Profil Bilal Erdoğan - ein Präsidentensohn wird nicht erwachsen

Türkischer Präsidentensohn, unter besonderem Schutz des Vaters: Bilal Erdoğan.

(Foto: dpa)

Harvard, Weltbank, erfolgreicher Unternehmer: Der Lebenslauf von Bilal Erdoğan ist eindrucksvoll. Doch seit ein paar Jahren stören Korruptionsvorwürfe das Bild.

Von Mike Szymanski

Für Spötter steht fest: Wenn Bilal Erdoğan, ein Sohn des mächtigen Staatspräsidenten, etwas beherrscht, dann ist es die Flucht. Als Bilal Erdoğan vergangenen Herbst mit seiner Familie nach Bologna zog, um - wie er sagte - seine Doktorarbeit fertig zu schreiben, wurde im Anti-Erdoğan-Lager spekuliert, ob er nicht ganz andere Motive habe: In der Türkei hatte sein Vater gerade Neuwahlen angesetzt. Recep Tayyip Erdoğan wollte nicht akzeptieren, dass seine AKP die Alleinregierung im Land verloren hatte. Aber es sah in den Umfragen nicht gut für ihn aus. War Bilal nur der erste der Familie, der sich absetzte und womöglich das Vermögen der Familie in Sicherheit brachte?

Bilal ist zurück in der Türkei

Doch dann gewann die AKP die Wahl haushoch. Erdoğan ist nun mächtiger denn je. Und sein Sohn Bilal ist zurück in der Türkei. In Italien ermitteln die Behörden seit Februar wegen Geldwäscheverdachts gegen den Präsidentensohn. Der Vater beschwerte sich soeben bei den Italienern. Ihre Richter sollten sich "mit der Mafia befassen, nicht mit meinem Sohn".

Dass der Papa persönlich eingreift, bekommt dem Image des 35-jährigen Mannes nicht gut. Es sieht so aus, als ob er nie erwachsen wird. Erdoğans Familie ist groß. Sie ist vermögend und einflussreich. Tochter Sümeyye, die gerade erst in einer Prunkhochzeit einen Rüstungsunternehmer geheiratet hat, ist ihm eine wichtige Beraterin. Schwiegersohn Berat Albayrak läuft sich als Energieminister für höhere Aufgaben warm.

Der Lebenslauf von Bilal Erdoğan ist eindrucksvoll. Er hat in Amerika gelebt, in Harvard studiert, kurz für die Weltbank gearbeitet und verfügt zudem über Erfahrung als Unternehmer. Aber seit bald drei Jahren schleppt er Korruptionsvorwürfe mit sich herum. Die Verdächtigungen gehen auf das Jahr 2013 zurück. Damals, im Dezember, hatten Ermittlungen gegen prominente Unternehmer, Politiker und Ministersöhne Erdoğans Regierung in eine Krise gestürzt. Aus jener Zeit sollen angebliche Telefonmitschnitte stammen, wonach der Präsident mit seinem Sohn Bilal bespricht, Geld aus dem Haus zu schaffen.

Auch hier ist Gülen der Sündenbock

Erdoğan Senior hat immer heftig bestritten, dass die Mitschnitte echt sind. Er macht seinen Erzfeind Fethullah Gülen für die Korruptionsermittlungen verantwortlich. Jener Mann also, der auch jetzt den Putschversuch orchestriert haben soll, habe schon damals versucht, die Regierung zu stürzen. Für die türkische Justiz sind die Korruptionsfälle jedenfalls erledigt. Auch Bilal lässt alle Vorwürfe heftig zurückweisen.

Der italienische Premier Matteo Renzi belehrte Erdoğan jetzt auf Twitter: "In unserem Land hören die Richter auf Gesetze und die italienische Verfassung, und nicht auf den türkischen Präsidenten. Das nennt sich Rechtsstaat." Das Verhältnis zu den Italienern war nicht immer so schlecht. Bei der Hochzeit von Sohn Bilal im Jahr 2003 war der damalige Premier Silvio Berlusconi Trauzeuge.

Jetzt bekommt Italien Erdoğans Zorn zu spüren

Der türkische Präsident hat partout kein Verständnis dafür, dass die italienische Justiz gegen seinen Sohn ermittelt. Die Antwort von Italiens Premierminister Renzi folgt prompt. Gastbeitrag von Yavuz Baydar mehr ...