Es geht doch um Glaubwürdigkeit, sagen die Kolporteure zu ihrer Entschuldigung - das macht die Sache nicht appetitlicher, aber ganz falsch ist das Argument ja nicht.
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Lafontaine hat sich seinerzeit, um seine Flucht vor Schröder und aus der Politik gewinnend zu begründen, mit seinem kleinen Sohn auf den Schultern auf dem Balkon seines Wohnhauses präsentiert. Er hat seine Privatheit als Mittel zum Zweck eingesetzt. So etwas rächt sich.
Es gibt merkwürdige Symbiosen zwischen einer öffentlichen Figur und den Medien, die auch in der Politik Einzug halten. Ein besonderer tragischer Fall einer solchen Symbiose war einst der Fall der englischen Prinzessin Diana. Er zeigte, wohin im Extremfall eine solche Symbiose führen kann - zum tödlichen Crash.
Diana hat ihre verhasste Rolle als Frau an der Seite von Charles nur aufgeben können, indem sie aller Welt kundgetan hat, wie er und sie immer wieder gegen ihre Rollen verstoßen haben. Das heißt also, sie hat die Medien, die Öffentlichkeit, zum Komplizen ihres Privatlebens gemacht.
Den Anfängen wehren
Diese Öffnung des Privatlebens zwecks geschönter Darstellung der Wirklichkeit hatte aber zur Folge, dass der Komplize, die Öffentlichkeit, und ihre vermeintlichen Handlanger, die Boulevard-Journalisten, ständig neue Neuigkeiten eingefordert haben. Das heißt also: Diana benutzte die Medien, und die Medien benutzten sie.
Solche Entwicklungen gibt es auch in der Vermarktung von Politik. Es entwickelt sich deshalb eine Art politischer Paparazzismus. Mit juristischen Mitteln erreicht man hier nicht allzu viel. Besser ist es, den Anfängen zu wehren.
Das bedeutet: Politiker sollten sich bei der Demonstration von Privatheit zu politischen Zwecken sehr zurückhalten. Wenn Politiker Privatheit zu politischen Zwecken inszenieren, wird ihnen die Inszenierung alsbald aus den Händen genommen.
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(sueddeutsche.de/bica/aho)
Die Ärzte in München
Auch wenn Schröder es vorgezohen haben mag, Teile seines Privatlebens öffentlich zu machen, bleibt doch wohl unter anderem die Frage offen, mit welchem Recht sich seinerzeit Stern-Reporter illegal Zutritt zum Kinderzimmer seiner Tochter verschafft haben.
Soweit wie Prantl es darstellt ging Schröder offensichtlich wohl doch nicht mit der Öffentlichkeits-Öffnung seiner Familie.
Sonst hätten es solche Schmutzfinken nicht nötig gehabt, mittels Leitern und andern Hilfsmitteln Hausfriedensbruch gegenüber einer Minderjährigen zu begehen.
Es gibt nur einen einzigen Grund, das Privatleben eines Politikers in der Öffentlichkeit zu diskutieren:
Wenn der Politiker sein eigenes Privatleben als Begründung oder Illustration seiner Politik verwendet. Propagiert ein Politiker beispielsweise mit seiner angeblich vorbildlichen Familienvaterrolle die Benachteiligung von Homosexuellen als Ziel seiner Politik, ist es die Pflicht der Journalisten, ihn ggf. zu outen!
Interessanter Kommentar, Herr Prantl, aber was hat das alles mit Lafontaine zu tun?
"Lafontaine hat sich seinerzeit, um seine Flucht vor Schröder und aus der Politik gewinnend zu begründen, mit seinem kleinen Sohn auf den Schultern auf dem Balkon seines Wohnhauses präsentiert."
Ach so.
besonders von denen in den Parlamenten als Legislative (Bund und Länder)
ist ohne jeden Zweifel nicht nur Privatsache.
Wer an unseren Gesetzen und auch am Grundgesetz ändert, muß sich gefallen lassen, dass die Wähler auch ein umfassendens Bild zu den Personen erhalten (wollen).
Inwieweit sich die Journalisten dann als Journalisten oder Paperazzis betätigen, steht auf einem anderen Blatt.
Tja, es ist für die Herren "Journalisten" halt einfach mit Mutmaßungen über Herrn Lafontaines Privatleben auf billigste und widerwärtigste Art und Weise Auflage zu machen, als TÄGLICH bei Herrn Kohl (z.B.) auf der Matte zustehen und die Spendernamen einzufordern.
Watergate würde heutzutage nicht mehr aufgedeckt - zumindest nicht in Deutschland!
Paging