Proteste in Ägypten Militär in Suez - Todesurteile im Prozess um Fußballkrawalle

Nach den Ausschreitungen mit neun Toten hat die ägyptische Regierung Militäreinheiten nach Suez verlegt. In die ohnehin angespannte Situation fällt ein Gerichtsurteil: Im Prozess um die tödlichen Fußballkrawalle von Port Said im vergangenen Februar hat das Gericht in Kairo 21 Angeklagte zum Tode verurteilt. Zwei Polizisten werden erschossen, als Angehörige der Verurteilten das Gefängnis in der Hafenstadt stürmen wollen.

Bei gewaltsamen Protesten gegen Präsident Mohammed Mursi und seine von den Islamisten kontrollierte Regierung kam es in Ägypten vielfach zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Ägyptens Justiz hat im Prozess wegen der tödlichen Fußballkrawalle von Port Said im vergangenen Februar 21 Angeklagte zum Tode verurteilt.

Militäreinsatz in Suez nach schweren Auseinandersetzungen

Bei den Auseinandersetzungen zum zweiten Jahrestag der Revolution sind mindestens neun Menschen getötet worden. Mehr als 400 weitere wurden nach Angaben von Ärzten und Sanitätern verletzt. Im ganzen Land waren am zweiten Jahrestag der Revolution gegen den früheren Präsidenten Husni Mubarak Tausende auf die Straßen gegangen.

Mursi rief in der Nacht zum Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter zur Ruhe auf und verurteilte die "abscheuliche Gewalt". "Ich fordere alle Bürger auf, ihre Meinung im Sinne der noblen Prinzipien der ägyptischen Revolution friedlich und frei auszudrücken", schrieb der Präsident und kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Gewalttäter an. "Die ägyptischen Behörden werden die Kriminellen jagen und sie vor Gericht bringen", versprach er. Außerdem werde alles getan, "um friedliche Demonstrationen zu sichern und zu schützen". Zugleich drückte Mursi den Opfern der Gewalt sein Mitgefühl aus.

Die schwersten Ausschreitungen gab es am Freitag in Suez. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden neun junge Männer erschossen, als Demonstranten das Gouverneursgebäude in der Kanal-Stadt stürmen wollten. Noch in der Nacht zum Samstag wurden Militäreinheiten mit gepanzerten Fahrzeugen nach Suez verlegt.

Soldaten und mehrere Militärfahrzeuge bewachen laut Augenzeugen und Sicherheitskreisen strategisch wichtige Gebäude wie die Polizeizentrale und den Sitz der Lokalregierung. Der Armee-Einsatz sei nötig geworden, da die Polizei die Kontrolle über die Stadt verloren habe, wurde der Chef der Sicherheitsbehörde von Suez, General Adel Refat, auf der Website des staatlichen Fernsehens zitiert.

Mit Spannung erwartetes Urteil zu tödlichen Fußballkrawallen gefällt

In die ohnehin extrem angespannte Situation fiel das mit Spannung erwartete Urteil im Prozess um die tödlichen Fußballkrawalle von Port Said im vergangenen Februar. Das Gericht in Kairo hat 21 Angeklagte zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde von den Familien der 74 Opfer mit Jubel begrüßt.

In der Hafenstadt Port Said dagegen versuchten Angehörige der Verurteilten, das Gefängnis zu stürmen, dabei wurden nach Angaben von Sicherheitsvertretern zwei Polizisten getötet. Bei den Zusammenstößen in Port Said seien die beiden Polizisten durch Schüsse getötet worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Mehr als 50 Menschen seien bei den Zusammenstößen in den Straßen rund um das Gefängnis verletzt worden. Augenzeugen berichteten, Unbekannte hätten auf die Polizei geschossen. Diese sei daraufhin mit gepanzerten Fahrzeugen vorgefahren und habe Tränengas eingesetzt.

Insgesamt waren wegen der Ausschreitungen nach dem Spiel zwischen dem Kairoer Club Al-Ahli und Al-Masri aus Port Said mehr als 70 Menschen wegen vorsätzlichen Mordes und illegalen Tragens von Waffen angeklagt.

Nach Angaben des Staatsfernsehens versuchten Angehörige der Verurteilten nach dem Richterspruch am Samstag, das Gefängnis in Port Said zu stürmen, in dem ihre Verwandten inhaftiert sind.

Nach den Krawallen in dem Fußballstadion von Port Said war den Sicherheitskräften vorgeworfen worden, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger des Kairoer Clubs Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während der Proteste gegen Mubarak eine wichtige Rolle gespielt. Vor dem Urteil am Samstag hatten die Ultras von Al-Ahli gedroht, "Chaos" in Kairo zu verbreiten, sollten die Täter nicht bestraft werden.

Auseinandersetzungen in mehreren Städten

Gewalt auf den Straßen gab es auch in den Metropolen Kairo und Alexandria. Aktivistinnen berichteten zudem von sexuellen Übergriffen auf dem Tahrir-Platz in Kairo, wo die zentrale Kundgebung der Opposition stattfand. In Ismailia am Suez-Kanal zündeten Randalierer das Parteibüro der Muslimbrüder an und verwüsteten das Gouverneursgebäude, wie der TV-Sender Al-Arabija berichtete.

Am Nachmittag hatten auf dem Tahrir-Platz in Kairo Zehntausende Oppositionelle gegen die regierenden Islamisten demonstriert, denen sie vorwarfen, sie hätten die "Ziele der Revolution des 25. Januar 2011 verraten". "Freiheit, Brot und soziale Gerechtigkeit" riefen Zehntausende von Demonstranten und "Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder".

Auch rund um den Präsidentenpalast kam es am Abend zu Straßenschlachten, bei denen Steine flogen. Die Ordnungspolizei setzte Tränengas ein. Staatschef Mohammed Mursi fuhr durch einen Hintereingang in den von Demonstranten belagerten Präsidentenpalast. Während es auf dem Tahrir-Platz relativ friedlich blieb, kam es in zwei Nebenstraßen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Ordnungspolizei und einigen Demonstranten.