Ägypten Der Anwalt, der für Verschwundene kämpfte und selbst verschwand

Ibrahim Metwally Hegazy, 53, Anwalt aus Ägypten.

(Foto: privat)

Ibrahim Metwally Hegazy setzte sich für Menschen ein, die in Ägypten ohne Verfahren verschleppt wurden. Trotz der Menschenrechtsverletzungen halten sich viele Länder mit Kritik am Regime zurück.

Von Paul-Anton Krüger

Ibrahim Metwally Hegazy, 53, hat als Anwalt in Ägypten Fälle von Menschen dokumentiert, die von den Sicherheitsbehörden ohne jegliches rechtsstaatliches Verfahren verschleppt werden; er hat die Vereinigung der Familien der Zwangsverschwundenen mitbegründet. Sein Engagement hat mit dem Schicksal seiner Familie zu tun: Einer seiner Söhne, Amr Ibrahim Metwally, verschwand im Juli 2013. Er wurde zuletzt nahe dem Hauptquartier der Republikanischen Garden gesehen, wo bei Zusammenstößen zwischen der Armee und Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi mehr als 50 Menschen getötet wurden. Bis heute fehlt jede Spur von ihm.

Auch der Verbleib von Metwally Hegazy war über zwei Tage unklar: Er verschwand beim Versuch, auf Einladung der Arbeitsgruppe des UN-Menschenrechtsrates nach Genf zu fliegen, die sich mit dem Verschwindenlassen befasst. Diese Praxis hat in Ägypten seit 2015 stark zugenommen. Metwally Hegazy vertritt die Familie von Giulio Regeni. Der italienische Student war 2016 in Kairo am Jahrestag der Revolution am 25. Januar auf dem Weg zu einem Geburtstag verschwunden. Seine Leiche, gezeichnet von schwerster Folter, war Tage später an einer Straße abgelegt worden. Dass die Verantwortung dafür nicht bei den ägyptischen Sicherheitsbehörden liegt, mag außer der Regierung in Kairo niemand mehr glauben.

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Die Bundesregierung ließ pflichtschuldig die Menschenrechtsbeauftragte Bärbel Kofler die Verhaftung kritisieren: "Nicht hinnehmbar" sei es, dass die "ägyptischen Behörden gezielt durch Verschwindenlassen, willkürliche Verhaftungen, Reiseverbote, Einfrieren von Konten, Sperrung von Internetseiten" und andere Einschüchterungen Menschenrechtler an ihrer Arbeit hinderten. Freilich hat Berlin all dies bislang ohne spürbare Konsequenzen für das vom Militär dominierte Regime von Präsident Abdel Fattah al-Sisi hingenommen. Anders als die US-Regierung. Die hat selbst unter Donald Trump Kairo 300 Millionen Dollar Hilfsgelder gesperrt - zumindest offiziell wegen Menschenrechtsverletzungen.

Wie Koflers Aufzählung ahnen lässt, gibt es Dutzende Fälle - doch denen stehen massive wirtschaftliche und politische Interessen entgegen: vom größten Auftrag in der Geschichte von Siemens bis zur Bekämpfung der Migration übers Mittelmeer. In der EU befindet sich Berlin in schlechter Gesellschaft: Italien schickte jüngst wieder einen Botschafter nach Kairo. Einst machte Rom dies von der Aufklärung des Falles Regeni abhängig. Jetzt will der teilstaatliche Ölkonzern Eni hier Gasfelder erschließen.

Metwally Hegazy wurde inzwischen gefunden: Ein Anwaltskollege erkannte ihn in einem Gebäude der Staatsanwaltschaft. Daraufhin wurde der Verschleppte offiziell in Untersuchungshaft genommen. Die Vorwürfe lauten Gründung einer nicht genehmigten Vereinigung und die Verbreitung falscher Nachrichten. Eingesperrt hat man ihn im Hochsicherheitstrakt des berüchtigten Tora-Gefängnisses - da, wo sonst Terroristen sitzen.

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