Profil Richard Pound

Langjähriger Funktionär und Kritiker des internationalen Spitzensports.

Von Thomas Hahn

In seiner langen Karriere als Sportfunktionär ist der Kanadier Richard Pound schon derart beherzt über das einträgliche Geschäft mit dem Spitzensport hergezogen, dass man ihm ein missgünstiges Temperament unterstellen könnte. Und auch am Donnerstag, als er bei einer Pressekonferenz in München für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) die neuesten, durchaus weitreichenden Erkenntnisse über Korruption im Leichtathletik-Weltverband IAAF vorstellte, mag Pound auf manche Leute den Eindruck gemacht haben, als bediene er seinen Hang zur Schadenfreude. Aber da machen es sich seine Kritiker wohl zu einfach. Für Richard Pound, 73, ist Kritik am System des Spitzensports nicht nur das Instrument, um sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Er meint es ernst. Er möchte die Sportwelt verbessern.

Zumindest ist das der Schluss, zu dem man kommen kann, wenn man bedenkt, wie sich dieser angesehene Jurist und Steuerexperte in den vergangenen Jahrzehnten in den Sport eingebracht hat. Auf vielfältige Art und Weise nämlich, nicht nur als Moralapostel und Korruptionsbekämpfer, sondern auch als Pionier des olympischen Kommerzes. Als junger Mann war Pound ein begabter Schwimmer, kanadischer Freistil-Meister und Olympia-Sechster 1960. Später brachte er sich als Sportfunktionär ein. 1983 kam er ins Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wo er für die Vergabe der Fernsehrechte zuständig wurde. Dass das IOC heute ein Milliardenunternehmen ist, hat auch damit zu tun, dass Richard Pound seinerzeit instinktsicher Marketing betrieb, einträgliche Fernseh- und Sponsorenverträge einfädelte.

Später erst profilierte er sich als Kämpfer gegen die bösen Kräfte im Sport. 1998 erschütterte der Korruptionsskandal um die Vergabe der Olympischen Spiele 2002 nach Salt Lake City das IOC. Pound führte die Ermittlungen und leitete einen Reformprozess ein. 1999 wurde er Gründungspräsident der Wada. 2001 kandidierte er für die IOC-Präsidentschaft, fiel aber bei der Wahl durch.

Es ist ein spannendes Gedankenspiel, was aus dem IOC geworden wäre, wenn damals nicht der bedächtige Belgier Jacques Rogge auf den Thron der Ringe-Familie gekommen wäre, sondern der scharfzüngige

Pound. Als Wada-Chef hat Pound keinen Konflikt mit dem Sport-Establishment gescheut - als IOC-Präsident hätte er vermutlich sehr viel diplomatischer vorgehen müssen. Andererseits hätte Pound an der IOC-Spitze vielleicht etwas eindeutiger als Rogge für universelle Menschenrechte eingestanden. Man kann darüber nur spekulieren.

Mit Missgunst verfolgt Pound den olympischen Sport bestimmt nicht. Sonst hätte er in den vergangenen Jahren nicht wieder versucht, ins Exekutivkomitee des IOC zu kommen. Im Gegenteil. Richard Pound wünscht sich einen erfolgreichen Spitzensport. Er sollte halt nicht von Korruption zerfressen sein.