Myanmars Aung San Suu Kyi Kein Herz für Rohingyas

Aung San Suu Kyi, Friedensikone mit wenig Herz für eine bedrängte Minderheit.

(Foto: dpa)

Das Bild, das die Öffentlichkeit von Myanmars Friedens-Ikone Aung San Suu Kyi hatte, war von Opferbereitschaft und weisen Worten geprägt. Für die unterdrückte muslimische Minderheit der Rohingyas aber hat sie kein gutes Wort übrig.

Von Stefan Klein

Das Leben einer Ikone ist nicht leicht. Die Ikone Nelson Mandela zum Beispiel bekam schnell Schrammen ab, als sie mit den Schmutzigkeiten der realen Politik konfrontiert war. Die Ikone Aung San Suu Kyi im südostasiatischen Myanmar weist Ähnlichkeiten mit dem südafrikanischen Freiheitshelden auf. Auch sie hat Jahre ihres Lebens für den Kampf um Freiheit und Demokratie geopfert, auch sie ist dafür mit dem Friedensnobelpreis geadelt worden, und auch ihr Heiligenschein erscheint jetzt manchmal in einem etwas schrägen Licht.

Wie sollte es auch anders sein? Wer zur Heiligen stilisiert wird, bekommt Maßstäbe verpasst, denen ein Mensch nie gerecht werden kann, erst recht keiner, der sich der Politik verschrieben hat. Kaum war Suu Kyi nach insgesamt fünfzehn Jahren Hausarrest wieder aufgetaucht in der Öffentlichkeit, kaum hatte ihre lange unterdrückte Partei, die National League for Democracy (NLD), in einer Nachwahl 43 von 45 Sitzen erobert, da entdeckten Beobachter die ersten kleinen Alarmsignale.

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Etwas arrogant die Partei nach dem Sieg, etwas grob die Leibwächter der 1945 geborenen Lady, zu zahlreich die Speichellecker. Es war keine große Sache, weit entfernt von einer Schelte, aber es fiel auf, weil es nicht passen wollte zu dem Bild, das sich die Welt von Suu Kyi gemacht hatte. Dieses Bild war geprägt von Opferbereitschaft und weisen Worten, die man von ihr gehört und gelesen hatte. "Es ist meine Pflicht zu sagen, was gesagt werden muss." So ein Satz zum Beispiel. Wer ihn sagt, muss sich an ihm messen lassen, gerade jetzt, da das Flüchtlingsdrama um die muslimische Minderheit der Rohingyas eine Stimme der Vernunft gebrauchen könnte.

Seit Jahrzehnten von der buddhistischen Mehrheit verfolgt

Ein Volk, das sich aufs Meer flüchtet, weil es in dem Land, in dem es seit Jahrzehnten lebt, von der buddhistischen Mehrheit auf eine Weise verfolgt wird, dass von ethnischen Säuberungen die Rede ist, hätte eine Fürsprecherin verdient. Zumindest eine, die der hasserfüllten Stimmung gegen die Rohingyas etwas entgegensetzt. Doch was man von der für ihre prägnanten Äußerungen bekannten Lady bislang dazu gehört hat, war ausweichend und ging kaum darüber hinaus, auf die Verantwortung der Regierung zu verweisen.

Es soll in diesem Jahr gewählt werden in Myanmar, für die NLD und ihre Chefin Suu Kyi steht sehr viel auf dem Spiel, und ein gutes Wort für eine weithin verhasste Minderheit mag da nicht sehr hilfreich sein. Solche Zusammenhänge werden hergestellt, die Medien fackeln da nicht lange. Letztlich ist es jedoch die Lady selber, die sich angreifbar gemacht hat, indem sie Unrecht nicht Unrecht genannt, sondern sich dem Problem mit allerlei Relativierungen genähert und versucht hat, die Schuld an dem Konflikt auf beide Seiten zu verteilen.

Suu Kyi wird zu Recht verehrt. Sie sollte sich dieser Verehrung würdig erweisen, indem sie sagt, was gesagt werden muss: dass in ihrem Land ein kleines Volk von der großen Mehrheit drangsaliert wird, und das seit Jahrzehnten.

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