Profil Mahmud al-Aloul

Der 68-Jährige ist der Wunsch-Nachfolger des Palästinenser-Präsidenten Mahmud Abbas.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Sie haben den gleichen Vornamen und vertreten in den meisten politischen Fragen die gleiche Linie. Dass der palästinensische Präsident Mahmud Abbas nun den 68-jährigen Mahmud al-Aloul als seinen Wunschnachfolger benannt hat, zeigt den Ernst der Lage. Abbas ist krank, aber ob er nun Krebs oder Herzprobleme hat, wird geheim gehalten. Die gesundheitlichen Schwierigkeiten sieht man ihm, der am 25. März seinen 83. Geburtstag feiert, jedenfalls an. Solange er noch kann, will Abbas in die Nachfolgeregelung eingreifen.

Ob er seinen Kandidaten durchsetzen kann, ist nicht sicher, denn mit dem Fatah-Funktionär Jibril Rajoub, Geheimdienstchef Majed Faraj und dem bei Abbas in Ungnade gefallenen und im Exil lebenden Mohammed Dahlan gibt es noch andere Anwärter, sodass ein blutiger Nachfolgekrieg nicht ausgeschlossen ist. Keine Chance haben der in der Bevölkerung populäre Marwan Barghouti, weil er in einem israelischen Gefängnis sitzt, und die im Ausland bekanntesten Vertreter der Palästinenser: Nahost-Verhandler Saeb Erekat hatte vor kurzem eine Lungentransplantation, und Hanan Aschrawi ist eine Frau und Christin.

Mit Aloul hat sich Abbas für den auf den ersten Blick unscheinbarsten Mann aus der Führungsriege entschieden. Der bullige Mann mit dem ergrauten Haar und dem markanten Schnauzbart ist seit einem Jahr Vizepräsident der dominierenden Fatah, hat aber selten Auftritte, auch nicht in den Medien, absolviert. Aloul wurde 1950 in Nablus geboren, nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 von den Israelis festgenommen und nach Jordanien abgeschoben. In Libanon absolvierte er ein Geografiestudium.

In der Fatah übernahm er verschiedene Funktionen und kommandierte eine Brigade, die 1983 israelische Soldaten entführte und damit palästinensische Gefangene freipresste. Er arbeitete eng mit Khalil al-Wazir zusammen, dem Chef der palästinensischen Militäroperationen und Stellvertreter von Jassir Arafat. Die Israelis verweigerten ihm nach dem Osloer Abkommen ein Jahr lang die Rückkehr ins Westjordanland, wo er 1996 Gouverneur von Nablus wurde. Während der zweiten Intifada, die 2000 begann, wurde sein ältester Sohn bei Zusammenstößen mit Israelis getötet. Daraufhin zog sich Aloul zurück, um zu trauern. Aus dieser Auszeit kehrte er nicht radikalisiert zurück in die Politik, "sondern mehr denn je überzeugt davon, dass Frieden die einzige Lösung des Konflikts zwischen Palästinensern und Israelis ist", wie er in einem Interview erklärte.

2006 wurde er ins Parlament gewählt, drei Jahre später in das Zentralkomitee der Fatah, das höchste Parteigremium. Aloul, der sich im Gegensatz zu den meisten der abgehobenen palästinensischen Führungsgarde gerne bei "normalen" Menschen aufhält, ruft immer wieder zu öffentlichen Demonstrationen gegen die israelische Besatzung und jüngst gegen die Jerusalem-Entscheidung der USA auf. Abbas, der nach 14 Jahren Herrschaft in der Bevölkerung unbeliebt ist und sich seit 2009 einer Wahl stellen müsste, fürchtet dagegen, dass sich diese Proteste auch gegen ihn wenden könnten.

In einem anderen Punkt hat sich Aloul von Abbas aber abgesetzt: Er zeigt sich offen für eine Einstaatenlösung mit gleichen Rechten für die palästinensischen und israelischen Bürger. Vor allem unter jüngeren Palästinensern findet dieses Modell immer mehr Anhänger, weil durch den vermehrten Bau jüdischer Siedlungen im Westjordanland eine Aufteilung ohnehin schwierig werden würde. Aber dieser Lösung werden die Israelis nicht zustimmen, meint Aloul - denn damit gäbe es aufgrund der demografischen Verhältnisse keine jüdische Mehrheit mehr in Israel, was bisher in der israelischen Politik als unannehmbar bezeichnet wird. In Israel dürfte Aloul als Abbas-Nachfolger auf Akzeptanz stoßen, weil er für Kontinuität steht, auch bei der Sicherheitskooperation.