Profil Laura Codruţa Kövesi

(Foto: Daniel Mihailescu/AFP)

Rumäniens Kämpferin gegen die Korruption soll stürzen. Sie macht ihren Job zu gut.

Von Renate Meinhof

Sie trug Stiefel wie eine Soldatin, flach und mit starkem Profil, so als wisse sie genau, dass ein einziger zögerlicher Schritt, eine kurze Unsicherheit schon das Ende bedeuten können. Den Fall. Den Sturz.

Es war Anfang Februar 2017, ein Samstag. Hunderttausende Rumänen waren auf den Straßen, um gegen die Regierung und die Korruption in ihrem Land zu protestierten. Laura Kövesi hatte nachdenklich in ihrem Büro gesessen, in der Știrbei Vodă im Zentrum Bukarests, Zimmer E 141 B im ersten Stock. Wochenendverwaiste Gänge, und aus dem Treppenhaus glitt der Blick über die Stadt. In kommunistischer Zeit residierte hier der Militärische Abschirmdienst. Jetzt arbeiten in diesem mächtigen Gebäude die Staatsanwälte der Nationalen Antikorruptionsbehörde DNA, deren oberste Chefin seit Mai 2013 jene Laura Codruţa Kövesi ist, gegen die nun der Justizminister Rumäniens ein Absetzungsverfahren eingeleitet hat.

Kövesi soll also stürzen.

Sie selbst mag das womöglich am wenigsten wundern, denn seit Jahren sitzt diese große, kräftige Frau auf dem heißesten Posten, den ihr Land zu vergeben hat. Mehr als 2000 Verfahren in ganz Rumänien hat ihre Behörde schon in Gang gesetzt. Es geht um Amtsmissbrauch, Geldwäsche, Steuerhinterziehung. Es geht gegen Bürgermeister, Beamte, Minister, gegen einen ehemaligen Premier und auch gegen Liviu Dragnea, der als Parteichef der regierenden Postkommunisten alle Strippen zieht im Land. Viele Funktionäre hat Laura Kövesi schon ins Gefängnis gebracht, andere wurden zu Geld- oder Bewährungsstrafen verurteilt, mehr als 1000 Menschen in ganz Rumänien, allein in den vergangenen vier Jahren. Der politischen Klasse ist sie verhasste Feindin, das Volk aber liebt sie für ihre Furchtlosigkeit, ihre bodenständige Weltläufigkeit, die vielen Rumänen die Hoffnung gibt, doch nicht vom Gleis geschoben zu werden, das nach Europa führt.

Als Justizminister Tudorel Toader am Donnerstagabend die lange Liste der "Vergehen" Kövesis vorbrachte, klang er wie ein Politkommissar aus stalinistischer Zeit. Kövesis Behörde konstruiere Beweise und missachte die Gewaltenteilung. Kövesi schade dem Ansehen Rumäniens im Ausland. Ihr Verhalten sei höchst autoritär, sie dränge sich in die Medien und noch ein paar "Führungsqualitäten", mit denen vergleichbare Männer normalerweise ein Treppchen höher steigen.

Aber sie ist ganz oben. Noch ist sie da, diese Kämpferin. Kämpfen hat sie beim Basketball gelernt. 1973 wurde Laura Lascu in Sfântu Gheorghe in Siebenbürgen geboren. (Ihr Mann war Ungar, nach der Scheidung behielt sie seinen Namen.) Ihre Mutter arbeitete als Lehrerin, der Vater war Staatsanwalt. Fragen danach, was gerecht ist und was nicht, gehörten in ihre Kindheit wie das Training. Wie sie ausgerechnet zum Basketball kam? "Das war sehr einfach", erzählte Kövesi. "Kommt die Lehrerin in die Klasse und sagt: Alle mal aufstehen." Also stehen alle auf. Die Größte, heißt es nun, geht zum Basketball. Punkt. "Die Größte war ich, und ich sagte: Ich kann aber gar nicht spielen ..."

Dass so ein Satz heute noch aus ihrem Munde kommt, kann man sich nicht vorstellen. Sie lernte schnell. Lernte, den Gegner ins Visier zu nehmen, den Schmerz eines Sturzes wegzustecken, die Tränen nicht zu zeigen. Nicht lange, und sie gehörte zur Juniorinnen-Nationalmannschaft Rumäniens. Dann studierte sie Jura in Klausenburg (Cluj), ging nach Hermannstadt (Sibiu) und wurde Staatsanwältin. 2006 ernannte man sie zur jüngsten Generalstaatsanwältin Rumäniens und schließlich zur Chefin der DNA. Sie hat es geschafft, einen "Mentalitätswandel" mit in Gang zu setzen, so nennt sie es. "Die Leute akzeptieren Korruption nicht mehr. Sie trauen sich, Anzeigen zu machen, sie wollen ein sauberes Land." Am Montag wurde Laura Kövesi vor den Hohen Justizrat zur Anhörung geladen. Gut, dass sie diesen sicheren Tritt hat. Dass sie gewohnt ist, ihr Profil zu nutzen.