Promi-Anwalt Brafman vertritt Strauss-Kahn Ein Mann für verzweifelte Fälle

Michael Jackson und Sean "Puff Daddy" Combs gehörten zu seinen Mandanten, er gilt als einer der besten Strafverteidiger in New York. Nun soll Benjamin Brafman den unter dem Verdacht der versuchten Vergewaltigung stehenden IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn retten. Der Jurist betrachtet sich selbst als Seelenklempner.

Unter den New Yorker Strafverteidigern kennt sich kaum einer so gut mit den Fallstricken des Rechts aus wie Benjamin Brafman. Prominenten wie dem verstorbenen Popsänger Michael Jackson, dem Footballstar Plaxico Burress oder dem als "P. Diddy" auftretenden Rapper Sean Combs leistete er vor Gericht Beistand.

Seit Sonntag gehört auch der unter dem Verdacht der versuchten Vergewaltigung stehende IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn zu den bekannten Mandanten Brafmans, der dafür berühmt ist, seine Klienten entweder rauszupauken oder für sie günstige Deals auszuhandeln. Der 62-jähriger Jurist strotzt vor Selbstbewusstsein und betrachtet sich als Mann für aussichtslose Fälle.

Vier Jahre Staatsanwalt in Manhattan

"Die meisten, die zu mir kommen, sind in einer sehr, sehr verzweifelten Lage", gab Brafman unlängst in einem Interview zu Protokoll. Er wird den gleichaltrigen IWF-Chef und jäh abgestürzten Hoffnungsträger der französischen Sozialisten mit seinem Kollegen William Taylor von der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Washingtoner Kanzlei Zuckerman Spaeder vertreten.

Strauss-Kahn, den Polizisten kurz vor dem Abflug von New York nach Paris aus einer Air-France-Maschine holten, wird Brafman zufolge auf nicht schuldig plädieren. Die Polizei wirft dem Franzosen sexuelle Nötigung, versuchte Vergewaltigung und Freiheitsberaubung einer Hotelangestellten vor.

Brafman kennt sich auf beiden Seiten des Strafrechts aus. Bevor er sich selbstständig machte und auf die Verteidigung von Prominenten spezialisierte, arbeitete er vier Jahre für Staatsanwaltschaft in Manhattan. Für den Footballspieler Burress von den New York Giants, dem mindestens dreieinhalb Jahre Gefängnis drohten, weil ihm in einem Nachtclub eine Pistole aus der Hose gefallen war und losging, handelte er zwei Jahre aus.

"Sie dürfen ihn Puffy nennen"

Für den früher als "Puff Daddy" bekannten Combs erreichte Brafman sogar einen Freispruch, obwohl mehr als 100 Menschen Zeugen wurden, wie sich der Rapper in einem Nachtlokal an einer Schlägerei und Schießerei beteiligte. In dem Verfahren lief der Verteidiger zu Hochtouren auf. "Meine Damen und Herren, das ist Sean 'Puff Daddy' Combs", sprach Brafman die Geschworenen an. "Sie können ihn Sean nennen. Sie können ihn Mr. Combs nennen. Sie können ihn Puff Daddy nennen. Sie können ihn auch einfach Puffy nennen." Nur schuldig, so Brafman weiter, schuldig nennen dürfe man den Rapper nicht.

Manche Mandaten Brafmans brauchten nie einen Gerichtssaal zu betreten. So vertrat er mehrere Jahre lang den wegen Bestechung aserbaidschanischer Regierungsvertreter international gesuchten Viktor Kozeny. Staatsanwälte bemühten sich 2005 vergebens um die Auslieferung Kozenys von den Bahamas. Er sei gut darin, seine Mandanten, deren Welt zusammengebrochen sei, wieder aufzurichten, rühmte sich der Strafverteidiger unlängst in einem Interview der Website Lawline.com. "Ich habe wohl mehr Menschen vor dem Selbstmord bewahrt als jeder Psychiater der Welt."

Chancen im Schatten des Skandals

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