Ein Kommentar von Jens Schneider

Totgeglaubte demonstrieren länger: Mobilisiert durch die Grünen haben in Gorleben mehr Menschen als erwartet gegen die Castoren protestiert.

Erwartet wurde ein Schaustück deutscher Protestroutine. Wieder einmal war am Wochenende einer dieser vermeintlich unausweichlichen Transporte mit Castoren aus Frankreich nach Gorleben ins Zwischenlager unterwegs.

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Grünen-Politiker bei Demonstration gegen die Atommüll-Transporte: Renaissance des alten Kampfes. (© Foto: dpa)

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Wieder mal sollten Tausende Polizisten die lange Strecke ins Wendland abschirmen, weil sich Mitglieder der zuletzt immer kleiner gewordenen Anti-Atom-Bewegung dem Transport in den Weg stellen würden.

Seit Jahren steht die Konfrontation als Symbol für die ungelöste Situation im Umgang mit dem Atommüll.

Aber eine politische Debatte ging davon nicht mehr aus. Mit dem rot-grünen Beschluss zum Ende der Atomnutzung galt der Streit als befriedet.

Diesmal war es anders: In Gorleben war mehr zu beobachten als die Wiederaufführung eines Rituals. Nun haben, mobilisiert durch die Grünen, viel mehr Menschen demonstriert als zuletzt. Die Proteste erinnerten an die präzise organisierten Auftritte der Globalisierungsgegner bei G-8-Gipfeln.

Die gewaltfreien Blockaden waren präzise vorbereitet und zogen auffallend viele junge Demonstranten an. So könnte sich eine totgeglaubte Bewegung neu gründen.

Vielleicht haben die Zustände im Atomlager Asse diesen Aufmarsch ermöglicht. Vor allem aber ist hier ein Signal an die Atomwirtschaft zu beobachten, aber auch an die Kanzlerin und ihre Union.

Der von SPD und Grünen erzwungene Atomausstieg gilt gerade vielen jungen Bürgern als selbstverständliche Errungenschaft. Wer ihn mit Verweis auf die Klimakrise in Frage stellt und die Atomkraft als Öko-Energie preist, wird also kein leichtes Spiel haben - sondern provoziert die Renaissance eines alten Kampfes.

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(SZ vom 10.11.2008/gba)