Österreicher mit Drang zu Gouverneursamt in den USA
(SZ vom 14.06.2003) - Nicht zum ersten Mal könnten Kaliforniens Wähler einen Schauspieler zum Gouverneur machen. Für Ronald Reagan war der Posten gar das Sprungbrett zum Weißen Haus.
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So weit könnte es jener Kollege freilich nicht bringen, der jetzt mit dem höchsten Amt im Goldstaat liebäugelt: Arnold Schwarzenegger kam vor 55 Jahren im steirischen Graz zur Welt - laut Verfassung kann nur Präsident werden, wer in den USA geboren ist.
Doch der Gouverneurspalast von Sacramento stünde Schwarzenegger offen, und ganz gezielt speist er Gerüchte über eine Kandidatur. Das Gesellschaftsmagazin Esquire hob an diesem Freitag den Muskelmann auf die Titelseite und schrieb: "Der nächste Gouverneur von Kalifornien. Wirklich."
Im Inneren des Blattes redet der Terminator dann so, wie Politiker gerne reden, wenn sie ihre wahren Absichten vernebeln wollen: "Wenn der Staat mich braucht, und wenn ich keinen sehe, der besser ist, dann werde ich kandidieren."
Dazu könnte es früher kommen als erwartet. Die Kalifornier haben zwar erst im vergangenen November den farblosen demokratischen Gouverneur Gray Davis für vier Jahre wiedergewählt. Aber in ihrem Staat kann der Souverän einen gewählten Vertreter jederzeit wieder abberufen.
Genau 897.158 Unterschriften sind dafür notwendig, und falls sie bis Mitte Juli zusammenkommen, könnte schon im Herbst gewählt werden. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn Kalifornien ist besonders hart von der Finanzkrise betroffen, die Amerikas Bundesstaaten heimsucht.
Rund 38 Milliarden Dollar fehlen im Budget, und Davis kann nur durch schmerzhafte Sparmaßnahmen Geld auftreiben. Entsprechend niedrig ist seine Popularität: Nur 24 Prozent der Kalifornier wollen ihn im Amt belassen.
Schwarzenegger, der zum konservativen Flügel der Republikaner gerechnet wird, wäre ein attraktiver Kandidat, verkörpert er doch den Fleisch - und Muskeln - gewordenen amerikanischen Traum.
Mit 21 kam der frisch gekürte "Junior Mister Europe" erstmals in die USA, wo er als "Austrian Oak" eine steile Bodybuilding-Karriere machte. Reihenweise heimste diese österreichische Eiche Titel eines Mister World oder Mister Universums ein. Prämien und Sieggelder legte Schwarzenegger ertragreich in Immobilien an; mit Ende 20 war er schon Millionär.
Bald wurde Hollywood auf ihn aufmerksam. Zunächst spielte er unter dem naheliegenden Pseudonym Arnold Strong in Billigproduktionen.
Der Durchbruch kam 1977 mit "Pumping Iron" und später dann mit "Conan, der Barbar" und der "Terminator"-Serie. Zu diesem Zeitpunkt hatte der smarte Steirer seine neuen Landsleute auch an seinen zungenbrecherischen Nachnamen gewöhnt.
Den politischen Gegner kennt Schwarzenegger übrigens aus nächster Nähe: Er ist mit der Demokratin und Kennedy-Nichte Maria Shriver verheiratet. Sie hat auch ein Wort bei einer Gouverneurs-Kandidatur mitzureden. "Bevor ich eine solche Entscheidung treffe", meinte der Schauspieler unlängst, "muss ich mit dem Allmächtigen sprechen - meiner Frau Maria".
(Von Wolfgang Koydl)
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