Nach seinem Protest für ein freies Tibet ist ein Deutscher in Peking verhaftet worden - seine Familie schwankt zwischen Sorge und Stolz.

Die chinesische Polizei hat einen Deutschen in Gewahrsam genommen, der vor olympischen Sportstätten in Peking für ein freies Tibet protestiert hatte. Es handelt sich um Florian Norbu Gyana Tshang, wie seine Familie mitteilte. Der 30-Jährige ist Deutsch-Tibeter. Er soll für zehn Tage in Haft bleiben.

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Immer wieder protestieren Tibet-Anhänger vor den olympischen Sportstätten. Gegen chinesische Demonstranten wird hart vorgegangen - aber auch Ausländer werden verhaftet und festgehalten. (© Foto: dpa)

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Die deutsche Botschaft ist in Kontakt mit dem Stuttgarter Softwareentwickler, wie ein Sprecher der diplomatischen Vertretung bestätigte. "Wir machen uns viele Sorgen, aber wir sind stolz auf ihn", sagte die Schwester Yuldon Gyana Tshang.

Gemeinsam mit dem Thshang waren noch drei weitere ausländische Tibet-Aktivisten aus den USA und Großbritannien festgenommen worden, die in der Nacht zum Donnerstag vor dem Olympia-Gelände gegen die chinesische Herrschaft in Tibet protestiert hatten.

Verhaftete Geschäftsleute verschwunden

Nach einem Protest vor dem Pekinger Regierungsviertel Zhongnanhai wurde auch eine Gruppe Hongkonger Geschäftsleute vorübergehend festgenommen. Die Geschäftsleute hatten schon am Donnerstag mit einem Plakat gegen die aus ihrer Sicht unfaire Rechtspraxis in China protestiert, wie die Ehefrau von einem der Männer, Lu Weiping, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa telefonisch aus Hongkong berichtete.

Danach seien sie stundenlang auf einer Polizeistation festgehalten worden. Neben drei Geschäftsmännern sei auch die 14-jährige Tochter der Frau festgehalten worden. Hongkonger Medien sprachen sogar von acht vorübergehend verhafteten Geschäftsleuten.

In der Nacht zum Freitag sei die Gruppe von Mitarbeitern der Hongkong-Repräsentanz in Peking an einen unbekannten Ort außerhalb der Stadt gebracht worden, berichtete die Frau weiter. Seitdem gebe es keine Nachrichten von ihnen.

USA protestieren

Nach der Festnahme mehrerer amerikanischer Bürger haben die USA die chinesische Regierung aufgerufen, Menschenrechte und Redefreiheit zu beachten. "Wir bestärken die chinesische Regierung darin, Respekt für Menschenrechte zu demonstrieren, darunter auch Rede- und Religionsfreiheit aller Menschen während der Olympischen Spiele und darüber hinaus", hieß es in einer Stellungnahme der US-Botschaft in Peking am Freitag. Zu der Festsetzung von sechs US-Bürgern für zehn Tage durch die Pekinger Polizei wollte sich die Botschaft aber nicht direkt äußern.

Bislang waren Aktivisten meist nur wenige Stunden festgehalten und dann abgeschoben worden. In einer Mitteilung erklärte die Polizei, bei den Festgenommenen handele es sich um eine Person namens "Thomas" und fünf weitere Ausländer, die gegen die "öffentliche Ordnung" verstoßen hätten.

Die Organisation "Students For a Free Tibet" identifizierte sie als sechs US-Bürger, die nicht an Protesten beteiligt gewesen seien, sondern diese nur dokumentiert hätten. Sie waren am Dienstag von der Polizei festgenommen worden.

Verbalattacke von chinesischen Olympiaorganisatoren

Unterdessen hat Wang Wei, Vize-Präsident des Organisationskomitees BOCOG der Olympischen Spiele von Peking, die ausländischen Medien der Unwissenheit über die politischen Verhältnisse in China bezichtigt. "Die ausländischen Medien wissen zu wenig über China, um ausgewogen berichten zu können", erklärte der Olympia-Macher.

Kritik an den politischen Verhältnissen in Tibet, so Wang weiter, sei daher unangebracht: "Man sollte die Menschen in Peking nach Tibet fragen. Ich habe auch Freunde in Tibet, deren Lebensbedingungen haben sich dramatisch verbessert."

Die chinesische Armee war 1950 in die schwer zugängliche Region einmarschiert, hatte das Land okkupiert und später das geistige Oberhaupt, den Dalai Lama, ins indische Exil gezwungen. Seither kämpfen die Tibeter um ihre politische Autonomie. Zuletzt war im März ein Aufstand des buddhistischen Volkes in der Hauptstadt Lhasa mit Waffengewalt blutig niedergeschlagen worden.

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(dpa/ssc/odg)