umgehend zurückbeordert!
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