Kaum hatte das Bundeskabinett die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt, reagierte Belgrad - nicht nur diplomatisch: Ein serbischer Minister lobte die Gewaltausbrüche in dem neuen Staat auf dem Balkan, die Presse jubelte. Pro Asyl warnte eindringlich vor Abschiebungen in das Land - es könnte zu Pogromen kommen.
Der Schritt war angedroht worden, nun macht Belgrad ernst: Serbien zieht wegen des Streits um die Anerkennung des Kosovo seinen Botschafter aus Deutschland ab. Der serbische Außenminister Vuk Jeremic sagte in Straßburg, auch aus Österreich werde der Botschafter noch am Mittwoch abberufen.
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Kosovarische Serben recken den rechten Arm. Der Drei-Finger-Gruß ist ein serbisch-nationalistisches Zeichen. (© Foto: AP)
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Die jüngsten Ausschreitungen an der neuen Grenze fanden in Serbien ein positives Echo: "Die Serben haben ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen: Aufstand!", titelte die Zeitung Press in Belgrad. "Es gibt keine Grenze (zwischen Kosovo und Serbien) mehr", jubelte die größte serbische Zeitung Novosti. "Der Norden brennt", kommentierte Alo und berichtete, alle serbischen Polizisten hätten den Kosovo-Behörden der Rücken gekehrt und sich der Polizei in der "Mutterrepublik" Serbien unterstellt.
Auch von offizieller Seite hieß man die Krawalle gut: Kosovo-Minister Slobodan Samardzic begrüßte die Gewaltausbrüche radikaler Kräfte der serbischen Minderheit im Kosovo. Die Übergriffe stünden "im Einklang mit der allgemeinen Regierungspolitik", hieß es in Belgrad.
Sein Kabinettskollege Dusan Spasojevic kündigte den anhaltenden Protest seines Landes gegen die Unabhängigkeit der früheren serbischen Provinz an. Die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo stelle bisher kein militärisches, sondern ein politisches und juristisches Problem dar, sagte der Vizeverteidigungsminister am Rande seiner Rede vor der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien. "Wir werden nicht militärisch intervenieren", erklärte er nach einem Bericht der Nachrichtenagentur APA.
Zugleich unterstrich er, dass seine Regierung "mit aller Kraft" gegen die "illegale" Unabhängigkeitserklärung des Kosovo protestiere. Die Nato-Friedenstruppe Kfor sei die "einzige legale und legitime Ordnungskraft in der Region", sagte Spasojevic. Serbien werde sich als "verantwortungsvoller Partner" verhalten. Die Unabhängigkeitserklärung durch Pristina verstoße gegen jegliches internationales Recht.
Man respektiere die Kfor "in ihrer Zone", "in unserer Zone" werde man allerdings "keine Gewalt tolerieren", erklärte der stellvertretende Minister weiter. Mit emotionalen Reaktionen habe man gerechnet. Man vertraue jedoch im Hinblick auf den Schutz von Zivilisten voll und ganz den Kfor-Truppen.
Derweil reagierte die Kfor auf die schweren Ausschreitungen vom Vortag an der neuen Grenze. Soldaten der von der Nato-geführten Truppe rückten in zwei von Serben zerstörte Grenzübergänge nach Serbien ein und riegelten die Grenze ab. "Niemand sollte Zweifel an meiner Entschlossenheit haben, ein sicheres Umfeld wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten", sagte Kfor-Kommandant Xavier Bout de Marnhac in der Hauptstadt Pristina. Er beschuldigte einige nicht genannte Serbenführer, in die Ausschreitungen "Frauen und Kinder verwickelt" zu haben.
Hunderte Serben hatten am Vortag die von der UN-Kosovo-Verwaltung (Unmik) betriebenen Grenzübergänge Jarinje und Zubin Potok demoliert und dann in Brand gesteckt. Die Unmik hatte alle albanischen Polizisten aus Sicherheitsgründen abgezogen. Die internationale Schutztruppe Kfor bezog stattdessen dort Stellung.
Der UN-Kosovo-Verwalter Joachim Rücker sprach am Mittwoch in Pristina von einem "ernsthaften Zwischenfall". Kosovo-Präsident Fatmir Sejdiu rief die Serben zur Ruhe und Teilnahme am öffentlichen Leben auf.
Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl warnte die Innenminister von Bund und Ländern in Deutschland unterdessen vor übereilten Abschiebungen. Es sei zu befürchten, "dass die Innenminister die Haltung der kosovarischen Regierung mit verstärkten Abschiebungen testen werden", erklärte Pro Asyl in Frankfurt am Main.
"Keines der Probleme, das bislang eine Rückkehr der Minderheiten in den Kosovo unmöglich machte, wird in einigen Monaten gelöst sein", hieß es in einer Pro-Asyl-Mitteilung weiter. Von den schätzungsweise 100.000 Menschen, die aus dem Kosovo stammen und sich in europäischen Staaten ohne legalen Status aufhalten, lebt etwa die Hälfte in Deutschland, wie die Organisation mitteilte.
"Etwa 38.000 Personen in Deutschland sind Roma, Aschkali oder sogenannte Ägypter aus dem Kosovo. Die zwangsweise Rückkehr zahlreicher Minderheitenangehöriger könnte lokale Spannungen verstärken und Übergriffe oder Pogrome provozieren", erklärte Pro Asyl. Ob der neue Staat stabil und zum Schutz der Minderheiten Willens und in der Lage sei, sei zur Zeit nicht kalkulierbar.
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(dpa/AFP/AP/odg/gba)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
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Ach was, benutzer1100, das ist doch noch kein "Bashing" ... Dezente Kritik, diplomatisch vorgetragen.
Jetzt wieder US-Bashing?
"ich schreibe keine Doktorarbeiten für Euch Akademiker, Das überlass ich Euch, ich komm immer gleich auf den Punkt, Den Kern der Sache, Ohne Umschweife oder Umwege, "
Sozusagen "das Ding an sich", dass Sie makellos auf den Punkt bringen...richtig?
Da muss man natürlich keine Argumente bringen...
Zitat Benutzer1100: "Ich denke dabei an Srebrenica.......und wer sich einmischt, einen Krieg zu beenden gehört zu den Guten"
Mei, wie wahr! Wenn sich da doch jemand dafür in Bezug auf die Kriege im Irak und in Afghanistan finden könnte...
Paging