Profil Wilfried Karl

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Chef von Zitis, der neuen Hackerbehörde des Bundes in München.

Von Ronen Steinke

Soll das eine Strafversetzung sein? Vor wenigen Wochen noch war Wilfried Karl, 51, Herr über gut zweitausend deutsche Geheimdienstleute, über die wahrscheinlich wichtigste Einheit des Bundesnachrichtendienstes, die Abteilung "TA", Technische Aufklärung. Das sind jene Lauscher und Anzapfer, deren Arbeit am Computerbildschirm inzwischen ergiebiger ist als das, was aus dem altmodischen Agentengeschäft noch an Geflüster kommt. Mehr als die Hälfte der Informationen des BND, so verriet der frühere BND-Präsident Gerhard Schindler, kommen heute von dort.

Wenn aber Wilfried Karl an diesem Donnerstag im Beisein des Bundesinnenministers seine neue Wirkungsstätte der Öffentlichkeit vorstellt, dann hat er keine 20 Mitarbeiter mehr. Er sitzt in einem halb leeren Haus im eher schmucklosen Münchner Osten, drüber und drunter lärmen die Handwerker, nebenan rauscht die Autobahn und steht das Hochhaus der SZ.

Karl leitet die neu geschaffene Sicherheitsbehörde "Zitis", die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich. Die Idee dahinter: Polizei und Geheimdienste interessieren sich immer mehr für Hacker-Werkzeuge, um Handys und Festplatten zu knacken, also Trojaner. "Zitis" soll dafür die Fabrik werden. Karls Leute sollen Spionageprogramme anfertigen oder, falls günstiger, bei IT-Firmen kaufen und an deutsche gesetzliche Vorgaben anpassen lassen.

Karl ist Diplom-Ingenieur, stammt aus Franken, und als er vor fast 25 Jahren, gleich nach dem Studium in Erlangen, bei der Technik-Abteilung des BND in Pullach anfing, fiepten noch Modems. Die Geheimdienstler zapften ISDN-Leitungen an. Über die Arbeit der Abteilung "Technische Aufklärung" hat die Öffentlichkeit dann vor allem durch den NSA-Ausschuss im Bundestag manches gelernt. Karl war viermal als Zeuge geladen, denn er war, zunächst als Unterabteilungsleiter, zuständig für die Übermittlung deutscher Internetdaten an den US-Geheimdienst NSA in der "Operation Eikonal" und deutscher Telefondaten an die CIA im Projekt "Glotaic". Im Zeugenstand trat er als "WK" auf. Der volle Name, sagt er, ist kein Pseudonym.

Karls BND-Abteilung war gegenüber den Amerikanern sehr entgegenkommend, um von deren überlegener Technik mit profitieren zu dürfen. Auch wer das nicht per se skandalös fand - Abgeordnete der Union und teils der SPD etwa - staunte im Untersuchungsausschuss über linke Hände, die hinterher von rechten Händen nichts gewusst haben wollten. Die Abteilung, so hat selbst die Bundesregierung in Statements zu "organisatorischen Defiziten" resümiert, war schlecht geführt.

Nun also der Neustart. Wilfried Karls neue Aufgabe dürfte in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen und sich dann irgendwann vielleicht doch noch wie eine Beförderung anfühlen. Aus den jetzt 20 Mitarbeitern, so viel steht für den neuen Dienstherren Thomas de Maizière fest, sollen 700 werden.