Privatkredit des Bundespräsidenten Zweifel an Wulffs Aussagen

Bundespräsident Christian Wulff gerät in der Kredit-Affäre zunehmend unter Druck. Laut Medienberichten soll das geliehene Geld doch von dem Unternehmer Egon Geerkens stammen - und nicht wie behauptet von seiner Frau.

Von Stefan Braun und Jens Schneider

Bundespräsident Christian Wulff gerät wegen seines Privatkredits aus dem Jahr 2008 weiter unter Druck. Neue Aussagen des Unternehmers Egon Geerkens im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel legen nahe, dass der Kredit von ihm stammt. Dies stünde im Gegensatz zu bisherigen Angaben des Bundespräsidenten.

Wulff hatte versichert, dass der Kredit für sein Einfamilienhaus in Burgwedel von Edith Geerkens stamme, der Frau des Unternehmers. Der Bundespräsident bleibt bei dieser Darstellung. Dies ließ er am Freitagabend über seine Anwälte mitteilen. Auch Geerkens widersprach den Berichten. In einer Erklärung teilte er mit, dass der Kreditvertrag mit seiner Frau geschlossen worden sei.

Die Frage, von wem das Geld kommt, ist von großer Bedeutung. Denn im Jahr 2010 hatte Wulf, damals noch Ministerpräsident von Niedersachsen, auf eine Anfrage der Opposition im Landtag versichert, dass er keine Geschäftsverbindungen zu Egon Geerkens unterhalte. Am Donnerstag hatte er in einer persönlichen Erklärung betont, dass er den Kredit damals nicht erwähnt habe, weil er von Edith Geerkens gekommen sei.

Wie der Spiegel weiter berichtet, hat Geerkens dem Nachrichtenmagazin erzählt, dass er selbst die Verhandlungen über den Kredit mit Wulff geführt habe. Er sei es auch gewesen, der sich überlegt habe, "wie das Geschäft abgewickelt werden könnte". Die Zahlung des Geldes sei formal über das Konto seiner Frau erfolgt, zitiert das Blatt den 67 Jahre alten Unternehmer. Für dieses Konto habe er aber auch eine Vollmacht.

Auch die Rückzahlung im Jahr 2010 sei auf ein Konto geflossen, das beiden Eheleuten gehöre, so Geerkens. Wulffs Anwalt teilte dagegen am Abend mit, die Summe sei "auf das Konto von Frau Geerkens geflossen". Wulff habe zu keinem Zeitpunkt Anlass gehabt, "daran zu zweifeln, dass die Darlehenssumme aus dem Vermögen von Frau Edith Geerkens" stamme.

Der Spiegel berichtet dagegen, der Unternehmer habe einen Weg gesucht, bei dem die Namen der Beteiligten nicht auftauchen sollten. Er wird mit den Worten zitiert: "Wir sind beide sehr bekannt in Osnabrück. Und ich wollte nicht, dass irgendein Bank-Azubi sieht, dass so viel Geld von mir an Wulff fließt."

Die Aussagen lösten bei der Opposition in Niedersachsen große Irritation aus. "Ich bin im Grunde sprachlos", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Stefan Schostok. "Sollte es tatsächlich so sein, dass der Herr Bundespräsident erneut nicht die volle Wahrheit gesagt hat, dann haben wir eine sehr ernste Situation."

Die Grünen argwöhnen, dass der Bundespräsident mit dem Kredit gegen das Ministergesetz verstoßen hat. "Es gibt große Zweifel, dass sich Herr Wulff korrekt verhalten hat", sagte Fraktionschef Stefan Wenzel. "Die aktuelle Berichterstattung nährt diese Zweifel."

Der Ältestenrat des Landtags kommt am nächsten Dienstag auf Antrag von SPD, Grünen und Linken zusammen. Die Oppositionsfraktionen wollen die Antwort der Landesregierung auf die Anfrage der Grünen erörtern, mit der am 18. Februar 2010 eine Geschäftsbeziehung zwischen Wulff und Geerkens in Abrede gestellt wurde. Darüber hinaus halten sie es "für zwingend geboten", sich mit den zugrunde liegenden Ereignissen zu befassen.