Proteste in Ägypten Sexuelle Übergriffe auf dem Tahrir-Platz

Demütigung während der Demonstrationen: Eine Gruppe von Männern hat bei den Protesten in Kairo mindestens 19 Frauen die Kleider vom Leib gerissen. Dabei soll es auch zu einer Vergewaltigung gekommen sein.

Während der Demonstrationen zum zweiten Jahrestag der ägyptischen Revolution vom Februar 2011 ist es zu sexuellen Übergriffen auf mindestens 19 Frauen gekommen, berichtet die Agentur Bloomberg. Der britische Guardian meldet, mindestens 25 Frauen seien auf dem Tahrir-Platz angegriffen worden. Männer hätten sie von der Menge isoliert und den Frauen die Kleider vom Leib gerissen. Eine Frau sei dabei auch vergewaltigt worden. Die Medien berufen sich auf Berichte ägyptischer Frauenrechtsorganisationen.

Abseits dieses Vorfalls verschärfen sich in Ägypten die Fronten zwischen Opposition und Regierung. Ägyptens Oppositionsführer haben ein Angebot von Präsident Mohammed Mursi zum Dialog zurückgewiesen. Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit: "Bevor der Präsident nicht die Verantwortung für das jüngste Blutvergießen übernimmt und verspricht, eine Regierung der Nationalen Rettung und ein unabhängiges Verfassungsgremium zu bilden, ist jeder Dialog reine Zeitverschwendung."

Der linke Politiker Hamdien Sabahi forderte den Islamisten Mursi auf, die Gewalt zu beenden und den Willen der Menschen zu achten. Grundlage für einen ernsthaften nationalen Dialog seien politische Lösungsangebote und nicht strikte Sicherheitsmaßnahmen.

Ausnahmezustand und Ausgangssperre

Die "Jugendbewegung 6. April" beschuldigte Mursi al-Arabija zufolge, die Lage durch seine Worte weiter angeheizt zu haben, statt zur Beruhigung beizutragen. Indem er vor weiteren Tötungen gewarnt habe, habe er die Lage verschlimmert.

Zudem warf die Bewegung, die sich im Kampf gegen den früheren Präsidenten Hosni Mubarak gebildet hatte, dem Innenministerium und dem Militär vor, am Sonntag die Teilnehmer einer Begräbnis-Prozession in Port Said attackiert zu haben. Dem Staatsfernsehen zufolge starben dabei am Sonntag sieben Menschen durch Schüsse, Dutzende weitere wurden verletzt. Auch an diesem Montag kam bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstrationen ein Mann ums Leben. In der vergangenen Woche wurden bei Krawallen bereits 49 Menschen getötet. Für Montag rief die Opposition zu neuen Demonstrationen auf.

Präsident Mursi hatte am Sonntagabend wegen der anhaltenden Unruhen für 30 Tage den Ausnahmezustand in Suez, Ismailia und Port Said verhängt. Von diesem Montag an soll dort nachts auch eine Ausgangssperre gelten. Unmittelbar nach der Ankündigung kam es in den drei Städten erneut zu Protesten. Hunderte Demonstranten gingen auf die Straßen. Oppositionelle kündigten an, sich der Ausgangssperre zu widersetzen.