Ja zur Freiheit, Nein zur Revolution: Viele Iraner scheuen das Engagement in der Opposition. Deren Chancen sind trotzdem gut - auch, weil das Regime einen schweren Fehler gemacht hat.
Auch wenn in den Straßen Teherans noch mehr Blut fließt, so schnell wird das Regime nicht fallen. Breite und mächtige Schichten sind an seinem Bestand interessiert: das Millionenheer der kleinen Pfründner, dem die prügelnden Bassidsch-Milizionäre entstammen, die Revolutionsgarden, denen mittlerweile große Bereiche des Staates und der Wirtschaft gehören.
Schiitische Frauen vor einer Moschee: Viele wollen mehr Freiheit, scheuen aber davor zurück, sich in der Opposition zu engagieren. (© Foto: AFP)
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Sie alle haben Macht und wirtschaftliche Privilegien zu verteidigen und werden diese nicht preisgeben, bloß weil dauernde Unruhen es immer offensichtlicher machen, dass sie die Legitimität und die Beliebtheit beim Volk verloren haben.
Der Protestbewegung fehlen außerdem eine Organisation sowie eine Führung, die von allen anerkannt wird: von kritischen Klerikern wie von den vielen, die sich einen anderen Staat wünschen. Kein Schattenkabinett stünde bereit, das wie in einer Demokratie morgen mit einem fertigen Regierungsprogramm die Macht übernehmen könnte.
Die Furcht vor Chaos und Anarchie, vor nationalem Zerfall hält viele Iraner davon ab, sich mit voller Kraft bei der Opposition zu engagieren. Sie wollen Freiheit und ein besseres Leben, aber überwiegend keine neue Revolution. Stattdessen ist nun ein Abnutzungskrieg in Gang gekommen, der lange dauern dürfte, bei dem aber die Regierung auf Dauer die schlechteren Chancen hat.
Die jetzige Protestbewegung hat mit der islamischen Revolution von 1978/79 gemeinsam, dass sie sich an den Gedenktagen für ihre Märtyrer spätestens alle vierzig Tage neu entzündet. Durch die blutige Niederschlagung einer Demonstration ist die nächste programmiert. Dass das Regime sich an Aschura, dem höchsten schiitischen Trauertag, zur Gewalt entschloss, dürfte sich als schwerer Fehler erweisen.
Sieg der nationalen Idee
Zu keinem anderen Augenblick im Jahr sind die Gefühle der Gläubigen so aufgewühlt und so verletzbar wie beim Gedenken an den Tod des Prophetenenkels Hussein, der im Kampf gegen unrechtmäßige Herrschaft fiel. Die Entfremdung zwischen Machthabern und Regierten ist seit Sonntag erheblich größer.
Die Proteste von heute haben viel mehr Ähnlichkeit mit der Verfassungsbewegung von 1906 als mit der Islamischen Revolution. Auch damals gab es keinen Führer, aber eine tragende Idee für die Mehrheit: Sie einte der Glaube an den nationalen Widerstand gegen die schleichende Kolonialisierung und ihren Vollstrecker, eine korrupte Monarchie.
Die nationale Idee siegte, obgleich sie nicht über moderne Kommunikationsmittel verfügte. Jetzt haben die Iraner 50 Millionen Mobiltelefone, 25 Millionen Internetanschlüsse, und außer einigen ganz Alten können alle lesen und schreiben. Die Karten zwischen Obrigkeit und Volk sind anders verteilt als früher.
Von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, dem schwarzen Mann für das internationale Ansehen Irans, ist in diesem Kontext kaum die Rede. Seine Wiederwahl hatte die Proteste im Sommer entfacht. Gegen sein Regiment richteten die grüne Bewegung sowie die unterlegenen Kandidaten Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi ihren Widerstand.
Chamenei: Zielscheibe des Hasses
Der dissidente Groß-Ayatollah Hussein Ali Montaseri, dessen Beisetzung vor einer Woche zum Katalysator der jüngsten Explosion wurde, hatte Ahmadinedschads Regierung für ungesetzlich erklärt.
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Stockender Kita-Ausbau
1.) Iran ist seit dem Schah-Sturz ununterbrochenen Sanktionen und Embargos ausgesetzt. Wäre dies nicht der Fall, könnte die Regierung dort vielleicht dem Volk etwas anderes als Nationalismus anbieten.
2.) Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet.
3.) "Das die Situation schlechter sei als unter dem Schah", behaupte ich nicht, sondern das Gegenteil.
4.) Des "Antizionismus" lasse ich mich gerne bezichtigen.
5.) Wenn der Westen moralische Autorität haben will, muss er zuerst mal in den Spiegel schauen. Wenn er nicht mehr selbst metzelnd und mordend durch die Weltgeschichte zieht und selbst Achtung für Völker- und Menschenrechte zeigt, dann kann er vielleicht wieder mal mit dem Finger auf Iran, China und sonstwo Zeigen.
6.) Auch mit Deutschland verhält es sich nicht besser. Noch ist ja in der Tanklasterverbombungsaffäre von Kunduz kein Haftbefehl ergangen obwohl hinreichend Tatverdacht auf schwerwiegendste Verstösse gegen deutsches und internationales Recht besteht. Da sprechen wir von etwas mehr als acht Toten.
Weshalb der Iran Sanktionen ausgesetzt ist, ist nicht unklar.Man kann über dir Gründe streiten,aber sein Atomprogramm ist fragwürdig.Und Iran gehört wie Israel,Indien,Nordkorea und Pakistan zu den Staaten, die den Sperrvertrag nicht unterzeichnet haben.Obwohl sie in dieser Beziehung entweder Schwellenländer sind, oder Atomwaffen besitzen.
Das die Situation schlechter sei als unter dem Schah, was wollen Sie uns damit sagen? Und mehr als den Westen durch Suggestiv-Beschuldigungen für die Situation verantwortlich zu machen fällt Ihnen auch nicht ein.Am Ende würzen Sie alles noch mit einer Brise Antizionismus. Leider sehr ungelungen.....
Iran wird problematisch bleiben. Ich empfehle hier mal eine Politik des Wandels durch Annäherung. Es ist unklar, wieso Iran weiterhin Sanktionen und Embargos ausgesetzt ist bleibt unverständlich. Ansonsten sprechen wir hier über interne Angelegenheiten des Landes. Zudem glaube ich nicht, dass die Situation für die Bürger des Landes in irgend einer Form schlechter ist als unter den als "Schah" firmierenden Statthaltern des Westens. Ansonsten freudig weiter mit den Spekulationen wer wohl wie Legitimiität hat und nicht.
Dazu noch der ganze Kram mit der angeblichen iranischen Atombombe, zu der ja selbst von westlichen Geheimdiensten widersprüchliche Angaben kommen. Eine iranische Atombombe ist als Angriffswaffe ungeeignet.
Mir kommt vor, als will sich der Westen mit seinem Propagandaaufwand - auch die Desavouierung des iranischen Regimes wird ja nach Angaben von Ex-US-UN-Botschafters Bolton mit $ 400 unterstützt - nur eine Kriegsentscheidung offen halten.
Wir wären besser beraten bspw. Israel, und damit die weitergehende Belagerung von Gaza (welches ja nicht als "Getto" bezeichnet werden darf) nicht zu unterstützen. Dort leben die Menschen, auch Dank unserer kräftigen finanziellen und diplomatischen Mithilfe, im Dreck.
Moralisch haben wir auf jeden Fall nichts anzubieten.